Ein Brasilien für alle? Rückblick auf acht Jahre Lula

17 12 2010

SENDUNG: Journal Panorama, Montag, 20. Dezember 2010,
18:25 Uhr, Ö1

Am 1.1.2011 ist es soweit: Brasilien, das größte Land Lateinamerikas, bekommt seine erste Präsidentin. Dilma Rousseff, Tochter eines bulgarischen Einwanderers, wird für die nächsten vier Jahre die Geschicke des Landes leiten. Als Guerillera kämpfte sie in den späten 1960ern im bewaffneten Widerstand gegen die brasilianische Militärdiktatur, wurde verhaftet und gefoltert. Ab den 1980ern engagierte sie sich in der Arbeiterpartei PT, war Energieministerin und zuletzt Kabinettschefin unter Präsident Luiz Inacio Lula da Silva – den sie jetzt beerbt. Und es sind große Fußstapfen in die Dilma Roussef da tritt. Jetzt, am Ende seiner Amtszeit, konnte sich Präsident Lula über Beliebtheitswerte von über 80 Prozent freuen. Innerhalb von acht Jahren hat er das schwer verschuldete Entwicklungsland zu einer Weltmacht gemacht. 24 Millionen Brasilianer und Brasilianerinnen konnten der absoluten Armut entrinnen. Aber es gibt auch Kritik: vor allem aus den sozialen Bewegungen, sowie von Umweltschützern.

Zu Tränen gerührt
Lula hätte vermutlich auch einen Telefonmasten als seinen Nachfolger aufstellen lassen können – die Leute hätten ihn gewählt, sagt Angela Kemper, Brasilienreferentin der Dreikönigsaktion der katholischen Jungschar. Noch nie war ein brasilianischer Präsident so beliebt bei der Bevölkerung wie Luiz Ignacio da Silva, genannt Lula. Lediglich drei Prozent sind laut Umfragen mit seiner Regierung total unzufrieden. Das liegt einerseits an seiner Politik und andererseits wohl auch an seiner Persönlichkeit. Den Rest des Beitrags lesen »





Profite statt Menschenrechte?

16 12 2010

SENDUNG: Praxis, Freitag, 17. Dezember 2010, 22:15 Uhr, Ö1

Vor zwei Wochen ist der aus Österreich stammende Bischof Erwin Kräutler in der schwedischen Hauptstadt Stockholm mit dem Alternativ-Nobelpreis ausgezeichnet worden. Als Bischof der brasilianischen Diözese Xingu setzt sich Kräutler seit mehr als drei Jahrzehnten für die Rechte der Amazonas-Indianer ein – was ihm schon zahlreiche Morddrohungen eingebracht hat. Kräutler kritisiert Politiker, Großgrundbesitzer und Konzerne. Zum Beispiel die österreichische Andritz AG, die sich am umstrittenen Staudamm-Projekt Belo Monte beteiligen will. Dafür sollen zigtausende Menschen vertrieben und Ökosysteme zerstört werden. Katholische Organisationen stellen sich hinter die Anliegen von Bischof Kräutler und werfen die Frage auf: Inwiefern müssen oder können denn Unternehmen so etwas wie soziale Verantwortung wahrnehmen?