Morde, Vertreibungen, Sklavenarbeit

20 04 2010

Revolverhelden vertreiben Familien von ihrem Land, Menschenrechtsaktivisten werden ermordet, Zuckerrohrschneider arbeiten wie Sklaven auf den Plantagen: Der soeben erschienene Jahresbericht der brasilianischen Landlosenpastorale zeigt ein düsteres Bild Brasiliens.


Kein Grund zu feiern
Seit mittlerweile 25 Jahren gibt die Landlosenpastorale CPT (Comissao Pastoral da Terra) Berichte über die sozialen Konflikte in den ländlichen Regionen Brasiliens heraus. Darin werden alle Konflikte um Land, Wasser und Arbeitsrechte dokumentiert. Den Rest des Beitrags lesen »

Advertisements




Wunderheilungen und Exorzismen: Brasiliens evangelikale Pfingstkirchen

15 04 2010

Die katholische Kirche Brasiliens hat Konkurrenz bekommen: Evangelikale Pfingstkirchen versprechen ihren Gläubigen Reichtum, Gesundheit und Seelenheil – für eine entsprechende Spende. Die Anhängerschaft steigt. Und auch das Vermögen dieser Kirchen.


20 Reais gegen Krankheiten
„Ich prophezeie euch allen: Ihr werdet geheilt werden!“, ruft der Prediger im weißen Gewand ekstatisch ins Mikrophon. Vor dem Altar drängeln sich die Gläubigen. Manche haben Fotos ihrer kranken Angehörigen mit, manche weinen, andere zucken, wie in Trance. Auf Kommando rufen sie „Amen“ oder „Hallelujah“ oder begeben sich in stille Meditation. Assistentinnen in blauen Business-Kostümen gehen durch die Reihen und legen Betenden die Hand auf die Stirn. Den Rest des Beitrags lesen »





Repentistas: Sprechgesang aus Pernambuco

12 04 2010

Wer glaubt, die Rapper und Hip Hopper hätten den Sprechgesang erfunden, der liegt völlig falsch. Die Altmeister der Reime, die Urväter des Poetry Slams, die findet man zum Beispiel im Nordosten Brasiliens. Etwa bei einem Nachmittagspaziergang durch Olinda.


Lustwandeln bei den kolonialen Zuckerbaronen
Am Sonntag machen viele BewohnerInnen Recifes, der Hauptstadt des nordöstlichen Bundesstaates Pernambuco einen Ausflug ins benachbarte Olinda. Dort war die ältere Ansiedelung der portugiesischen Kolonialherren in dieser Region. Die Zuckerbarone bauten dort ihre Stadtresidenzen. Das heutige Recife war damals der Hafen, an dem das Zuckerrohr verschifft wurde und wo die afrikanischen Sklaven ausgeladen wurden, die das Zuckerrohr schneiden sollten. Den Rest des Beitrags lesen »





Samba Reggae in Salvador da Bahía

4 04 2010

So ganz unkompliziert ist es ja nicht, in Brasilien Interviewtermine zu organisieren. Zumindest nicht für MitteleuropäerInnen ohne eigenes Telefon und Internet. Man schreibt E-Mails, bekommt keine Antwort. Man klopft an Türen, bekommt (oft falsche) E-Mail Adressen oder Telefonnummern in die Hand gedrückt. Man ruft an – nachdem man endlich einen funktionierenden Münzfernsprecher gefunden hat: die Person ist nicht da. Man möge doch später anrufen. Man ruft später an: die Person ist schon wieder weg.

Aber mit genügend Beharrlichkeit klappt es dann doch. Irgendwann hat man den Chef persönlich dran und plötzlich wird alles ganz unkompliziert: Na kommts halt in zwei Stunden vorbei…

Und so konnten wir uns letztens an einem Tag gleich mit zwei Größen des Samba Reggae unterhalten: João Jorge, dem Präsidenten von Olodum und Viviam Queiros, Direktorin von Didá.

Im Wartezimmer von Olodum
Das Haus von Olodum liegt im historischen Stadtzentrum von Salvador de Bahia, dem sogenannten Pelourinho. Und wenn man in die Büroräumlichkeiten kommt, merkt man sofort: hier ist man nicht zu Gast bei Musikern, sondern bei politischen Aktivisten.
Wir haben dann schließlich 1,5 Stunden Zeit, die Bilder an den Wänden zu studieren. João Jorge ist nämlich eine spontane Besprechung dazwischen gekommen. Er lässt uns bitten, zu warten. Und so beschäftigen wir uns eben mit Nelson Mandela, Steve Biko und Marcus Garvey. Und auch mit den zahlreichen goldenen Schallplatten, die da hängen.

Nie im Leben würde es mir in Österreich einfallen, 1,5 Stunden auf einen Interviewpartner zu warten. Aber hier scheint die Zeit ohnehin still zu stehen. Es hat 40 Grad im Schatten. Man starrt in die Luft, verfällt in einen tiefen meditativen Zustand und plötzlich ist es ganz viel später und plötzlich steht João Jorge vor uns: ein stattlicher Herr mit Rastazöpfen und grau meliertem Bart. Hoch gebildet. Ein Aktivist des Movimento Negro der ersten Stunde. Als Johannes den Fotoapparat auspackt, wird sofort der Haargummi entfernt und werden die Rastas fotogerecht in Szene gesetzt.

Foto: Johannes Schmidt

Ein Rhythmus für Menschenwürde
„Für uns ist Samba Reggae ein Weg, um gegen Unterdrückung und für Gleichheit und Menschenwürde zu kämpfen“, erklärt er uns. Der Samba Reggae entstand in den frühen 1980ern. Damals befand sich die brasilianische Militärdiktatur in ihrer Endphase und diverse soziale Bewegungen wurden stark: die Bewegung der Landlosen, die Frauenbewegung und das Movimento Negro, die Bewegung der Schwarzen. Den Rest des Beitrags lesen »