Kunst in der Favela: Centro de Arte da Maré

18 09 2014
SENDUNG: Kulturjournal, Montag, 15. September 2014, 
 17:09 Uhr, Ö1 
Ö1 zum Nachhören

Wenn in Medien von Favelas in Rio de Janeiro die Rede ist, dann geht es meist um Gewalt, Drogen oder Misere. Die Favela Maré beispielsweise kam Anfang April international in die Schlagzeilen, weil dort im Vorfeld der Fußball WM die brasilianische Armee einmarschierte, um die Favela zu „befrieden“ und die rivalisierenden Drogengangs zu vertreiben. Die Soldaten sind bis heute dort präsent. Doch die düsteren, kriegsähnlichen Bilder zeigen nur die halbe Wahrheit. Seit langem bemühen sich NGOs das Leben der Menschen in der Maré zu verbessern. Unter anderem haben sie vor einigen Jahren ein Kulturzentrum eröffnet. Dort präsentieren seit Ende August namhafte zeitgenössische Künstler aus Brasilien ihre Werke und es finden regelmäßig Tanz- und Theaterperformances statt.

(c) ullae

Dornröschen in der Favela
Der Theaterraum gleicht einer Lagerhalle, die Zuschauer sitzen auf Holzpaletten mit Polstern. Auf der Bühne präsentiert eine ausgebildete Clown-Frau ihr Ein-Personenstück. Es geht um die große Liebe, die Handlung basiert auf dem Märchen Dornröschen.

Die Produktion wurde aus einem Theater im Stadtteil Tijuca von Rio de Janeiro hierher in die Favela Maré geholt, erklärt Isabella Porto. Sie koordiniert die Kulturaktivitäten der NGO „Redes da Maré“ – zu Deutsch: Netzwerke der Maré. Seit mittlerweile zwei Jahren werden hier einmal pro Monat Tanzperformances und Theaterstücke gezeigt. Das Publikum ist sehr gemischt, erzählt Isabella Porto: „Für uns ist das Kulturzentrum der Maré ein Ort der Begegnung. Hier sollen Bewohner der Favela und Bewohner der restlichen Stadt zusammenkommen. Heute zum Beispiel war eine Gruppe Jugendlicher im Stück, die an einem Drogenentzugsprogramm teilnehmen, ehemalige Crack-Raucher. Auch so etwas finden wir ganz wichtig.“ Den Rest des Beitrags lesen »

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Kulturpolitik in Bulgarien

2 11 2012

SENDUNG: Kulturjournal, Freitag, 2. November 2012,
17:09 Uhr, Ö1

Beim alle zwei Jahre stattfindenden Flow-Festival In der bulgarische Stadt Ruse machten sich vergangene Woche Kulturschaffende aus Österreich, Bulgarien, Rumänien, Serbien, Bosnien, der Ukraine und anderen Ländern des Donauraums Gedanken über politischen Aktivismus, über alternative Ökonomien und über Grenzen in Europa. Anlass für einen Blick auf die bulgarische Kulturpolitik.

Theater im Abbruchhaus

„P.O. Box: UNA-Bomber“ nennt sich das Performance-Stück der bulgarischen Theatergruppe 36 monkeys, das im Rahmenprogramm des Flow-Festivals in Ruse gezeigt wurde. Es beschäftigt sich mit der irren Gedankenwelt des US-amerikanischen Briefbombenattentäters Ted Kaczynski. Sein Motiv für Anschläge auf Forschungseinrichtungen: Angst vor dem technischen Fortschritt. Den Rest des Beitrags lesen »





Clowns (4) Globalisierungskritik mit roter Nase

14 07 2011

SENDUNG: Radiokolleg „Clowngeschichten. Vom Hofnarren zur rebellischen Clown Army“, Donnerstag, 14. Juli 2011, 9:30 und 22:40 (WH), Ö1 und 
Moment – Leben heute, Mittwoch, 8. September 2010, 14:40 Uhr, Ö1

Auf großen internationalen Demonstrationen der GlobalisierungskritikerInnen tauchen seit einigen Jahren immer wieder Clowns und Clowninnen an vorderster Front auf. Sie schummeln sich spielend durch Polizeiabsperrungen, schenken brustgepanzerten Spezialeinheiten Blümchen und fangen dafür auch gelegentlich Prügel ein. Und das gibt ein hässliches Zeitungsbild: Polizisten, die einen fröhlichen Clown niederknüppeln.

AUDIO: Die Clowninnen Wirr und Leonardo über Liebeslieder und Grenzen (0:46)

Militärgrün mit Pink
Die Clandestine Insurgent Rebel Clown Army (CIRCA) wurde 2003 von GlobalisierungskritikerInnen in London gegründet. Sie vermischt clowneskes Theater mit politischem Aktivismus und ist häufig auf großen Demonstrationen anzutreffen. Ihre grüne Militärkleidung verzieren die Clowns und Clowninnen mit rosa Plüsch oder Blümchen, als Utensilien haben sie meist dabei: Seifenblasen, Kreiden, Dinge zum Vermessen oder Kategorisieren. Inzwischen gibt es die Clown Army in vielen europäischen Städten. Auch in Wien. „Ich hab den Weg zu den Clowns gefunden, weil ich gemerkt hab, dass es mehr Spaß macht, sich mit einer roten Nase im Gesicht die wichtigen Fragen der Welt zu stellen, als vielleicht im grauen Anzug“, erzählt der Wiener Clown Christian. Den Rest des Beitrags lesen »





Clowns (2) Vom Lachen, Scheitern und Heilen

12 07 2011

SENDUNG: Radiokolleg „Clowngeschichten. Vom Hofnarren zur rebellischen Clown Army“ (2), Dienstag, 12. Juli 2011, 9:30 und 22:40 (WH), Ö1

Durch die Zirkusmanege zu stolpern und Menschen zum Lachen bringen – das war im Laufe der Geschichte nur eine von vielen Aufgaben clownesker Figuren. Denn mehr als alles andere verkörpern Clowns die Kunst des Scheiterns. Sie machen Autoritäten lächerlich und konfrontieren ihr Publikum mit der Angst vor der eigenen Lächerlichkeit. Darüber hinaus können Clowns auch therapeutische Wirkung haben. Gruppen wie die Roten Nasen Clowndoctors und die Cliniclowns erleichtern Patienten den Spitalsaufenthalt, und der deutsche Clown Johannes Galli entwickelte sogar eine eigene Methode, wie spontanes Spiel als Grundlage für Konfliktbewältigung und persönliches Wachstum eingesetzt werden kann. 

Vom Postamt in die Manege

Der Zirkus Louis Knie Junior im Wiener Prater: Neben dem dressierten Terrier Jacky, der wilden Reiterin Ilona und dem Jongleur Antonio ist Clown Francesco ein Liebling des Publikums. Seine blitzblaue Dienstboten-Uniform ist drei Nummern zu groß, besonderes Markenzeichen: die wasserstoffblonde Stachelfrisur. Seine Spezialität: Zaubertricks mit weißen Kaninchen. Eigentlich sei er immer lustig, erklärt mir Francesco gleich zu Beginn des Gesprächs. Den Rest des Beitrags lesen »





Wie Branka sich nach oben putzte

16 05 2011

SENDUNG: Leporello, 16. Mai 2011, 7:52 Uhr, Ö1

Frau Magistra Moser, eine 34-jährige Kultur- und Gesellschafts- wissenschaftlerin, die im Marketing eines Energy-Drink-Herstellers arbeitet, ihre Putzfrau Branka, eine Romni aus Ex-Jugoslawien und der dämonische Captain Clean aus der TV-Putzmittelwerbung – das sind die Hauptfiguren des Stücks  „Wie die Branka sich nach oben putzte“. Eine bitterböse Parabel auf die sogenannten Ausländer- und Genderdiskurse. Inszeniert von der multikulturellen Theatertruppe daskunst. 16. – 21. Mai, 3Raum Anatomietheater.

Staubphobie und Lust am Schmuddeligen

Magistra Moser ist kurz vorm Wahnsinnigwerden. Ihr Problem: auf einer theoretischen Ebene beschäftigt sie sich mit dem Uneindeutigen, mit vielschichten Identitäten,mit dem „anderen“. Doch auf einer persönlichen Ebene, merkt sie, dass sie immer mehr ihrer kleinbürgerlichen Herkunftskultur gleicht. Sie hat plötzlich eine schlimme Staub-Phobie und eine panische Angst vor allem, was unordentlich ist. Und deshalb engagiert sie die Putzfrau Branka.

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Yes Theatre – Geschichten aus einem palästinensischen Flüchtlingslager

24 10 2010

SENDUNG: Leporello, Montag, 25. Oktober 2010, 7:52 Uhr, Ö1

Das Yes Theatre ermöglicht es Kindern und Jugendlichen, durch das Theaterspielen traumatische Erfahrungen zu verarbeiten, sich zu reflektieren und Möglichkeiten zur gewaltfreien Konfliktbearbeitung zu erlernen. Auf diese Weise versucht das Yes Theatre dazu beizutragen, dass aus Jugendlichen Hoffnungsträger für die palästinensische Gesellschaft werden, die die Spirale der Gewalt durchbrechen können. Im Oktober war das Yes Theatre zu Gast beim Festival Salam.Orient in Wien.


Müll, Siedler, Militärkontrollen
„Austria is nice, no garbage, no settlers, no checkpoints“ – Österreich ist schön. Da hat man soviel Platz zum Herumlaufen. Da gibt es keine aggressiven Siedler, keine israelischen Soldaten, kein Schlangestehen an Militär-Checkpoints. Muhamed, Muath, Wa’ad – 13 und Muhamed, 16 Jahre alt, spielen auf der Bühne „Jugendliche aus einem palästinensischen Flüchtlingslager“. Die vier Jugendlichen spielen sich selbst. Den Rest des Beitrags lesen »