Im digitalen Babylon

31 05 2015
SENDUNG: Matrix, Sonntag, 31. Mai 2015, 
22:30 Uhr, Ö1 
7 Tage zum Nachhören

Wenn technische Möglichkeiten vorhanden sind, Politik transparenter, bürgernaher und partizipativer zu gestalten – warum werden sie dann nicht genutzt? Und: wie könnte moderne Informationstechnologie zu mehr Demokratie in Entwicklungsländern führen? Über diese und ähnlichen Frage wurde vergangene Woche an der Donau-Universität in Krems diskutiert. Das dortige Zentrum für E-Government hatte zur CeDem – Conference for Democracy and Open Government geladen. Auf dieser jährlich stattfindenden Konferenz machen sich Experten aus aller Welt Gedanken, welche Herausforderungen und Möglichkeiten die digitale Entwicklung für die Politik von morgen bereit hält.

(c) MIT Press

Katastrophale Kommunikationsprobleme

Wer verarbeitet eigentlich weltweit die größte Anzahl an Daten? Diese Frage stellte sich der israelische Politikwissenschaftler und Informatiker Alon Peled im Promotion-Video zu seinem Buch „Traversing Digital Babel“, zu Deutsch: Ein Streifzug durch das Digitale Babylon. Im Jahr 2013 verarbeitete die Suchmaschine Google 67,2 Millionen Terabytes. Die NSA, die durch ihre Spionagetätigkeiten unrühmlich bekannt gewordene US-amerikanische Geheimdienstbehörde verarbeitet jährlich sieben mal so viele Daten wie der Suchmaschinenriese Google. Allerdings: sie hält sie unter Verschluss. Nicht einmal andere US-Geheimdienstbehörden dürfen wissen, was die NSA so an Informationen sammelt Den Rest des Beitrags lesen »

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Fische, Ameisen & giftige Wurzeln: Die Küche des Amazonas.

29 05 2015
SENDUNG: Moment Kulinarium, Freitag, 29. Mai 2015, 
14:40 Uhr, Ö1
7 Tage Ö1 zum Nachhören 

Piranha-Suppe mit Maniok-Mehl, Schwarzer Pacu-Fisch mit Yamswurzel-Püree, Austern mit Cupuaçu-Sorbet – derartige Dinge finden sich auf Speisekarten von modernen Amazonas-Restaurants in Brasilien. „Meiner Ansicht nach, ist die Küche des Amazonas gar nicht exotisch. Sie kommt den Leuten nur so vor, weil sie die Region nicht kennen“, meint Küchenchefin Natacha Fink. Sie hat leicht reden. Sie ist schließlich in Manaus, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas aufgewachsen. Von Kindheit an hat sie Fische aus dem Amazonas, Wurzeln und Früchte aus dem Regenwald gegessen, zubereitet von ihrer indigenen Großmutter. Nicht zuletzt dank des brasilianischen Starkochs Alex Atala, hat die Kulinarik der Amazonas-Region mittlerweile Einzug in die internationale Haubenküche gefunden. 

(c) Espirito Santa

Krabbelnde Eiweißquellen

„Welche Gewürze hast du für dieses Gericht verwendet?“
„Ameisen.“
„Ich wollte wissen, welche GEWÜRZE du verwendet hast.“
„Mein Sohn, es sind nur Ameisen.“

Von diesem Gespräch berichtet der brasilianische Haubenkoch Alex Atala in seinem Buch „D.O.M. Die neue brasilianische Küche“. In São Miguel das Cachoeiras, im nordbrasilianischen Bundesstaat Amazonas, hatte er Dona Brazi, eine indigene Frau, getroffen, die dort am Marktplatz lokale Spezialitäten angeboten hatte. Bei Dona Brazi lernte Alex Atala die typisch nordbrasilianische Würz-Sauce Tucupí kennen. Den Rest des Beitrags lesen »





Olympisches Segelrevier mit schwimmenden Kühlschränken

28 05 2015
SENDUNG: Ö1 Morgenjournal, Samstag, 16. Mai 2015
Ö1 zum Nachhören 

Noch etwas mehr als ein Jahr bis zu den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro. Lange Zeit zeigte sich das Olympische Komitee besorgt über die zögerlichen Vorbereitungen der Brasilianer. Doch inzwischen scheinen die meisten Infrastrukturmaßnahmen wieder im Zeitplan zu liegen. Das größte Sorgenkind ist jedoch die Verschmutzung der Bucht von Guanabara. Dort sollen die Olympischen Segelbewerbe stattfinden. Seit Jahrzehnten werden dort Abwässer der Stadt hineingeleitet. Die Regierung von Rio hatte versprochen, die Bucht bis zu den Spielen weitgehend zu reinigen. Völlig unmöglich, sagen Umweltschützer.

guanabara

Gefährliches Wasser

Ein Sonnentag am Strand von Flamengo in Rio de Janeiro, gleich neben dem Segelhafen Marina da Glória. Hier in der Bucht von Guanabara sollen im Sommer 2016 die olympischen Segelbewerbe ausgetragen werden. Am Strand laufen Jogger mit Blick auf den Zuckerhut, unter den Palmen picknicken Familien. Ins Wasser geht hier jedoch kaum jemand. Aus gutem Grund, erklärt der Biologe und Umweltaktivist Mario Moscatelli: „In diesem Wasser kannst du Hepatitis bekommen, oder zumindest Augenentzündungen oder Ohrenentzündungen. Die Bucht von Guanabara ist eine riesige Toilettenanlage und eine riesige Mülldeponie.“ Den Rest des Beitrags lesen »





Militärdiktatur (4) Das Erbe der Diktatur

1 05 2015
SENDUNG: Radiokolleg, Donnerstag, 16. April 2015, 
9:30 Uhr, Ö1

März 2015. Hunderttausende Menschen gehen in Brasilien auf die Straße. Anlass für die Wut ist ein Korruptionsskandal rund um den staatlich kontrollierten Erdölkonzern Petrobras. Es ist großteils die gut situierte Mittelschicht, die hier demonstriert. Sie fordert die Absetzung der linken Präsidentin Dilma Rousseff. „Wenn wir zulassen, dass alles so weiter geht, dann enden wir wie Venezuela oder Kuba. Oder noch schlimmer“, meint eine Demonstrantin. Ein junger Mann ist der Meinung, man müsse den Kommunismus in Brasilien bekämpfen, denn schließlich bilde sich in Lateinamerika gerade ein Block kommunistischer Staaten.

foto: Felipe Braga, Wikimedia Commons

Brasil Nunca Mais?

Immer wieder tauchen in den Demonstrationen sogar Plakate auf, die eine Militärintervention erbitten. „Wenn du ein Krebsgeschwür hast, dann musst du es mit drastischen Mitteln entfernen. Eine Intervention der Armee wäre das beste“, sagt eine junge Frau unverblümt in eine Kamera. Über soziale Medien verbreiten sich Video-Botschaften, wie diese: „Brasilianische Streitkräfte, kommt und setzt der Korruption dieser kommunistischen Regierung ein Ende. Ein Land mit 200 Millionen Einwohnern, mit so vielen Reichtümern und Bodenschätzen, kann doch nicht von einer Diebesbande aus den sozialen Bewegungen regiert werden.“ Den Rest des Beitrags lesen »