Im digitalen Babylon

31 05 2015
SENDUNG: Matrix, Sonntag, 31. Mai 2015, 
22:30 Uhr, Ö1 
7 Tage zum Nachhören

Wenn technische Möglichkeiten vorhanden sind, Politik transparenter, bürgernaher und partizipativer zu gestalten – warum werden sie dann nicht genutzt? Und: wie könnte moderne Informationstechnologie zu mehr Demokratie in Entwicklungsländern führen? Über diese und ähnlichen Frage wurde vergangene Woche an der Donau-Universität in Krems diskutiert. Das dortige Zentrum für E-Government hatte zur CeDem – Conference for Democracy and Open Government geladen. Auf dieser jährlich stattfindenden Konferenz machen sich Experten aus aller Welt Gedanken, welche Herausforderungen und Möglichkeiten die digitale Entwicklung für die Politik von morgen bereit hält.

(c) MIT Press

Katastrophale Kommunikationsprobleme

Wer verarbeitet eigentlich weltweit die größte Anzahl an Daten? Diese Frage stellte sich der israelische Politikwissenschaftler und Informatiker Alon Peled im Promotion-Video zu seinem Buch „Traversing Digital Babel“, zu Deutsch: Ein Streifzug durch das Digitale Babylon. Im Jahr 2013 verarbeitete die Suchmaschine Google 67,2 Millionen Terabytes. Die NSA, die durch ihre Spionagetätigkeiten unrühmlich bekannt gewordene US-amerikanische Geheimdienstbehörde verarbeitet jährlich sieben mal so viele Daten wie der Suchmaschinenriese Google. Allerdings: sie hält sie unter Verschluss. Nicht einmal andere US-Geheimdienstbehörden dürfen wissen, was die NSA so an Informationen sammelt Den Rest des Beitrags lesen »





Medien-Ninjas und Favela-Reporter

6 06 2014
SENDUNG: Matrix - Computer und Neue Medien, 
Sonntag, 8. Juni 2014, Ö1 / 7 Tage Ö1 zum Nachhören

Bewohner/innen einer Favela demonstrieren gegen Polizeigewalt oder absurd hohe Stromrechnungen. Die brasilianischen Massenmedien interessiert das kaum. Stets mit dabei: Aktivist/innen mit Handy-Kameras. Sie dokumentieren alles und verbreiten die Inhalte via Social Media. 2011 entstand in Sao Paulo das alternative Mediennetzwerk „Mídia Ninjas“. Ziel der Medienaktivisten ist es: all das publik zu machen, was der allmächtige brasilianische Medienkonzern Globo nicht zeigt. Spätestens seit den Massendemonstrationen im Juni 2013 rund um den Confederations Cup in Brasilien, wurden die Mídia Ninjas zu einem nationalen Medienphänomen. Ihre Videos wurden hunderttausende Male angeklickt. Gegen einseitige Medienbilder wehren sich auch Medienprojekte, die in den Favelas, den Armenvierteln Brasiliens entstehen. Medial werden die Favela-Bewohner gerne als Banditen hingestellt, Bilder zeigen sie in Armut und Dreck. Weil das nur die halbe Wahrheit ist, bildet die NGO Observatorio das Favelas eigene Medienaktivisten in den Favelas aus. Kinder und Jugendliche lernen, professionell mit Fotokameras und Blog-Software umzugehen. So können sie ihr eigenes Bild ihrer Lebenswelt zeigen.

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TEXT KOMMT IRGENDWANN…





Wie soll das Internet regiert werden?

3 05 2014
SENDUNG: Matrix - Computer und Neue Medien, 
Sonntag, 4. Mai 2014, 22:30, Ö1 / 7 Tage Ö1 zum Nachhören
Digital.leben, Dienstag, 29. April 2014, 16:55 Uhr, Ö1 
7 Tage Ö1 zum Nachhören

Kaum ein Staatsoberhaupt hat so lautstark Kritik geübt an der Massenüberwachung durch den US-Geheimdienst NSA wie die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff. In einer Rede vor den Vereinten Nationen hat sie vergangenen Herbst eine Regulierung des Internet gefordert, damit Privatsphäre und Bürgerrechte aller Menschen im Netz geschützt werden. Brasilien hat bereits vorgezeigt, wie das gehen könnte und selbst ein solches Gesetz – den sogenannten Marco Civil da Internet – verabschiedet. Vergangene Woche trafen sich knapp 1.500 internationale Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in Sao Paulo. Auf der NETmundial-Konferenz diskutierten sie über die Zukunft der Internet Governance: Wie Staaten Menschenrechte im Netz verankern sollten und wie das Internet selbst künftig verwaltet werden sollte. Denn die USA , die bisher die Oberhoheit über die Vergabe von Internetadressen hatten, kündigten vor kurzem an, diese Funktion abgeben zu wollen.

(c) netmundial

Blumige Worte

Als erstes Land der Welt verabschiedet Brasilien ein Gesetz, dass Bürgerrechte im Netz garantieren soll. Medienwirksam unterschreibt Präsidentin Dilma Rousseff dieses Gesetz – den sogenannte Marco Civil – während der Eröffnungszeremonie der Netmundial-Konferenz. Sie wünscht sich eine solche Internetverfassung für die ganze Welt: „Das Internet, das wir wollen, muss die Menschenrechte achten. Insbesondere den Schutz der Privatsphäre und die Meinungsfreiheit. Ich habe vorgeschlagen, eine Diskussion über einen weltweiten Marco Civil zu starten – darüber, wie das Internet regiert werden soll und wie man Daten im Netz schützen kann.“ Den Rest des Beitrags lesen »





Trollefüttern, Weltall und Sexspielzeug: Femcamp Linz

30 06 2013
SENDUNGEN: 
Matrix, Sonntag, 30. Juni 2013, 22:30 Uhr, Ö1
Digital.leben, Mittwoch, 26. Juni 2013, 16:55 Uhr, Ö1

Eigentlich hätte alles anders werden sollen mit dem Web 2.0. Dort könne sich jeder gleichermaßen beteiligen, Geschlechterstereotype würden im Netz keine Rolle mehr spielen. Und doch kam alles anders: Im Online-Universum ist alles genauso, wie im echten Leben: Sexismus ist Alltag in Foren, Computerspielen, sozialen Medien. Antifeministen starten aggressive Cyber-Attacken gegen Bloggerinnen und andere Frauenaktivistinnen. Wie man sich dagegen wehrt und welche Chancen das Netz für die Frauenbewegung bietet, darüber wurde Ende Juni in Linz diskutiert. Das oberösterreichische Frauennetzwerk „Bündnis 8. März“ hatte zum zweiten österreichischen FemCamp geladen – einem offenen Barcamp mit Frauenschwerpunkt.

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Frauen, bildet Cyberbanden!

Gewerkschafterinnen, Aktivistinnen des Linzer Frauenhauses und der katholischen Frauenbewegungen treffen auf Programmiererinnen, Social Media Expertinnen und Bloggerinnen. Die Idee hinter dem Linzer Femcamp: Frauenaktivistinnen – die vielleicht mit dem Netz bisher gar nicht viel am Hut hatten – mit netzaffinen Frauen zusammenbringen. Zum Beispiel mit Bloggerin Mahriah. Sie wurde am Femcamp motiviert, künftig Workshops zu Medienkompetenz für Frauen zu organisieren: „Weil ich mitbekommen haben, dass das für viele Frauen hier Neuland ist. Wie blogge ich? Wie nutze ich Twitter?“ Es sei wichtig, dass sich politisch aktive Frauen aller Generationen mit sozialen Kommunikationstechnologien vertraut machen, ist Mahriah überzeugt. Den Rest des Beitrags lesen »





Was der Staat vom Burger-Shop lernen könnte: Interview mit Tiago Peixoto

28 05 2013

SENDUNG: Matrix, Sonntag, 26. Mai 2013, 22:30 Uhr, Ö1 /

ICT4Gov (ICT for Governance) nennt sich ein Programm der Weltbank. Kommunikationstechnologien sollen eine bessere Regierungsführung ermöglichen. Bürger sollen ermächtigt werden, diese auch einzuführen. Unter diesem Motto führt die Weltbank zahlreiche Pilotprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern durch. Unter anderem auch in Konfliktregionen, wie der Demokratischen Republik Kongo. Der Brasilianer Tiago Peixoto ist Open Government-Experte bei der Weltbank. Er hat sowohl die Regierungen von Brasilien und Großbritannien, wie auch die Vereinten Nationen in Sachen E-Governance beraten und war Ko-Autor des „2010 United Nations e-Government Surveys“. Im Mai 2013 war er Keynote-Speaker auf der CeDEM an der Donau-Universität Krems.

(c) CeDEM

Wo sehen Sie das Potential von Kommunikationstechnologien für die Demokratieentwicklung in Entwicklungsländern?

Technologie hat die Aufgabe, bereits existierende Aktivitäten zu ergänzen. Ich selbst komme ja aus Brasilien und ich weiß: nicht jeder hat Internet-Zugang. Daher kann man keinen Beteiligungsprozess machen, der ausschließlich im Netz stattfindet. Damit würde man große Teile der Bevölkerung ausschließen. Aber Technologie kann neue Teilnehmer bringen, denen das bisher nicht möglich war. In Brasilien sind das zum Beispiel die Frauen. Die meisten arbeiten tagsüber in ihrem Job und abends kümmern sie sich um Haushalt und Kinder. Aber darum kommen zu den abendlichen Versammlungen viel mehr Männer als Frauen. Als wir in Brasilien das Internet im Rahmen von partizipativen Bürgerhaushalten einführten, stieg plötzlich die Beteiligung von Frauen. Den Rest des Beitrags lesen »





Botswana Speaks: E-Democracy im Südlichen Afrika

27 05 2013

SENDUNG: Matrix, Sonntag, 26. Mai 2013, 22:30 Uhr, Ö1

Botswana, im Süden des Kontinents, gilt als demokratiepolitisches Musterbeispiel in Subsahara-Afrika. Zwar leidet das Land unter einer bedenklich niedrigen Wahlbeteiligung, aber immerhin: die politische Lage im zwei-Millionen Einwohner-Land ist seit Jahrzehnten stabil. Das E-Government-Projekt „Botswana Speaks“ möchte die Kommunikation zwischen den Bürgern in abgelegenen Wahlkreisen und ihren Vertretern im Parlament in der Hauptstadt Gaborone verbessern. Das Projekt wurde im Mai auf der CeDEM in Krems, präsentiert – der jährlich stattfindenden internationalen Konferenz für E-Democracy und Open Government.

(c) Lothar-Henke_pixelio.de

Nachrichten aus dem Dorf

„Gerade in den vergangenen Jahren hat sich die Politik in Botswana stark in Richtung Transparenz und Open Government gewandelt“, erklärt Kheira Belkacem. Sie leitet das E-Government-Projekt „Botswana Speaks„. Die Initiative wurde von der Universität Stockholm gemeinsam mit dem Parlament in Botswana entwickelt. „Wir möchten Entwürfe für Gesetzesvorhaben schon in einem relativ frühen Stadium ins Netz stellen, damit Bürger darüber diskutieren können“, so Belkacem. Den Rest des Beitrags lesen »





E-Partizipation: The Next Generation. Interview mit Beth Noveck

25 05 2013

SENDUNG: Matrix, Sonntag, 26. Mai 2013, 22:30 Uhr, Ö1

Als im 19. Jahrhundert das Weiße Haus in Washington gebaut wurde, war es ein offenes Haus, zu dem Bürger und Bürgerinnen Zutritt hatten, erzählt Beth Noveck gerne. Als die US-amerikanische Open Government-Expertin dann im Jahr 2009 dort ihren Dienst antrat, fand sie eine andere Situation vor: bombensichere Vorhänge vor den Fenstern ihres Büros und im Computer eine Firewall gegen Social Media. Präsident Obama beauftragte Noveck, das Weiße Haus wieder zu öffnen: die Bürger sollten Einblick erhalten, in das, was die Regierung tut. Zwei Jahre lang leitete sie die Open Government Initiative der US-Regierung. Im Mai sprach Beth Noveck auf der CeDEM an der Donau-Universität Krems. Auf der jährlich stattfindenden Konferenz für E-Democracy und Open Government machen sich internationale ExpertInnen Gedanken, welche Herausforderungen die digitale Entwicklung für die Politik von morgen bereit hält.

(c) cedem

In Ihrer Keynote bei der CeDEM haben Sie sich kritisch über groß angelegte Crowd-Sourcing-Projekte geäußert. Was ist Ihrer Meinung nach bei E-Partizipationsprojekten der letzten Jahre schiefgelaufen?

Da gibt es mehrere Sachen. Auf der einen Seite sind diese Projekte immer Top Down. Sie werden von der Regierung ausgerufen, aber man hat als Bürger nicht das Gefühl, dass jemand zuhört. Wir haben in den vergangenen Jahren Experimente im Bereich Bürgerbeteiligung gemacht, die aber keinen Einfluss darauf hatten, wie der Staat sein Geld ausgibt. Alles nette Experimente, wo Bürger untereinander diskutieren. Doch die Entscheidungen werden woanders getroffen. Den Rest des Beitrags lesen »