Olympisches Segelrevier mit schwimmenden Kühlschränken

28 05 2015
SENDUNG: Ö1 Morgenjournal, Samstag, 16. Mai 2015
Ö1 zum Nachhören 

Noch etwas mehr als ein Jahr bis zu den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro. Lange Zeit zeigte sich das Olympische Komitee besorgt über die zögerlichen Vorbereitungen der Brasilianer. Doch inzwischen scheinen die meisten Infrastrukturmaßnahmen wieder im Zeitplan zu liegen. Das größte Sorgenkind ist jedoch die Verschmutzung der Bucht von Guanabara. Dort sollen die Olympischen Segelbewerbe stattfinden. Seit Jahrzehnten werden dort Abwässer der Stadt hineingeleitet. Die Regierung von Rio hatte versprochen, die Bucht bis zu den Spielen weitgehend zu reinigen. Völlig unmöglich, sagen Umweltschützer.

guanabara

Gefährliches Wasser

Ein Sonnentag am Strand von Flamengo in Rio de Janeiro, gleich neben dem Segelhafen Marina da Glória. Hier in der Bucht von Guanabara sollen im Sommer 2016 die olympischen Segelbewerbe ausgetragen werden. Am Strand laufen Jogger mit Blick auf den Zuckerhut, unter den Palmen picknicken Familien. Ins Wasser geht hier jedoch kaum jemand. Aus gutem Grund, erklärt der Biologe und Umweltaktivist Mario Moscatelli: „In diesem Wasser kannst du Hepatitis bekommen, oder zumindest Augenentzündungen oder Ohrenentzündungen. Die Bucht von Guanabara ist eine riesige Toilettenanlage und eine riesige Mülldeponie.“

Siebzig Prozent der Abwässer der Millionenmetropole Rio de Janeiro landet in der Bucht – die Hälfte davon ungefiltert. Vor wenigen Monaten fanden Biologen in einem der Zuflüsse ein Superbakterium, das vermutlich aus Krankenhausabfällen stammt.

Schwimmendes Treibgut
Vergangenen August fand in der Bucht von Guanabara bereits eine Test-Regatta statt. Damals blieb ein österreichisches Segelduo im Dreck hängen – Plastiksäcke hatten sich an Schwert und Ruder des Bootes verhangen. Andere Segler stießen im Wasser auf Tierkadaver und Kühlschränke. Der Biologe Mario Moscatelli fliegt einmal im Monat mit dem Hubschrauber über die Bucht von Guanabara und fotografiert das Treibgut. Seit Jahren fordert er die Regierung auf, etwas zu unternehmen: „Die Regierung des Bundesstaates schafft es nicht, ein adäquates System der Müllentsorgung zur Verfügung zu stellen. Daher werfen die Menschen Müll in die Flüsse. Und von dort gelangt er in die Bucht: Haushaltsabfälle, Krankenhausabfälle, Betten, Tische, Fernseher.“

Die Regierung von Rio de Janeiro will jetzt sogenannte Öko-Boote einsetzen, um den Müll einzusammeln. Ein Tropfen auf dem heißen Stein, meint Moscatelli, denn die Bucht sei riesig, die Boote klein – und zudem teuer. Weiters hat die Rio de Janeiro versprochen, bis zu den Olympischen Spielen kommendes Jahr, 80 Prozent der Abwässer zu filtern. Doch an dieses Ziel glaubt nicht einmal der neue Umweltsekretär von Rio, Andre Correa. Kurz nach seinem Amtsantritt im Jänner erklärte er: „Dieses Ziel von 80 Prozent Abwasserfilterung – ich sage es ganz offen – das werden wir nicht schaffen. Man darf sich nur solche Ziele setzen, wenn man auch die Ressourcen hat, sie zu erreichen.“

Schwimmender Politiker
Doch einige Monate – und einige Treffen mit Vertretern des Olympischen Komitees – später zeigt sich Correa bereits optimistischer. Anfang Mai ging er medienwirksam in der Bucht von Guanabara baden. Hier sei das Wasser genauso schön, wie am Strand von Ipanema erklärte der schwimmende Umweltsekretär vor laufender Kamera.

Trotz all der Kritik von Medien und Umweltschützern gibt sich das Veranstaltungskomitee von „Rio 2016“ zuversichtlich: Die Zielvorgaben würden erreicht werden, so dessen Sprecher Mario Andrada: selbstverständlich würden die Segel-Bewerbe in der Bucht von Guanabara ausgetragen. Plan B gebe es keinen.


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