„Die Regierungen hatten keine Ahnung, wo das hinführen würde“

3 07 2013

Wiener Menschenrechtsgespräche (2): Charlotte Bunch

SENDUNG: Journal Panorama, 2. Juni 2013, 18:25 Uhr, Ö1

Erst seit 20 Jahren, nämlich seit der UN-Menschenrechtskonferenz in Wien 1993, werden Frauenrechte von den Vereinten Nationen dezidiert als Menschenrechte angesehen. Zu verdanken ist das unter anderem der US-amerikanischen Frauenrechtlerin Charlotte Bunch. Sie hatte damals zahlreiche Frauenorganisatorinnen aus der ganzen Welt zusammengetrommelt, um eine Kampagne zu starten „Frauenrechte sind Menschenrechte“. Die Frauen organisierten damals in Wien ein Frauentribunal, bei dem sie verschiedene Formen von Gewalt anprangerten: vom prügelnden Ehemann bis hin zu weiblicher Genitalverstümmelung. Sie wollten der internationalen Menschenrechts-Community drastisch vor Augen führen, welche Ausmaße die alltägliche Gewalt gegen Frauen hat. Ende Juni war Charlotte Bunch wieder in Wien zu Gast, als Expertin der Jubiläumskonferenz Vienna + 20.

(c) Vienna +20

Seit 1993 gelten Frauenrechte offiziell für die Vereinten Nationen als Menschenrechte. Wie schwierig war es eigentlich, das durchzusetzen? Gab es damals viel Widerstand von Regierungen?

Charlotte Bunch: Ja, es gab Widerstand von Regierungen. Aber um die Wahrheit zu sagen: Der größte Widerstand kam von den Menschenrechtsorganisationen. Diese Forderung war ja nicht von ihnen formuliert worden, sondern von der Frauenbewegung. Einige Frauen, die dort in den traditionellen Menschenrechtsorganisationen arbeiteten, waren zwar auf unserer Seite. Aber die meisten der NGOs wurden von Männern kontrolliert. Und die hatten ihre eigene Agenda für Wien. Ich kann mich erinnern: einer von ihnen sagte hinterher: „Die Frauen haben die Wiener Konferenz geentert.“ Den Rest des Beitrags lesen »

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Femcamp: Ein Barcamp zu Netzkultur, Karriere und anderen Frauenthemen

18 03 2013

SENDUNG: Digital.leben, Montag, 18. März 2013, 16:55 Uhr, Ö1

Wenn technikverliebte Nerds und Geeks auf Konferenzen bzw. Barcamps  zusammentreffen, dann sind Frauen meist klar in der Minderheit. Vergangenen Samstag war es einmal umgekehrt: Eine Gruppe netzaffiner Frauen (@tschilp, @lenadoppel, @kigo, @sigi_maurer, @nichtkatharina) hatte zum ersten Wiener Femcamp geladen – einem Barcamp mit Frauenschwerpunkt. Im hypermodernen Headquarter der Firma Microsoft in Wien Meidling diskutierten an die hundert Frauen – und auch ein paar Männer – verschiedenste Themen rund um Feminismus, Netzkultur und Technik.

femcamp_logo

Piratinnen, Nerdinnen, Geekinnen

Wie hält es die Piratenpartei jetzt eigentlich mit den Frauen? Wie kann ich mir legal im Netz Filme besorgen, die es in Österreich nicht als Download gibt? Werden die Postings von Frauen in sozialen Medien, wie Twitter, weniger wahrgenommen als die von Männern? Die Diskussionsthemen am Femcamp waren breit gestreut. Den Rest des Beitrags lesen »





Sexismus im Netz: Raue Sitten am virtuellen Stammtisch

5 02 2013

SENDUNG: Digital.leben, Dienstag, 5. Februar 2013, 16:55 Uhr, Ö1

„Für jede Mail, in der eine Frau beschreibt, durch #aufschrei selbstsicherer und froher geworden zu sein, nehme ich gerne 10 Hassmails an“, sagt Nicole von Horst, eine der Initiatorinnen der aktuellen Sexismus-Debatte. Die meisten der unter dem Hashtag #aufschrei verfassten Tweets beziehen sich dabei auf Erfahrungen im echten Leben. Wie es mit Sexismus speziell in der Cyberwelt ausschaut, wollte die Bloggerin Karin Ortner wissen. Sie hat netzaktive Frauen befragt, in welchem Ausmaß sie untergriffige und sexistische Reaktionen auf ihre Beiträge bekommen.

aufschrei

Du Kampfemanze!

Karin Ortner bloggt und diskutiert gerne in Online-Zeitungsforen zur Wirtschaftskrise, zu Asylpolitik – und ja, manchmal auch zu Frauenthemen. Sie selbst bemüht sich stets um einen sachlichen Ton, versichert sie, doch was zurückkommt, ist oft unter der Gürtellinie: „Du Kampfemanze, was willst du denn!“ Und dabei ist es auch gar nicht so wesentlich, zu welchen Themen man gerade diskutiert, so Ortner: „Es kann passieren, dass man zum Beispiel zum Thema Rassismus schreibt und plötzlich kommt eine frauenfeindliche Geschichte zurück.“ Den Rest des Beitrags lesen »





Cyborgs, Cyberfeminists und Geek Girls. Wie männlich ist die Netzkultur?

14 10 2012

SENDUNGEN: Matrix, Sonntag, 14. Oktober 2012, 22:30 Uhr, Ö1
und
Digital.leben, Donnerstag, 11. Oktober 2012, 16:55 Uhr

Mit dem Web 2.0 sollte alles anders werden: Das Netz hat eine demokratische Struktur, in der digitalen Welt zählt jeder gleichviel, Herkunft, Hautfarbe und Geschlecht spielen keine Rolle. Soweit die optimistischen Visionen. Doch ist das tatsächlich so? Nein, sagen Feministinnen: In der Netzkultur gelten ganz ähnliche Geschlechter-Hierarchien, wie in der Offline-Welt. Daran wollen Netzfeministinnen etwas ändern. Sie nutzen Kommunikationstechnologien zur Verbreitung feministischer Ideen und setzen sich kritisch mit Geschlechteridentitäten im Cyberspace auseinander. Die Anfänge des Cyberfeminismus sind in der Kunstwelt der 1990er-Jahre zu finden.

Cyberfeminismus ist keine Nudelsauce

„Cyberfeminismus ist kein gruenes Häkeldeckchen, Cyberfeminismus ist kein leerer Kühlschrank, cyberfeminism is not lady.like” – So lauten drei der 100 Antithesen zum Cyberfeminismus, verfasst vom Old Boys Network. Der Name der Gruppe wirkt trügerisch, denn dahinter verbirgt sich eine Gruppe von technik-affinen Künstlerinnen, die 1997 auf der Documenta in Kassel die Erste Cyberfeministische Internationale organisiert hat. Den Rest des Beitrags lesen »





Mein Chef ist eine Frau. Erfahrungsberichte über die weibliche Seite der Macht

9 03 2012

SENDUNG: Kontext – Sachbücher & Themen, Freitag, 9. März 2012, 9:05 Uhr, Ö1

Warum so wenige Frauen in Spitzenpositionen kommen, wie es einzelne schaffen und wie es ihnen dort geht, damit hat sich die deutsche Autorin Juliane Gringer beschäftigt. In ihrem Buch „Mein Chef ist eine Frau. Erfahrungsberichte über die weibliche Seite der Macht“ bringt sie persönliche Portraits von Frauen in Führungspositionen. Aber sie hat auch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen befragt: Wie geht es einem so, wenn der Chef eine Frau ist? Machen Frauen in Führungspositionen irgendetwas anders?

Choleriker und Zicken
„Frauen sind schlechte Chefs“, schreibt Juliane Gringer, „aber: Männer auch!“ Ob nämlich Führungskräfte auch Führungsqualitäten haben – das sei ihrer Meinung nach gar nicht vom Geschlecht abhängig. Nur bei Frauen werden mangelnde Qualitäten sofort auf das Geschlecht zurückgeführt: „Im Job kennen wir hauptsächlich Klischees, die über Frauen erzählt werden“, sagt Gringer, „über Männer sagt man wenig Schlechtes. Da wird alles nicht so streng gesehen. Ein Mann ist eben cholerisch, aber eine Frau ist zickig. Was ist besser?“ Den Rest des Beitrags lesen »





Interkulturelle Beziehungskiste (4) – Die Frau aus dem Katalog?

7 03 2012

SENDUNG: Radiokolleg „Interkulturelle Beziehungskisten. Liebe in Zeiten der Globalisierung“ (Teil 4),
Donnerstag, 8. März 2012, 9:30 Uhr, Ö1

Immer mehr Männer in Mittel- und Westeuropa tun sich schwer, eine Frau zu finden. Die Emanzipation macht ihnen schwer zu schaffen. Viel zu anspruchsvoll seien die Westlerinnen heutzutage und nicht mehr willens, ihre häuslichen Pflichten wahrzunehmen. In Osteuropa wiederum ist das angeblich ganz anders. Dort sollen Frauen noch richtige Frauen sein. Doch, auch die tun sich oft schwer, einen passenden Partner zu finden. Einen, der nicht trinkt und der genug Geld verdient, um eine Familie ernähren zu können. Zahlreiche Internetsinglebörsen und Partnervermittlungsagenturen haben sich mittlerweile darauf spezialisiert, Männer aus dem Westen mit Frauen aus dem Osten zusammen zu bringen. Doch die Erwartungen werden nicht immer erfüllt.

Text kommt demnächst…

DL





Interkulturelle Beziehungskiste (3) Beziehungskiller Fremdenrecht

6 03 2012

SENDUNG: Radiokolleg „Interkulturelle Beziehungskisten. Liebe in Zeiten der Globalisierung“ (Teil 3),
Mittwoch, 7. März, 2012, 9:30 Uhr, Ö1

Wir migrieren möchten, sollte Geld haben. Wer seine ausländische Liebe nach Österreich holen möchte, sollte Geld haben. In der globalisierten Welt sollen sich Kapital und Waren möglichst frei bewegen können. Nicht aber Menschen. Der Fremde ist eine Bedrohung – zumindest solange er kein Geld hat. Und den gilt es abzuwehren. Aus Angst vor Scheinehen zur Erschleichung eines Aufenthaltstitel zerstört der Nationalstaat immer wieder das Liebesglück mancher seiner Bürger und Bürgerinnen.

Foto (c) Thomas Scholz, pixelio

Telenovela mit Happy End

Eine Freundin hat er vorausgeschickt. Die sollte erkunden, ob Magdalena einen fixen Freund habe. „Ab dem Zeitpunkt bin ich auf ihn aufmerksam geworden. Ich habe begonnen, ihn auf eine andere Art zu sehen“, erinnert sich die Oberösterreicherin. 2001 hatte sie bei einem Praktikum in der nordostbrasilianischen Hafenstadt Recife den Theologiestudenten Luiz kennengelernt. „Dann waren wir zusammen“, erzählt Luiz, „doch im Juni ging sie zurück nach Österreich. Das war traurig. Ich begann, ihr zu schreiben. Gedichte. Und ich nahm ihr Kassetten auf, wo ich Gedichte vorlas. Aber ich wusste: Sie ist weit weg. Das hat alles keinen Sinn.“ Den Rest des Beitrags lesen »