Der Computer als Wähler: Science Fiction-Visionen einer Direkten Demokratie

27 11 2012

SENDUNG: Digital.leben, Dienstag, 27. November 2012, 16:55 Uhr

Stellen wir uns vor, alle Bürger und Bürgerinnen könnten permanent über alles abstimmen. Wenn ihnen das zu anstrengend wird, übernimmt ein Computerprogramm, das bereits weiß, wie der jeweilige User abstimmen würde. Politiker und Parteien wären dann überflüssig. So ungefähr sieht die Welt von Science-Fiction-Autor Roland Pickl aus. „Direkte Demokratie“ heißt sein Roman, der Ende Juli im Verlag Satzweiss erschienen ist. Diese Zukunftsvisionen hat Roland Pickl vergangenen Freitag mit Teilnehmern des Gov 2.0 Barcamps in Wien diskutiert. Ulla Ebner hat nachgefragt, inwiefern es sich dabei um Horrorvisionen oder Wunschvorstellungen handelt.

(c) Verlag Satzweiss

Wenn der Computer weiß, was wir wollen

Wir befinden uns im Österreich der späten 2020-er Jahre. Nach wie vor verschicken Menschen SMS via Handys und vernetzen sich via Facebook. Was es nicht mehr gibt: ein Parlament und Berufspolitiker. Die Bürger und Bürgerinnen regieren sich jetzt selbst. Jeder kann im Netz einen Antrag für ein neues Gesetz stellen. Jeder kann abstimmen. Doch, auch in der Zukunft haben die Menschen anderes zu tun, als sich den ganzen Tag mit Politik zu befassen. Zum Glück weiß das automatische Abstimmungsprogramm ohnehin, was wir wollen. Den Rest des Beitrags lesen »





Südsudan: Warten auf das Erdöl

22 11 2012

SENDUNG: Mittagsjournal, Donnerstag, 22. November 2012, 12:00 Uhr, Ö1 / Ö1 zum Nachhören

Seit mittlerweile elf Monaten stehen im ölreichen Südsudan die Ölförderanlagen still. Der Grund: Auseinandersetzungen mit dem nördlichen Nachbarn Sudan, von dem sich der Süden vergangenes Jahr nach einem langen Krieg abgespalten hat. Dem Süden gehört jetzt ein Großteil der Erdölvorkommen, die Leitungen führen aber durch den Norden. Nach großem internationalen Druck haben die beiden Konfliktparteien Ende Oktober ein Kooperationsabkommen unterzeichnet. Wichtige Frage zur Grenzziehung sind zwar noch offen, aber immerhin soll in den kommenden Monaten wieder Öl fließen. Höchste Zeit, denn 98 Prozent der südsudanesischen Staatseinnahmen kommen aus der Ölförderung. Unter den Folgen des Förderstopps leidet die Bevölkerung des Landes zunehmend. Der Kampf gegen die Korruption ist eine Bedingung der internationalen Geldgeber für Hilfszahlungen. Aber auch um Menschenrechte und Demokratisierung steht es nicht zum besten.

Sparpakete und Hilfsgelder

Die Provinzstadt Mundri Town, etwa 160 Kilometer westlich der südsudanesischen Hauptstadt Juba: Hier gibt es weder asphaltierte Straßen, noch ein Stromnetz. Viele Menschen sterben an vermeidbaren Krankheiten. Es mangelt an Ärzten und Medikamenten. Den Rest des Beitrags lesen »





Reisetagebuch Südsudan: Unterwegs im Auftrag des Herrn

9 11 2012

Thank you, Jesus, für den Allradantrieb und den weltbesten Fahrer

Als Captain Gero beginnt zu beten, ist uns etwas  mulmig zu Mute. Wir sollen uns keine Sorgen machen, wenn er in Mundri ein paar mal im Tiefflug über die Landepiste zieht, ohne aufzusetzen, erklärt uns der Deutsche. Das müsse er tun, um dort die Kühe, Ziegen und Kinder zu vertreiben. Vor jedem Platz der 12-sitzigen Cessna findet sich ein Speibsackerl. Wer es verwendet, möge es danach selber aus dem Flieger entsorgen, sagt der Pilot.

Die Flugzeuglandepiste von Mundri Town (jetzt ohne Kühe).

Captain Gero ist unterwegs im Auftrag des Herrn – so steht es auf seiner Visitenkarte. Er wollte immer schon etwas für Lord Jesus tun und so ist er bei MAF – der Mission Aviation Fellowship gelandet. Den Rest des Beitrags lesen »





Reisetagebuch Südsudan: Das große Krabbeln

8 11 2012

Oder: Missglückter Animal Porn in der Lehmhütte

Nachts wird das rosarote Prinzessinnen-Moskitonetz zu einem magischen Schutzwall zwischen mir und dem Krabbelgetier in der Lehmhütte. Zumindest rede ich mir das ein, um schlafen zu können. (es wird sich später als Irrtum herausstellen, wenn ich in der Früh die unzähligen Flohbisse an meinem Körper entdecke). Das Prinzessinnennetz ist mit giftiger Flüssigkeit eingesprüht, damit die Viecher die Lust velieren, darauf herumzukrabbeln (danke, Andrea!) Darum ist es jetzt nicht mehr so dicht bevölkert, wie an den ersten beiden Abenden. Nur die ganz Harten wagen sich noch aufs Netz. Wie zum Beispiel das giftgrüne Flug-Krabbeltier direkt über mir. Eine Riesen-Heuschrecke, vermute ich zunächst.

Plötzlich – summ – landet links von mir noch ein grünes Tier. Noch größer. Noch respekteinflößender: eine Gottesanbeterin. Sie sitzt da und mir wird klar: das über mir ist wohl das Männchen. Den Rest des Beitrags lesen »





Netzaktivismus in Ost- und Südosteuropa

6 11 2012

SENDUNG: Digital.leben, Dienstag, 6. November 2012, 16:55 Uhr, Ö1

Wie können Menschen auf lokaler Ebene Antworten auf die globale Krise entwickeln? Wie kann Protest im 21. Jahrhundert aussehen und wo findet er statt? Ist das Netz etwa die moderne Agora – als jener Ort, an dem schon im Alten Griechenland die Bürger zusammenkamen, um politische Themen zu verhandeln? Mit solchen Fragen haben sich vor kurzem Künstler, Aktivisten und Wissenschafter am diesjährigen Flow-Festival in der bulgarischen Stadt Ruse auseinander gesetzt. Das Festival wird alle zwei Jahre vom österreichischen Außenministerium und dem Institut für den Donauraum veranstaltet. Die Teilnehmer kommen aus verschiedenen Ländern des Donauraums: von Serbien, über Österreich bis hin zu Rumänien und der Ukraine.

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Netzkultur gegen Korruption

Man dürfe das Internet als Ort für politischen Aktivismus nicht überschätzen, meint die rumänische Medienkünstlerin Rarita Zbranca aus Cluj – zu Deutsch „Klausenburg“, in Siebenbürgen. Sie hat 1998 mit Kollegen das Künstlerkollektiv AltArt gegründet. Gemeinsam mit NGOs und Wissenschaftern machen sich die Mitglieder von AltArt Gedanken über die Entwicklung der Gesellschaft, über Identitäten im Netz und über öffentliche Räume: materielle, wie virtuelle. Den Rest des Beitrags lesen »





Flow Festival: Kultur trifft Wissenschaft

2 11 2012

SENDUNG: Europa-Journal, Freitag, 2. November 2012, 18:20 Uhr, Ö1

Bereits zum dritten Mal lud das österreichische Außenministerium heuer Künstler und Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern des Donauraums zum Kulturfestival Flow. Nach Novi Sad in Serbien und dem moldawischen Chisinau war dieses Mal die nord-bulgarische Stadt Ruse Austragungsort des Flow Festivals. Es ist die fünft-größte Stadt Bulgariens und Geburtsort des Autors Elias Canetti. In Ruse befindet sich die einzige Donaubrücke, die Bulgarien und Rumänien miteinander verbindet. Drei Tage lang diskutierten die geladenen Wissen- und Kulturschaffenden dort über die aktuelle Krise und mögliche Auswege daraus: über alternative Ökonomien und mögliche Formen des Protests im 21. Jahrhundert.

Text kommt noch…

DL





Kulturpolitik in Bulgarien

2 11 2012

SENDUNG: Kulturjournal, Freitag, 2. November 2012,
17:09 Uhr, Ö1

Beim alle zwei Jahre stattfindenden Flow-Festival In der bulgarische Stadt Ruse machten sich vergangene Woche Kulturschaffende aus Österreich, Bulgarien, Rumänien, Serbien, Bosnien, der Ukraine und anderen Ländern des Donauraums Gedanken über politischen Aktivismus, über alternative Ökonomien und über Grenzen in Europa. Anlass für einen Blick auf die bulgarische Kulturpolitik.

Theater im Abbruchhaus

„P.O. Box: UNA-Bomber“ nennt sich das Performance-Stück der bulgarischen Theatergruppe 36 monkeys, das im Rahmenprogramm des Flow-Festivals in Ruse gezeigt wurde. Es beschäftigt sich mit der irren Gedankenwelt des US-amerikanischen Briefbombenattentäters Ted Kaczynski. Sein Motiv für Anschläge auf Forschungseinrichtungen: Angst vor dem technischen Fortschritt. Den Rest des Beitrags lesen »