Rio de Janeiro: Armee gegen die Peripherie

26 03 2014
SENDUNG: Ö1 Mittagsjournal, Mittwoch, 26. März 2014 
Ö1 zum Nachhören

Knapp drei Monate vor Beginn der Fußball WM in Brasilien, ist die Regierung von Rio de Janeiro besorgt über die Sicherheitslage in den Favelas, den Armenvierteln der Stadt. Bereits vor sechs Jahren hat die Militärpolizei begonnen, einige der Favelas in Rio zu „pazifzieren“, das heißt: die bewaffneten Drogengangs wurden gewaltsam vertrieben und danach Polizisten einer Spezialeinheit, der sogenannten „Befriedungspolizei“ dort stationiert. „Befriedet“ wurden in erster Linie Favelas in touristisch interessanten Regionen im Süden der Stadt, sowie rund ums Fußballstadion Maracanã. Doch mittlerweile schalgen die Drogenkartelle zurück. Seit ein paar Monaten kommt es immer wieder zu Attacken auf diese Befriedungspolizei. Vergangene Woche erst wurden in einer einzigen Nacht 5 Polizeistationen in pazifizierten Favelas angegriffen. Jetzt will die Regierung die Armee in die Armenviertel schicken.

Complexo Alemao, Foto (c) Barbara Stefanrbara

Nervosität vor der Fußball WM

120 Mann einer Elite-Einheit der Militärpolizei (BOPE) marschierten vergangenen Freitag in den Favela-Komplex Maré ein. Er gilt noch nicht als „pazifiziert“. Bis dahin liefen hier noch Jugendliche herum, die Schusswaffen in ihren Bermudashorts stecken hatten und Drogen wurden offen auf Verkaufstischen in der Einkaufsstraße feilgeboten. Die Militärpolizei soll die Maré besetzt halten, bis demnächst die Armee eintrifft, erklärt Sergio Cabral, Gouverneur von Rio de Janeiro. Der riesige Favela-Komplex Maré liegt in einer strategisch wichtigen Zone. Zwei der wichtigsten Hauptverkehrsadern führen hier vorbei. Und vor allem: die Zufahrtsstraße zum Flughafen. 130.000 Menschen leben im Complexo Maré.

Den Rest des Beitrags lesen »

Advertisements




Mehr als nur Karneval: Sambaschulen in Rio

18 03 2014
SENDUNG: Journal Panorama, Dienstag, 4. März 2014
 18:25 Uhr, Ö1

Beim Karneval in Rio wetteifern jedes Jahr die besten Sambaschulen der Stadt um den Sieg. In aufwendigen Kostümen ziehen tausende Tänzer und Trommler während der Karnevalsfeiertage durch das Sambodrom-Stadion und stellen sich den strengen Blicken der Jury. Angefeuert werden sie dabei von zigtausenden Fans. Die Sambaschulen haben treue Anhänger – vergleichbar mit Fußballfans. Der Sieger wird jeweils am Aschermittwoch bekannt gegeben. Entstanden sind die ersten Sambaschulen in Rio Ende der 1920er Jahren in verschiedenen Favelas der Stadt – so werden traditionell die Armenviertel Brasiliens genannt. Bis heute sind die Sambaschulen tief verwurzelt in diesen Vierteln. Viele der Schulen finanzieren dort heute Sozialprojekte. Wir haben uns in Rio eine solche Sambaschule angeschaut und auch umliegende Favelas besucht, aus denen Musiker und Anhänger stammen.

salgueiro01

Rückhalt aus den Comunidades

Volksfeststimmung am Fuße der Favela am Hügel Andaraí. Hier im Stadtteil Tijuca – etwa zwei Kilometer vom Fußballstadium Maracanã entfernt – hat die bekannte Sambaschule Salgueiro ihren Sitz. Jeden Mittwoch hält sie auf den Straßen rund um ihre Veranstaltungshalle eine öffentliche Probe ab. Hunderte Fans sind gekommen, viele davon mit roten Fan-T-Shirts und weißen Hüten. Imbiss-Stände verkaufen Bratwürste und Spieße mit Hühnerherzen. Die Ambulantes – die mobilen Straßenhändler – haben eiskaltes Bier in ihren Kühltaschen. Den Rest des Beitrags lesen »





Gratiskondome und Müllberge: Karneval in Rio

3 03 2014
SENDUNG: Ö1 Mittagsjournal, Samstag, 1. März 2014, 12:00 Uhr / 
Ö1 zum Nachhören

In Rio de Janeiro findet wieder die größte Party der Welt statt: der Karneval. Dieser zieht jährlich etwa eine Million Touristen aus dem In- und Ausland an. Gefeiert wird auf den Straßen. An den Stränden von Copacabana und Ipanema, sowie in zahlreichen anderen Orten in Rio ziehen Trommelgruppen, sogenannte „Blocos“ durch die Straßen. Den Höhepunkt stellt jedoch der Umzug der großen Sambaschulen im Stadion Sambodrom dar.

karneval1

Fünf Millionen Gratis-Kondome

„Die Liebe endet, wenn der Karneval“ beginnt – heißt ein brasilianisches Sprichwort. Die Karnevalsfeiern in Rio de Janeiro sind traditionell extrem ausgelassen: mit Tanz, Musik, viel nackter Haut und reichlich Alkohol. „Steck beim Karneval immer ein Kondom in die Tasche“ – heißt es in einer offiziellen Videokampagne der Stadtverwaltung von Rio. Zum Schutz vor HIV und Geschlechtskrankheiten verteilt das brasilianische Gesundheitsministerium zum heurigen Karneval in Rio kostenlos fünf Millionen Kondome. Den Rest des Beitrags lesen »