Brasilien: Für wen rentiert sich die WM?

26 04 2014
SENDUNG: Ö1 Mittagsjournal, Dienstag, 22. April 2014 
Ö1 zum Nachhören

Am 12. Juni wird in Sao Paulo die Fußball WM 2014 angepfiffen. Insgesamt wird in 12 verschiedenen Städten quer durch das Land gespielt. Das WM Finale findet dann in Rio de Janeiro statt. Rio ist 2016 auch Austragungsort der Olympischen Sommerspiele. Brasilien hat sowohl die FIFA, wie auch das Olympische Komitee mitunter zur Verzweiflung gebracht: Bauvorhaben gerieten immer wieder in Verzug. Die brasilianische Zivilgesellschaft wiederum kritisiert die Verschwendung von Steuergeldern rund um die Bauten.Wie rentabel sind eigentlich solche Sport-Großereignisse? Und vor allem: für wen?

Foto (c) Barbara Stefan

Steuergelder für große Firmen

Bei sportlichen Großereignissen, wie Fußball Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele gehe es nur in zweiter Linie um Sport, meint der Geograph Christopher Gaffney. In erster Linie gehe es um Geld. Und dieses werde dabei in großem Stil umverteilt: von der öffentlichen Hand hin zu privaten Konzernen. Der gebürtige US-Amerikaner Christopher Gaffney ist Experte für Stadtentwicklung und unterrichtet an der öffentlichen Universität in Rio de Janeiro. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich in seiner Forschungstätigkeit mit der Frage, wie sich Städte durch sportliche Mega-Events verändern. Den Rest des Beitrags lesen »

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Polizeistreik in Salvador: Plünderungen und Gewalt

18 04 2014
SENDUNG: Ö1 Mittagsjournal, Freitag, 18. April 2014 
Ö1 zum Nachhören

Zwei Tage streikte die Polizei im brasilianischen Fußball-WM-Austragungsort Salvador da Bahia. Die Folge war eine Welle von Gewalt und Plünderungen, bei der mindestens 39 Menschen getötet wurden. Die Regierung entsandte Elitepolizisten und hunderte Soldaten, der Streik ist mittlerweile beendet.

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Chaostage in Salvador da Bahía: Nirgendwo Polizei, Menschen plündern ungeniert Supermärkte, die Glastüren von Elektrogeschäften werden eingeschlagen, Bankomaten gesprengt. Während der 42 Stunden Polizeistreik wurden in Salvador 39 Menschen ermordet und allein am ersten Tag 60 Autos gestohlen – das sind dreimal so viele wie an gewöhnlichen Tagen. Viele Busse blieben aus Sicherheitsgründen in den Garagen der Busgesellschaften, der öffentliche Verkehr brach beinahe zusammen. In einigen Schulen fiel der Unterricht aus.

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#VaiTerMarcoCivil: Brasilien bekommt eine Internetverfassung

15 04 2014
SENDUNG: Digital.leben, Dienstag, 15. April 2014, 
16:55 Uhr, Ö1 / 7 Tage Ö1 zum Nachhören

Zum 25. Geburtstag des World Wide Web diesen März wünschte sich dessen Erfinder, Tim Berners Lee, eine weltweite Internetverfassung, also ein Gesetz, das das freie Netz vor dem Zugriff von Regierungen und Unternehmen schützt. Brasilien wird jetzt – als erstes Land der Welt – genau so eine Internetverfassung bekommen. Ende März stimmten die brasilianischen Abgeordneten für den sogenannten „Marco Civil“ – ein Gesetz, das Datenschutz und Bürgerrechte im Netz garantieren soll. Demnächst dürfte der Senat seine Zustimmung geben. Der Gesetzesentwurf wurde übrigens mit Hilfe der Schwarmintelligenz der Internet-User erstellt. Die Idee dafür stammt vom brasilianischen Juristen Ronaldo Lemos.

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Verfassung für das Online-Universum

„Der Tag, an dem die Welt auf Brasilien schaut“, so euphorisch verkündeten Internetaktivisten das Abstimmungsergebnis über den Marco Civil, die brasilianische Internetverfassung. Unter dem Schlagwort #VaiTerMarcoCivil – also: der Marco Civil wird kommen – hatten sie monatelang Stimmung im Netz für das Internetgesetz gemacht. 340.000 Menschen unterschrieben eine entsprechend Online-Petition. Der brasilianische Jurist Ronaldo Lemos gilt als ein Vordenker dieser Internet-Verfassung. Er betrachtet den brasilianischen Gesetzesentwurf als Vorbild für die restliche Welt: „Der Marco Civil übersetzt die verfassungsmäßigen Rechte der Bürger auf das Online-Universum. Es geht um das Recht auf Privatsphäre, freie Meinungsäußerung und die Verantwortung von Unternehmen im Netz. Gerade in letzter Zeit haben ja einige Länder schlechte und restriktive Gesetze erlassen, um das Netz zu kontrollieren: die Türkei, Russland und China. Brasilien hingegen engagiert sich – als einziger BRICS Staat – für die Freiheit des Internet.“ Den Rest des Beitrags lesen »





Soziale Säuberung: WM-Austragungsstädte verstecken Straßenkinder

15 04 2014
SENDUNG: Ö1 Mittagsjournal, Dienstag, 15. April 2014 / 
Ö1 zum Nachhören

Nur noch zwei Monate bis zur Fußball WM in Brasilien. Zu der Vorfreude auf das sportliche Großereignis mischt sich aber immer wieder laute Kritik: von Korruption ist die Rede, von Zwangsumsiedlungen und auch von sozialen Säuberungen. Kinderrechtsorganisationen sind empört über ein Gesetz, dass es der brasilianischen Regierung gestattet, Straßenkinder mehrere Monate – auch gegen den Willen der Kinder –  in Notunterkünften festzuhalten. Brasilien will sich vor den ausländischen Gästen nicht als Land der Armut präsentieren.

Foto (c) S.-Hofschlaeger_pixelio

Damit Touristen der Anblick erspart bleibt

„Meine Mutter ist woanders hingezogen, ich weiß nicht, wo sie jetzt ist“, erzählt der 14-jährige Wanderson, „wir haben keine Eltern, wir leben auf der Straße.“ Sie schlafen auf den Gehsteigen oder am Strand, sie suchen in Mistkübeln nach Essbarem und betteln an Busbahnhöfen um Geld. Niemand weiß genau, wie viele Straßenkinder es in Brasiliens Städten gibt. Eine Studie aus dem Jahr 2008 hat allein in den 26 Hauptstädten der Bundesstaaten 25.000 gezählt. Den Rest des Beitrags lesen »