Tropicalismo & MPB (3) Zensur und Verfolgung

9 09 2015
SENDUNG: Radiokolleg "Brasiliens Musik unter der 
Militärdiktatur", Mittwoch, 9. September 2015, 
9:45 und 22:40 Uhr, Ö1

Rio de Janeiro 1974: Der Sänger Chico Buarque de Holanda präsentiert das Lied eines Komponisten aus der Favela namens Julinho de Adeleide. „Acorda Amor“ (Wach auf, meine Liebste), so der Titel. Das Lied handelt von einer Episode aus dem Leben des Julinho de Adeleide, erzählt Chico Buarque. Der Kleinkriminelle wird eines Tages aus dem Schlaf gerissen, weil die Polizei an seine Tür klopft.

 acordaamor

Kein richtiger Sänger

Es ist eine Erfahrung, die Chico Buarque mit dem Autor des Liedes verbindet. Im Dezember 1968 war Chico im Morgengrauen verhaftet worden. Wenige Tage davor hatte Diktator Costa e Silva ein neues Gesetz erlassen, das Bürgerrechte, Versammlungs- und Meinungsfreiheit außer Kraft setzte. Die Verfolgung von Regimekritikern beginnt. Den Rest des Beitrags lesen »





Tropicalismo & MPB (2) Musikfestivals als Orte des Protests

8 09 2015
SENDUNG: Radiokolleg "Brasiliens Musik unter der 
Militärdiktatur", Dienstag, 8. September 2015, 
9:45 Uhr und 22:40 Uhr, Ö1 / 
7 Tage Ö1 zum Nachhören

proibido

„Ihr versteht wirklich überhaupt nichts!
Was für eine Jugend soll das sein???
Wisst ihr, wem ihr ähnelt? Ihr ähnelt jenen, die zum Stück „Roda Viva“ gingen und die Schauspieler verprügelten…“

Publikumsbeschimpfung auf Brasilianisch. Im November 1968, am 4. Festival der brasilianischen Musik in São Paulo, performt der Musiker Caetano Veloso, Protagonist der Tropicalia-Bewegung, gemeinsam mit der Band „Os Mutantes“ seinen Beitrag „É proibido proibir“ (Es ist verboten zu verbieten). Das Publikum ist gar nicht begeistert.

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Tropicalismo & MPB (1) Musik und Widerstand

7 09 2015
SENDUNG: Radiokolleg "Brasiliens Musik unter der 
Militärdiktatur", Montag, 7. September,
9:45 Uhr und 22:40 Uhr, Ö1 
7 Tage Ö1 zum Nachhören 

Francisco Soriano ist leidenschaftlicher Akkordeon-Spieler. Gemeinsam mit seinem langjährigen Freund, dem Menschenrechtsanwalt Modesto da Silva sitzt er heute in seinem Wohnzimmer in Rio de Janeiro und musiziert. „Viele ehemalige Mitkämpfer haben ihr Trauma nie überwunden. Sie sind Alkoholiker geworden oder haben sich umgebracht“, erzählt Soriano, „was mir persönlich geholfen hat, nicht den Verstand zu verlieren, das war die Musik.“ Die beiden ehemaligen Widerstandskämpfer trinken chilenischen Rotwein und erzählen von der alten Zeit, die für sie keine gute Zeit war.

Plattencover "Tropicalia. Ou panis et circensis"

Feinfühlige Musik junger Intellektueller

1964 putscht sich in Brasilien das Militär an die Macht. Damals war Francisco Soriano in der Gewerkschaft des staatlichen Erdölkonzerns Petrobras aktiv. Nach dem Putsch verliert der überzeugte Kommunist seine Arbeit. Er schließt sich dem bewaffneten Widerstand an, wird geschnappt, eingesperrt und gefoltert. Den Rest des Beitrags lesen »





Fische, Ameisen & giftige Wurzeln: Die Küche des Amazonas.

29 05 2015
SENDUNG: Moment Kulinarium, Freitag, 29. Mai 2015, 
14:40 Uhr, Ö1
7 Tage Ö1 zum Nachhören 

Piranha-Suppe mit Maniok-Mehl, Schwarzer Pacu-Fisch mit Yamswurzel-Püree, Austern mit Cupuaçu-Sorbet – derartige Dinge finden sich auf Speisekarten von modernen Amazonas-Restaurants in Brasilien. „Meiner Ansicht nach, ist die Küche des Amazonas gar nicht exotisch. Sie kommt den Leuten nur so vor, weil sie die Region nicht kennen“, meint Küchenchefin Natacha Fink. Sie hat leicht reden. Sie ist schließlich in Manaus, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas aufgewachsen. Von Kindheit an hat sie Fische aus dem Amazonas, Wurzeln und Früchte aus dem Regenwald gegessen, zubereitet von ihrer indigenen Großmutter. Nicht zuletzt dank des brasilianischen Starkochs Alex Atala, hat die Kulinarik der Amazonas-Region mittlerweile Einzug in die internationale Haubenküche gefunden. 

(c) Espirito Santa

Krabbelnde Eiweißquellen

„Welche Gewürze hast du für dieses Gericht verwendet?“
„Ameisen.“
„Ich wollte wissen, welche GEWÜRZE du verwendet hast.“
„Mein Sohn, es sind nur Ameisen.“

Von diesem Gespräch berichtet der brasilianische Haubenkoch Alex Atala in seinem Buch „D.O.M. Die neue brasilianische Küche“. In São Miguel das Cachoeiras, im nordbrasilianischen Bundesstaat Amazonas, hatte er Dona Brazi, eine indigene Frau, getroffen, die dort am Marktplatz lokale Spezialitäten angeboten hatte. Bei Dona Brazi lernte Alex Atala die typisch nordbrasilianische Würz-Sauce Tucupí kennen. Den Rest des Beitrags lesen »





Olympisches Segelrevier mit schwimmenden Kühlschränken

28 05 2015
SENDUNG: Ö1 Morgenjournal, Samstag, 16. Mai 2015
Ö1 zum Nachhören 

Noch etwas mehr als ein Jahr bis zu den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro. Lange Zeit zeigte sich das Olympische Komitee besorgt über die zögerlichen Vorbereitungen der Brasilianer. Doch inzwischen scheinen die meisten Infrastrukturmaßnahmen wieder im Zeitplan zu liegen. Das größte Sorgenkind ist jedoch die Verschmutzung der Bucht von Guanabara. Dort sollen die Olympischen Segelbewerbe stattfinden. Seit Jahrzehnten werden dort Abwässer der Stadt hineingeleitet. Die Regierung von Rio hatte versprochen, die Bucht bis zu den Spielen weitgehend zu reinigen. Völlig unmöglich, sagen Umweltschützer.

guanabara

Gefährliches Wasser

Ein Sonnentag am Strand von Flamengo in Rio de Janeiro, gleich neben dem Segelhafen Marina da Glória. Hier in der Bucht von Guanabara sollen im Sommer 2016 die olympischen Segelbewerbe ausgetragen werden. Am Strand laufen Jogger mit Blick auf den Zuckerhut, unter den Palmen picknicken Familien. Ins Wasser geht hier jedoch kaum jemand. Aus gutem Grund, erklärt der Biologe und Umweltaktivist Mario Moscatelli: „In diesem Wasser kannst du Hepatitis bekommen, oder zumindest Augenentzündungen oder Ohrenentzündungen. Die Bucht von Guanabara ist eine riesige Toilettenanlage und eine riesige Mülldeponie.“ Den Rest des Beitrags lesen »





Militärdiktatur (4) Das Erbe der Diktatur

1 05 2015
SENDUNG: Radiokolleg, Donnerstag, 16. April 2015, 
9:30 Uhr, Ö1

März 2015. Hunderttausende Menschen gehen in Brasilien auf die Straße. Anlass für die Wut ist ein Korruptionsskandal rund um den staatlich kontrollierten Erdölkonzern Petrobras. Es ist großteils die gut situierte Mittelschicht, die hier demonstriert. Sie fordert die Absetzung der linken Präsidentin Dilma Rousseff. „Wenn wir zulassen, dass alles so weiter geht, dann enden wir wie Venezuela oder Kuba. Oder noch schlimmer“, meint eine Demonstrantin. Ein junger Mann ist der Meinung, man müsse den Kommunismus in Brasilien bekämpfen, denn schließlich bilde sich in Lateinamerika gerade ein Block kommunistischer Staaten.

foto: Felipe Braga, Wikimedia Commons

Brasil Nunca Mais?

Immer wieder tauchen in den Demonstrationen sogar Plakate auf, die eine Militärintervention erbitten. „Wenn du ein Krebsgeschwür hast, dann musst du es mit drastischen Mitteln entfernen. Eine Intervention der Armee wäre das beste“, sagt eine junge Frau unverblümt in eine Kamera. Über soziale Medien verbreiten sich Video-Botschaften, wie diese: „Brasilianische Streitkräfte, kommt und setzt der Korruption dieser kommunistischen Regierung ein Ende. Ein Land mit 200 Millionen Einwohnern, mit so vielen Reichtümern und Bodenschätzen, kann doch nicht von einer Diebesbande aus den sozialen Bewegungen regiert werden.“ Den Rest des Beitrags lesen »





Militärdiktatur (3) Unterdrückung und Widerstand

15 04 2015
SENDUNG: Radiokolleg, Mittwoch, 15. April 2015, 
9:30 und 22:40 (WH), Ö1

Im Jahr 1968 wird Brasilien von einer Protestwelle überzogen. Studenten, Künstler, Intellektuelle gehen auf die Straße. Das ganze kulminiert als am 28. März der Student Edson Luiz von der Militärpolizei erschossen wird. Im Juni organisiert die Studentenbewegung in Rio de Janeiro den Marsch der Hunderttausend. Ab jetzt greift das Regime mit harter Hand durch: es wird scharf geschossen, Studentenführer verhaftet. Im Dezember erlässt Diktator Costa e Silva den sogenannten Institutionellen Akt Nummer Fünf (AI-5). Ab sofort sind alle Kundgebungen untersagt, die Verfassung außer Kraft gesetzt, das Parlament geschlossen. Die „Anos do Chumbo“, die „bleiernen Jahre“ beginnen.

(c) Cid Benjamin

Polizeiakte von Cid Benjamin

 

Ein legitimer politischer Fehler

„Wir wurden regelrecht in den bewaffneten Widerstand gedrängt“, erzählt der ehemalige Widerstandskämpfer Cid Benjamin. Er ist ein Kind der 1968-er Generation. Bis zum AI-5 war er Studentenführer in Rio de Janeiro gewesen. „Plötzlich blieben uns kaum noch legale Möglichkeiten für den politischen Widerstand: die Presse wurde zensiert, der Kongress war geschlossen, die Repression enorm. Außerdem waren wir von zwei ausländischen Vorbildern beeinflusst: der Revolution in Kuba und dem Krieg in Vietnam. Der zeigte: der Kleine kann den Großen besiegen – wenn er den Rückhalt der Bevölkerung hat.“ Den Rest des Beitrags lesen »








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