Brasilien: Unruhen vor Fußball-WM

19 05 2014
SENDUNG: Ö1-Morgenjournal, Samstag, 17. Mai 2014 
Ö1 zum Nachhören

Knapp einen Monat vor Beginn der Fußball-WM in Brasilien wird das Land von einer Welle von Protesten und Streiks überzogen. Tausende Menschen demonstrierten diese Woche in verschiedenen WM-Austragungsstädten gegen die hohen Kosten der Fußball WM. In Sao Paulo, wo am 13. Juni das Eröffnungsspiel stattfinden wird, kam es zu Straßenschlachten zwischen Polizei und gewaltbereiten Demonstranten.

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Protest gegen Wohnungsnot

Im Zentrum von Sao Paulo schlagen vermummte Demonstranten Schaufenster ein und zerstören Bankomaten. Sie werfen Steine auf die Militärpolizei, die antwortet mit Gummigeschoßen und Tränengas. Mehrere Menschen werden verletzt und acht festgenommen. Bereits am Vormittag hatten etwa 2.000 Aktivisten der Obdachlosenbewegung „Movimento Sem Tetos“ eine Hauptverkehrsader der Stadt abgesperrt und friedlich gegen die Wohnungsnot demonstriert. Man brauche Wohnungen, statt Stadien. Wegen der Fußball-WM seien die Mietpreise ins Unermessliche gestiegen, kritisieren die Demonstranten. Anfang Mai besetzten etwa 2.500 wohnungslose Familien ein Grundstück in der Nähe des Fußball-Stadions Arena Corinthians in Sao Paulo.

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Gratiskondome und Müllberge: Karneval in Rio

3 03 2014
SENDUNG: Ö1 Mittagsjournal, Samstag, 1. März 2014, 12:00 Uhr / 
Ö1 zum Nachhören

In Rio de Janeiro findet wieder die größte Party der Welt statt: der Karneval. Dieser zieht jährlich etwa eine Million Touristen aus dem In- und Ausland an. Gefeiert wird auf den Straßen. An den Stränden von Copacabana und Ipanema, sowie in zahlreichen anderen Orten in Rio ziehen Trommelgruppen, sogenannte „Blocos“ durch die Straßen. Den Höhepunkt stellt jedoch der Umzug der großen Sambaschulen im Stadion Sambodrom dar.

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Fünf Millionen Gratis-Kondome

„Die Liebe endet, wenn der Karneval“ beginnt – heißt ein brasilianisches Sprichwort. Die Karnevalsfeiern in Rio de Janeiro sind traditionell extrem ausgelassen: mit Tanz, Musik, viel nackter Haut und reichlich Alkohol. „Steck beim Karneval immer ein Kondom in die Tasche“ – heißt es in einer offiziellen Videokampagne der Stadtverwaltung von Rio. Zum Schutz vor HIV und Geschlechtskrankheiten verteilt das brasilianische Gesundheitsministerium zum heurigen Karneval in Rio kostenlos fünf Millionen Kondome. Den Rest des Beitrags lesen »





Menschenhandel: Die moderne Sklaverei

25 10 2013
SENDUNG: Journal Panorama, Donnerstag, 23. Oktober 2013, 
18:25 Uhr, Ö1

Man verspricht Frauen eine Karriere als Tänzerin in einem reichen Land. Doch dann landen sie als Zwangsprostituierte in einem Geheimbordell. Manche junge Frauen werden hier gegen ihren Willen verheiratet. Andere müssen in privaten Haushalten schuften. Männer werden gezwungen, als illegale Erntehelfer oder am Bau zu arbeiten. Ihre Arbeitskraft wird ausgebeutet, sie haben keine Papiere, dürften gar nicht hier sein, können aber auch nicht weg. Menschenhandel wird häufig als die „Sklaverei des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. Das Geschäft gehört zu den lukrativsten, neben Drogen- und Waffenhandel. Die europäische Polizeibehörde Europol vermutet, dass Menschenhandel derzeit das am schnellsten wachsende kriminelle Gewerbe sei. Verlässliche Zahlen darüber, wie viele Menschen derzeit in Europa davon betroffen sind, gibt es nicht. In Österreich hat bereits im Jahr 2004 eine Task Force gegen Menschenhandel eingerichtet. Diese hat am Montag, 21. Oktober 2013 – gemeinsam mit dem Wiener Institut für internationalen Dialog und Zusammenarbeit (vidc) – zu einer Konferenz geladen mit dem Titel „Gemeinsam gegen Menschenhandel“.

Irgendwann kommt auch noch ein Text dazu…





Wenn Politiker ihre eigene Entmachtung verhandeln

26 07 2013

ATTAC Sommerakademie (2): Alexandra Strickner über das geplante Freihandelsabkommen EU – USA

Sendung: Europajournal, 26. Juli 2013, 18:20 Uhr, Ö1 

Vor kurzem hat der US-amerikanische Konzern Monsanto angekündigt, er werde ab sofort aufhören, sich um die Zulassung genetisch manipulierter Pflanzen in Europa zu bemühen. Alles nur ein PR-Trick, vermuten Kritiker. Denn der Konzern könnte sein Gen-Saatgut bald durch die Hintertür nach Europa bekommen: Nämlich mit Hilfe des Freihandelsabkommens zwischen der EU und den USA. Da werden die Importverbote für Hormonfleisch und genmanipulierte Lebensmittel einer der größten Reibungspunkte sein. Im Juli fand in Washington die erste Verhandlungsrunde statt. Auch Alexandra Strickner, Obfrau von ATTAC Österreich hält das Abkommen für eine ernsthafte Gefahr für die Ernährungsgewohnheiten der Europäer. Über diese und weitere Gefahren wurde auf der diesjährigen ATTAC Sommerakademie in Eisenstadt diskutiert.

foto (c) attac

Bilaterale Freihandelsabkommen der EU stehen seit Jahren im Kreuzfeuer der Kritik. Häufig ging es in der Kritik aber darum, dass die EU mit Hilfe solcher Abkommen Entwicklungsländer ausbeutet. Dass also ein mächtiger Wirtschaftsblock einem armen Land seine Bedingungen aufzwingt, von denen europäische Firmen profitieren, aber viele kleine Wirtschaftstreibende im Entwicklungsland ruiniert werden. Beim Abkommen EU-USA stehen sich zwei große Player auf Augenhöhe gegenüber. Wo liegt hier das Problem? 

Alexandra Strickner: ATTAC hat die Kritik an den Freihandelsabkommen immer schon breiter angesetzt. Wir haben gesagt, dass sind Abkommen, die in erster Linie großen, global agierenden Konzernen nutzen und Rahmenbedingungen schaffen, wo Kleinbauern und -bäuerinnen, aber auch ArbeitnehmerInnen in unterschiedlichen Regionen der Welt zueinander in Konkurrenz gesetzt werden. Den Rest des Beitrags lesen »





Verkehrte Arbeitswelt: Berufe, die im Dunkeln spielen

23 05 2012

SENDUNG: Moment – Leben heute, Donnerstag, 24. Mai 2012, 14:40 Uhr, Ö1

Manche Menschen arbeiten dann, wenn die anderen schlafen oder ausgehen, und sie schlafen dann, wenn die Mehrheit arbeitet, einkauft oder mit Freunden Kaffee trinkt. Barkeeper, DJs, Taxifahrer, Nachtschwestern, Bäckerinnen oder Nachrichtenredakteure: Laut Statistik Austria arbeiten knapp 770.000 Menschen in Österreich während der Nachtstunden, etwa 270.000 davon regelmäßig. Der umgedrehte Lebensrhythmus kann Auswirkungen haben auf die Gesundheit, aber auch auf das Sozial- und Liebesleben der Nachtarbeitenden. Partner kommen entweder aus artverwandten Branchen oder müssen viel Verständnis aufbringen für den, der im Dunkeln stets wach ist.

Dürdog und Kebab DeLuxe

Samstagnacht in Wien Alsergrund. Es ist lau, fast sommerlich heute. Zahlreiche Nachtschwärmer sind auf den Straßen unterwegs. Die U-Bahn fährt die ganze Nacht durch. Und auch der Würstelstand an der U4-Station Friedensbrücke hat bis 5 Uhr früh geöffnet. Am Speiseplan steht hier sowohl Traditionelles – von der Leberkässesemmel bis zur Burenwurst – wie auch unorthodoxe Dürüm- und Kebab-Kreationen: Laut den beiden Verkäufern ist dies der einzige Ort in Wien wo man Kebab mit Currysauce und Dürdog („Dürüm mit Würstchen“) bekommt. Den Rest des Beitrags lesen »





Sozialklauseln in Handelsabkommen: Mehr als ein Feigenblatt?

18 05 2012

SENDUNG: Europa-Journal, Freitag, 18. Mai 2012, 18:20 Uhr, Ö1

Traditionellerweise kümmert sich ja die internationale Handelspolitik relativ wenig um Themen wie Menschenrechte, Arbeitsbedingungen und Umweltschutz. Doch das soll jetzt angeblich anders werden. Seit einigen Jahren verhandelt die EU bilaterale Handelsabkommen mit einzelnen Ländern und Regionen: Zum Beispiel mit Südkorea, Indien, Peru und Kolumbien. In diesen Abkommen sind neuerdings sogenannte Sozial- und Umweltklauseln enthalten. Doch diese sind äußerst umstritten. Insbesondere im Fall Kolumbiens, schließlich gilt die Menschenrechtslage dort als äußerst bedenklich. Können da Sozialklauseln in Handelsverträgen etwas bewirken? Oder sind sie bloß ein Feigenblatt um Kritiker ruhig zu stellen? Mit dieser Frage haben sich Experten und Expertinnen aus Deutschland und Österreich im Rahmen eines Buches auseinandergesetzt.

Ermordung von Gewerkschaftsaktivisten

EU-Südkorea hat den Anfang gemacht. Das Handelsabkommen trat vergangenes Jahr in Kraft. Heuer könnten Peru und Kolumbien folgen. Der Vertrag mit den Andenstaaten ist am Papier fertig, muss aber noch vom Europäischen Parlament genehmigt werden. Und einzelne Fraktionen diskutieren noch heftig, wie sie abstimmen sollen. In Teilen Kolumbiens herrscht Bürgerkrieg, Menschen werden vertrieben, Arbeitsrechte missachtet. Menschenrechtsaktivisten und Gewerkschafter leben gefährlich in Kolumbien. Den Rest des Beitrags lesen »





Schuften für den Weltmarkt: Arbeiterbewegungen in Hongkong und China

24 01 2012

SENDUNG: Journal Panorama, Dienstag, 24. Jänner 2012,
18:25 Uhr, Ö1

Offiziell gehört Hongkong seit 1997 zur Volksrepublik China. Doch nach wie vor gibt es in der Sonderverwaltungszone Marktwirtschaft und Demokratie. Hongkong hat seine eigene Währung, eine eigene Regierung und freie Wahlen. Daher engagieren sich viele NGOs von Hongkong aus für die Rechte der Arbeiter und Arbeiterinnen in den chinesischen Industriezonen. Doch auch in der Sondervewaltungszone selbst wächst die Unzufriedenheit – speziell bei den Frauen, deren Arbeitsbedingungen besonders hart sind.

Made in China

Grell bunte Leuchtreklamen überall entlang der Nathan Road, einer der wichtigsten Einkaufsstraßen im Hongkonger Stadtzentrum Kowloon. Sie rufen: Kauf mich! Kauf mich! Vor den Kaufhaustempeln stehen meist ältere Menschen mit handgeklebten Werbetafeln aus Pappendeckel, angeheuert von den Kaufhäusern. Tag für Tag stehen sie hier, bis zu zehn Stunden. Sozialversichert sind sie nicht. Und auch der Mindestlohn von umgerechnet 2,80 Euro gilt für sie nicht. Während teure Luxusartikel in Hongkong Rekordumsätze machen, wächst der informelle Sektor ständig an, die prekär Beschäftigten, die irgendwie ums Überleben kämpfen. Den Rest des Beitrags lesen »