In den Protestcamps der Republik Moldau

19 10 2015
SENDUNG: Europa-Journal, Freitag, 16. Oktober 2015, 
18:20 Uhr, Ö1
7 Tage Ö1 zum Nachhören

Seit Monaten gehen in der moldawischen Hauptstadt Chisinau immer wieder zehntausende Menschen auf die Straße, um gegen die Regierung zu protestieren. Die Republik Moldau – die ehemalige sowjetische Teilrepublik Moldawien – gilt als das „Armenhaus Europas“. Sie kämpft nicht nur mit Wirtschaftskrise, Inflation und Massenauswanderung, sondern auch mit Korruption. Vergangenes Jahr „verschwand“ eine Milliarde US-Dollar aus dem Budget. Die Menschen fordern Aufklärung und Bestrafung der Übeltäter. Mittlerweile haben drei verschiedene Gruppen Protestlager im Zentrum der Hauptstadt errichtet.

(c) ullae

Die verschwundene Milliarde

Der weit angelegte Platz vor dem Regierungsgebäude bildet den Stadtkern von Chişinau , der Hauptstadt der Republik Moldau, der ehemaligen sowjetischen Teilrepublik Moldawien. Hier haben etwa 80 Aktivisten der pro-europäischen Bürgerplattform „Würde und Wahrheit“ ihre Zelte aufgebaut, direkt am Asphalt. Vor dem – etwas größeren – Versammlungszelt weht neben der moldawischen Flagge auch eine EU-Fahne. Den Rest des Beitrags lesen »





Albanien: Europas letzter Wildfluss in Gefahr

14 10 2015
SENDUNG: Journal Panorama, Mittwoch, 14. Oktober 2015, 
18:25 Uhr, Ö1 / Tage Ö1 zum Nachören

Wasserkraft gilt als eine sehr saubere Energieform. Gerade in Zeiten des Klimawandels wollen viele Regierungen daher auf erneuerbare Energien setzen. Doch auch Wasserkraftwerke können große Schäden an Ökosystemen anrichten. Derzeit schauen Europas Umweltschützer mit besorgtem Blick auf die Balkanländer, wo unzählige Staudammprojekte geplant sind. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Vjosa in Albanien. Sie ist der letzte unregulierte Wildfluss Europas.

(c) Siobhan Geets

„Hände weg von der Vjosa“
April 2015: Eine Gruppe von etwa 150 Demonstranten hat sich am Flussufer der Bencë versammelt, einem kleinen Nebenfluss der Vjosa, im Süden Albaniens. „Hände weg von der Vjosa“ steht auf ihren Transparenten. Insgesamt sind 33 Wasserkraftwerke entlang der Vjosa geplant. Auch deren Zuflüsse bleiben nicht verschont. Hier an der Bencë werden fünf kleine Wasserkraftwerke errichtet. Die Bauarbeiten haben zum Teil schon begonnen. Den Rest des Beitrags lesen »





Fische, Ameisen & giftige Wurzeln: Die Küche des Amazonas.

29 05 2015
SENDUNG: Moment Kulinarium, Freitag, 29. Mai 2015, 
14:40 Uhr, Ö1
7 Tage Ö1 zum Nachhören 

Piranha-Suppe mit Maniok-Mehl, Schwarzer Pacu-Fisch mit Yamswurzel-Püree, Austern mit Cupuaçu-Sorbet – derartige Dinge finden sich auf Speisekarten von modernen Amazonas-Restaurants in Brasilien. „Meiner Ansicht nach, ist die Küche des Amazonas gar nicht exotisch. Sie kommt den Leuten nur so vor, weil sie die Region nicht kennen“, meint Küchenchefin Natacha Fink. Sie hat leicht reden. Sie ist schließlich in Manaus, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas aufgewachsen. Von Kindheit an hat sie Fische aus dem Amazonas, Wurzeln und Früchte aus dem Regenwald gegessen, zubereitet von ihrer indigenen Großmutter. Nicht zuletzt dank des brasilianischen Starkochs Alex Atala, hat die Kulinarik der Amazonas-Region mittlerweile Einzug in die internationale Haubenküche gefunden. 

(c) Espirito Santa

Krabbelnde Eiweißquellen

„Welche Gewürze hast du für dieses Gericht verwendet?“
„Ameisen.“
„Ich wollte wissen, welche GEWÜRZE du verwendet hast.“
„Mein Sohn, es sind nur Ameisen.“

Von diesem Gespräch berichtet der brasilianische Haubenkoch Alex Atala in seinem Buch „D.O.M. Die neue brasilianische Küche“. In São Miguel das Cachoeiras, im nordbrasilianischen Bundesstaat Amazonas, hatte er Dona Brazi, eine indigene Frau, getroffen, die dort am Marktplatz lokale Spezialitäten angeboten hatte. Bei Dona Brazi lernte Alex Atala die typisch nordbrasilianische Würz-Sauce Tucupí kennen. Den Rest des Beitrags lesen »





Olympisches Segelrevier mit schwimmenden Kühlschränken

28 05 2015
SENDUNG: Ö1 Morgenjournal, Samstag, 16. Mai 2015
Ö1 zum Nachhören 

Noch etwas mehr als ein Jahr bis zu den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro. Lange Zeit zeigte sich das Olympische Komitee besorgt über die zögerlichen Vorbereitungen der Brasilianer. Doch inzwischen scheinen die meisten Infrastrukturmaßnahmen wieder im Zeitplan zu liegen. Das größte Sorgenkind ist jedoch die Verschmutzung der Bucht von Guanabara. Dort sollen die Olympischen Segelbewerbe stattfinden. Seit Jahrzehnten werden dort Abwässer der Stadt hineingeleitet. Die Regierung von Rio hatte versprochen, die Bucht bis zu den Spielen weitgehend zu reinigen. Völlig unmöglich, sagen Umweltschützer.

guanabara

Gefährliches Wasser

Ein Sonnentag am Strand von Flamengo in Rio de Janeiro, gleich neben dem Segelhafen Marina da Glória. Hier in der Bucht von Guanabara sollen im Sommer 2016 die olympischen Segelbewerbe ausgetragen werden. Am Strand laufen Jogger mit Blick auf den Zuckerhut, unter den Palmen picknicken Familien. Ins Wasser geht hier jedoch kaum jemand. Aus gutem Grund, erklärt der Biologe und Umweltaktivist Mario Moscatelli: „In diesem Wasser kannst du Hepatitis bekommen, oder zumindest Augenentzündungen oder Ohrenentzündungen. Die Bucht von Guanabara ist eine riesige Toilettenanlage und eine riesige Mülldeponie.“ Den Rest des Beitrags lesen »





Militärdiktatur (4) Das Erbe der Diktatur

1 05 2015
SENDUNG: Radiokolleg, Donnerstag, 16. April 2015, 
9:30 Uhr, Ö1

März 2015. Hunderttausende Menschen gehen in Brasilien auf die Straße. Anlass für die Wut ist ein Korruptionsskandal rund um den staatlich kontrollierten Erdölkonzern Petrobras. Es ist großteils die gut situierte Mittelschicht, die hier demonstriert. Sie fordert die Absetzung der linken Präsidentin Dilma Rousseff. „Wenn wir zulassen, dass alles so weiter geht, dann enden wir wie Venezuela oder Kuba. Oder noch schlimmer“, meint eine Demonstrantin. Ein junger Mann ist der Meinung, man müsse den Kommunismus in Brasilien bekämpfen, denn schließlich bilde sich in Lateinamerika gerade ein Block kommunistischer Staaten.

foto: Felipe Braga, Wikimedia Commons

Brasil Nunca Mais?

Immer wieder tauchen in den Demonstrationen sogar Plakate auf, die eine Militärintervention erbitten. „Wenn du ein Krebsgeschwür hast, dann musst du es mit drastischen Mitteln entfernen. Eine Intervention der Armee wäre das beste“, sagt eine junge Frau unverblümt in eine Kamera. Über soziale Medien verbreiten sich Video-Botschaften, wie diese: „Brasilianische Streitkräfte, kommt und setzt der Korruption dieser kommunistischen Regierung ein Ende. Ein Land mit 200 Millionen Einwohnern, mit so vielen Reichtümern und Bodenschätzen, kann doch nicht von einer Diebesbande aus den sozialen Bewegungen regiert werden.“ Den Rest des Beitrags lesen »





Militärdiktatur (3) Unterdrückung und Widerstand

15 04 2015
SENDUNG: Radiokolleg, Mittwoch, 15. April 2015, 
9:30 und 22:40 (WH), Ö1

Im Jahr 1968 wird Brasilien von einer Protestwelle überzogen. Studenten, Künstler, Intellektuelle gehen auf die Straße. Das ganze kulminiert als am 28. März der Student Edson Luiz von der Militärpolizei erschossen wird. Im Juni organisiert die Studentenbewegung in Rio de Janeiro den Marsch der Hunderttausend. Ab jetzt greift das Regime mit harter Hand durch: es wird scharf geschossen, Studentenführer verhaftet. Im Dezember erlässt Diktator Costa e Silva den sogenannten Institutionellen Akt Nummer Fünf (AI-5). Ab sofort sind alle Kundgebungen untersagt, die Verfassung außer Kraft gesetzt, das Parlament geschlossen. Die „Anos do Chumbo“, die „bleiernen Jahre“ beginnen.

(c) Cid Benjamin

Polizeiakte von Cid Benjamin

 

Ein legitimer politischer Fehler

„Wir wurden regelrecht in den bewaffneten Widerstand gedrängt“, erzählt der ehemalige Widerstandskämpfer Cid Benjamin. Er ist ein Kind der 1968-er Generation. Bis zum AI-5 war er Studentenführer in Rio de Janeiro gewesen. „Plötzlich blieben uns kaum noch legale Möglichkeiten für den politischen Widerstand: die Presse wurde zensiert, der Kongress war geschlossen, die Repression enorm. Außerdem waren wir von zwei ausländischen Vorbildern beeinflusst: der Revolution in Kuba und dem Krieg in Vietnam. Der zeigte: der Kleine kann den Großen besiegen – wenn er den Rückhalt der Bevölkerung hat.“ Den Rest des Beitrags lesen »





Militärdiktatur (2) Die Unternehmen und die Repression

14 04 2015
SENDUNG: Radiokolleg, Dienstag, 14. April 2015, 
9:30 und 22:40 Uhr, Ö1

São Paulo, 15. April 1971. Im Nobelviertel Jardins fallen Schüsse am helllichten Tag. Henning Albert Boilesen (55) wird am Steuer seines Wagens getroffen. Es gelingt ihm noch auszusteigen, auf der Flucht bricht er unter dem Kugelhagel zusammen, mit insgesamt 19 Schusswunden. Der gebürtige Däne war Manager der Gruppe Ultragaz, einem brasilianischem Konzern aus dem Energie- und Treibstoffsektor. Er war bereits in den 1930er Jahren nach Brasilien ausgewandert.

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Die seltsamen Hobbys der Manager

„Boilesen stand auf einer Exekutionsliste der Guerilla“, erzählt Historiker Demian Melo, „auf dieser Liste waren Leute, die von verhafteten Widerstandskämpfern während Folterungen erkannt wurden. Es gibt Erzählungen, wonach einige Unternehmer dafür bezahlten, dass sie bei Folterungen persönlich dabei sein durften. Wir haben Zeugenaussagen – sogar von ehemaligen Angehörigen der Armee – wonach nicht nur nur Boilesen in den Folter-Zentren in São Paulo vorbeischaute, sondern einige Unternehmer. Aber Boilesen tauchte besonders oft auf, darum wurde er mehrfach identifiziert.“ Den Rest des Beitrags lesen »