Polizeistreik in Salvador: Plünderungen und Gewalt

18 04 2014
SENDUNG: Ö1 Mittagsjournal, Freitag, 18. April 2014 
Ö1 zum Nachhören

Zwei Tage streikte die Polizei im brasilianischen Fußball-WM-Austragungsort Salvador da Bahia. Die Folge war eine Welle von Gewalt und Plünderungen, bei der mindestens 39 Menschen getötet wurden. Die Regierung entsandte Elitepolizisten und hunderte Soldaten, der Streik ist mittlerweile beendet.

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Chaostage in Salvador da Bahía: Nirgendwo Polizei, Menschen plündern ungeniert Supermärkte, die Glastüren von Elektrogeschäften werden eingeschlagen, Bankomaten gesprengt. Während der 42 Stunden Polizeistreik wurden in Salvador 39 Menschen ermordet und allein am ersten Tag 60 Autos gestohlen – das sind dreimal so viele wie an gewöhnlichen Tagen. Viele Busse blieben aus Sicherheitsgründen in den Garagen der Busgesellschaften, der öffentliche Verkehr brach beinahe zusammen. In einigen Schulen fiel der Unterricht aus.

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Soziale Säuberung: WM-Austragungsstädte verstecken Straßenkinder

15 04 2014
SENDUNG: Ö1 Mittagsjournal, Dienstag, 15. April 2014 / 
Ö1 zum Nachhören

Nur noch zwei Monate bis zur Fußball WM in Brasilien. Zu der Vorfreude auf das sportliche Großereignis mischt sich aber immer wieder laute Kritik: von Korruption ist die Rede, von Zwangsumsiedlungen und auch von sozialen Säuberungen. Kinderrechtsorganisationen sind empört über ein Gesetz, dass es der brasilianischen Regierung gestattet, Straßenkinder mehrere Monate – auch gegen den Willen der Kinder -  in Notunterkünften festzuhalten. Brasilien will sich vor den ausländischen Gästen nicht als Land der Armut präsentieren.

Foto (c) S.-Hofschlaeger_pixelio

Damit Touristen der Anblick erspart bleibt

“Meine Mutter ist woanders hingezogen, ich weiß nicht, wo sie jetzt ist”, erzählt der 14-jährige Wanderson, “wir haben keine Eltern, wir leben auf der Straße.” Sie schlafen auf den Gehsteigen oder am Strand, sie suchen in Mistkübeln nach Essbarem und betteln an Busbahnhöfen um Geld. Niemand weiß genau, wie viele Straßenkinder es in Brasiliens Städten gibt. Eine Studie aus dem Jahr 2008 hat allein in den 26 Hauptstädten der Bundesstaaten 25.000 gezählt. Den Rest des Beitrags lesen »





Rio de Janeiro: Armee gegen die Peripherie

26 03 2014
SENDUNG: Ö1 Mittagsjournal, Mittwoch, 26. März 2014 
Ö1 zum Nachhören

Knapp drei Monate vor Beginn der Fußball WM in Brasilien, ist die Regierung von Rio de Janeiro besorgt über die Sicherheitslage in den Favelas, den Armenvierteln der Stadt. Bereits vor sechs Jahren hat die Militärpolizei begonnen, einige der Favelas in Rio zu “pazifzieren”, das heißt: die bewaffneten Drogengangs wurden gewaltsam vertrieben und danach Polizisten einer Spezialeinheit, der sogenannten “Befriedungspolizei” dort stationiert. “Befriedet” wurden in erster Linie Favelas in touristisch interessanten Regionen im Süden der Stadt, sowie rund ums Fußballstadion Maracanã. Doch mittlerweile schalgen die Drogenkartelle zurück. Seit ein paar Monaten kommt es immer wieder zu Attacken auf diese Befriedungspolizei. Vergangene Woche erst wurden in einer einzigen Nacht 5 Polizeistationen in pazifizierten Favelas angegriffen. Jetzt will die Regierung die Armee in die Armenviertel schicken.

Complexo Alemao, Foto (c) Barbara Stefanrbara

Nervosität vor der Fußball WM

120 Mann einer Elite-Einheit der Militärpolizei (BOPE) marschierten vergangenen Freitag in den Favela-Komplex Maré ein. Er gilt noch nicht als “pazifiziert”. Bis dahin liefen hier noch Jugendliche herum, die Schusswaffen in ihren Bermudashorts stecken hatten und Drogen wurden offen auf Verkaufstischen in der Einkaufsstraße feilgeboten. Die Militärpolizei soll die Maré besetzt halten, bis demnächst die Armee eintrifft, erklärt Sergio Cabral, Gouverneur von Rio de Janeiro. Der riesige Favela-Komplex Maré liegt in einer strategisch wichtigen Zone. Zwei der wichtigsten Hauptverkehrsadern führen hier vorbei. Und vor allem: die Zufahrtsstraße zum Flughafen. 130.000 Menschen leben im Complexo Maré.

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Mehr als nur Karneval: Sambaschulen in Rio

18 03 2014
SENDUNG: Journal Panorama, Dienstag, 4. März 2014
 18:25 Uhr, Ö1

Beim Karneval in Rio wetteifern jedes Jahr die besten Sambaschulen der Stadt um den Sieg. In aufwendigen Kostümen ziehen tausende Tänzer und Trommler während der Karnevalsfeiertage durch das Sambodrom-Stadion und stellen sich den strengen Blicken der Jury. Angefeuert werden sie dabei von zigtausenden Fans. Die Sambaschulen haben treue Anhänger – vergleichbar mit Fußballfans. Der Sieger wird jeweils am Aschermittwoch bekannt gegeben. Entstanden sind die ersten Sambaschulen in Rio Ende der 1920er Jahren in verschiedenen Favelas der Stadt – so werden traditionell die Armenviertel Brasiliens genannt. Bis heute sind die Sambaschulen tief verwurzelt in diesen Vierteln. Viele der Schulen finanzieren dort heute Sozialprojekte. Wir haben uns in Rio eine solche Sambaschule angeschaut und auch umliegende Favelas besucht, aus denen Musiker und Anhänger stammen.

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Rückhalt aus den Comunidades

Volksfeststimmung am Fuße der Favela am Hügel Andaraí. Hier im Stadtteil Tijuca – etwa zwei Kilometer vom Fußballstadium Maracanã entfernt – hat die bekannte Sambaschule Salgueiro ihren Sitz. Jeden Mittwoch hält sie auf den Straßen rund um ihre Veranstaltungshalle eine öffentliche Probe ab. Hunderte Fans sind gekommen, viele davon mit roten Fan-T-Shirts und weißen Hüten. Imbiss-Stände verkaufen Bratwürste und Spieße mit Hühnerherzen. Die Ambulantes – die mobilen Straßenhändler – haben eiskaltes Bier in ihren Kühltaschen. Den Rest des Beitrags lesen »





Das irrsinnigste Fest der Welt: Karneval in Rio

3 03 2014
SENDUNG: Ö1 Mittagsjournal, Samstag, 1. März 2014, 12:00 Uhr / 
Ö1 zum Nachhören

In Rio de Janeiro findet wieder die größte Party der Welt statt: der Karneval. Dieser zieht jährlich etwa eine Million Touristen aus dem In- und Ausland an. Gefeiert wird auf den Straßen. An den Stränden von Copacabana und Ipanema, sowie in zahlreichen anderen Orten in Rio ziehen Trommelgruppen, sogenannte “Blocos” durch die Straßen. Den Höhepunkt stellt jedoch der Umzug der großen Sambaschulen im Stadion Sambodrom dar.

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Fünf Millionen Gratis-Kondome

“Die Liebe endet, wenn der Karneval” beginnt – heißt ein brasilianisches Sprichwort. Die Karnevalsfeiern in Rio de Janeiro sind traditionell extrem ausgelassen: mit Tanz, Musik, viel nackter Haut und reichlich Alkohol. “Steck beim Karneval immer ein Kondom in die Tasche” – heißt es in einer offiziellen Videokampagne der Stadtverwaltung von Rio. Zum Schutz vor HIV und Geschlechtskrankheiten verteilt das brasilianische Gesundheitsministerium zum heurigen Karneval in Rio kostenlos fünf Millionen Kondome. Den Rest des Beitrags lesen »





Aufwachsen zwischen den Welten: Die Kinder der Entwicklungshelfer

16 07 2013

SENDUNG: Moment – Leben heute, Dienstag, 21. August 2012, 14:40 Uhr, Ö1

WH: Mittwoch, 17. Juli 2013, 14:40 Uhr, Ö1
(im Rahmen der Moment-Serie: “Anders aufwachsen. Kinderleben abseits der Idealvorstellungen”)

„Tumbuka“ nennt sich ein Bantu-Dialekt, der von etwa zwei Millionen Menschen im südlichen Afrika gesprochen wird. Der Waldviertler Gabriel Graf hat ihn als Kind gelernt: in einer Dorfschule in Sambia. Denn dort haben seine Eltern als Entwicklungshelfer gearbeitet. Seit den 1960er-Jahren sind etwa 2.500 Österreicher und Österreicherinnen für die Entwicklungszusammenarbeit in abgelegene Regionen in Afrika, Lateinamerika oder auch Papua Neuguinea gegangen. Viele davon mit der ganzen Familie. Die Kinder wachsen dort ohne den Luxus der industrialisierten Welt auf, sie lernen exotische Sprachen, Vögel jagen und Fische fangen und sie tauchen ein in eine völlig andere Kultur. Für manche ist das Zurückkommen nach Österreich schwieriger als das Weggehen.

Kulturschock Hüftschwung

“Gleich am ersten Tag, als ich dorthin gekommen bin, hätten wir alle tanzen sollen. Ich war eher schüchtern und hab mich in die Ecke gesetzt. Bei den Brasilianern geht es immer darum, dass alle lachen und Kontakt haben und immer wird Musik gespielt. Ich war da noch ein wenig österreichischer.” Daniel Kemper erinnert sich an seinen ersten Tag in der Vorschule in Brasilien. Im Dorf Boa Vista do Tupim, im Landesinneren des nordöstlichen Bundesstaates Bahía, hat er drei Jahre seiner frühesten Kindheit verbracht. Am Hauptplatz hört er den alten Leuten zu, wie sie miteinander sprechen und plappert alles nach. Innerhalb kurzer Zeit beginnt er, ganz von selbst portugiesisch zu sprechen. Den Rest des Beitrags lesen »





Was der Staat vom Burger-Shop lernen könnte: Interview mit Tiago Peixoto

28 05 2013

SENDUNG: Matrix, Sonntag, 26. Mai 2013, 22:30 Uhr, Ö1 /

ICT4Gov (ICT for Governance) nennt sich ein Programm der Weltbank. Kommunikationstechnologien sollen eine bessere Regierungsführung ermöglichen. Bürger sollen ermächtigt werden, diese auch einzuführen. Unter diesem Motto führt die Weltbank zahlreiche Pilotprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern durch. Unter anderem auch in Konfliktregionen, wie der Demokratischen Republik Kongo. Der Brasilianer Tiago Peixoto ist Open Government-Experte bei der Weltbank. Er hat sowohl die Regierungen von Brasilien und Großbritannien, wie auch die Vereinten Nationen in Sachen E-Governance beraten und war Ko-Autor des “2010 United Nations e-Government Surveys”. Im Mai 2013 war er Keynote-Speaker auf der CeDEM an der Donau-Universität Krems.

(c) CeDEM

Wo sehen Sie das Potential von Kommunikationstechnologien für die Demokratieentwicklung in Entwicklungsländern?

Technologie hat die Aufgabe, bereits existierende Aktivitäten zu ergänzen. Ich selbst komme ja aus Brasilien und ich weiß: nicht jeder hat Internet-Zugang. Daher kann man keinen Beteiligungsprozess machen, der ausschließlich im Netz stattfindet. Damit würde man große Teile der Bevölkerung ausschließen. Aber Technologie kann neue Teilnehmer bringen, denen das bisher nicht möglich war. In Brasilien sind das zum Beispiel die Frauen. Die meisten arbeiten tagsüber in ihrem Job und abends kümmern sie sich um Haushalt und Kinder. Aber darum kommen zu den abendlichen Versammlungen viel mehr Männer als Frauen. Als wir in Brasilien das Internet im Rahmen von partizipativen Bürgerhaushalten einführten, stieg plötzlich die Beteiligung von Frauen. Den Rest des Beitrags lesen »





Mit Open Government die Korruption bekämpfen?

6 05 2012

SENDUNG: Matrix, Sonntag, 6. Mai 2012, 22:30 Uhr, Ö1

Die Idee, Bürger bei der Verteilung des Budgets direkt mitbestimmen zu lassen kommt ursprünglich aus der brasilianischen Stadt Porto Alegre. Aber auch sonst könnte sich unsere Politik etwas vom lateinamerikanischen Schwellenland abschauen. Zumindest in der Theorie. Während es hierzulande ein strenges Amtsgeheimnis gibt, hat Brasilien ein Transparenzgesetz erlassen: Seit heuer müssen die Gemeinden Informationen über öffentliche Einnahmen und Ausgaben im Internet veröffentlichen. Damit will die brasilianische Bundesregierung die Korruption auf Gemeinde-Ebene bekämpfen. Über den Kampf gegen Korruption mit Hilfe von Web 2.0 Technologie sprachen Experten aus Brasilien und Indien Anfang Mai auf der CeDem-Konferenz an der Donau-Universität Krems.

Transparente Gemeinden sind weniger korrupt
„Viele Fälle von Korruption und Unterschlagung passieren mit Geld, das die Bundesregierung in die Gemeinden schickt“, erklärt der brasilianische Politikwissenschaftler und Korruptionsexperte James Batista Vieira. Mit diesem Geld sollten die Gemeinden dann ihr Gesundheitssystem, Bildung und Sozialleistungen finanzieren. Doch immer wieder versickern da große Summen irgendwo unterwegs. Zum Beispiel, weil der Bürgermeister gerade Geld für einen Wahlkampf braucht, erklärt Vieira. Er selbst wurde schon einige Male als unabhängiger Kontrolleur in Gemeinden geschickt, um herauszufinden, wo irgendwelche Gelder hinverschwunden sind. Den Rest des Beitrags lesen »





Interkulturelle Beziehungskiste (2) – Lost in translation?

5 03 2012

SENDUNG: Radiokolleg “Interkulturelle Beziehungskisten. Liebe in Zeiten der Globalisierung”  (Teil 2)
Dienstag, 6. März 2012, 9:30 Uhr, Ö1

Kommunikationsprobleme sind schon in monokulturellen Beziehung die häufigste Konfliktursache. Wie ist das erst, wenn zwei Partner unterschiedliche Muttersprachen haben? Und was, wenn da noch ein völlig anderes Zeitverständnis, unterschiedliche Familienkonzepte und unterschiedliche Geschlechterrollen dazukommen? Reibungspunkte gibt es zahlreiche in interkulturellen Beziehungen. Doch vermutlich macht sie gerade das so spannend.

Unmännliche Hausarbeit

Brütende Hitze. Eine Europäerin schleppt sich den Berg hinauf zum tunesischen Touristenort Sidi Bou Said. Endlich Schatten. Sie setzt sich vor einem Lokal hin, um zu verschnaufen und überlegt, wie sie es wohl anstellen sollte, im Lokal nicht wieder den dreifachen Preis zu bezahlen. Ein junger Mann bietet ihr Wasser an. „Kostet das etwas?“, fragt sie. Den Rest des Beitrags lesen »





Interkulturelle Beziehungskiste (1) – Flirten zwischen den Kulturen

4 03 2012

SENDUNG: Radiokolleg “Interkulturelle Beziehungskisten. Liebe in Zeiten der Globalisierung” (Teil 1),
Montag, 5. März 2012, 9:30 Uhr, Ö1

Die Sprache der Liebe soll ja angeblich international sein. Liebe brauche keine Worte, heißt es, und ein tiefer Blick sage sowieso mehr aus tausend Worte. Alles Unsinn, sagen Kulturwissenschafter. Denn wie man sich korrekt dem anderen Geschlecht nähert, das kann in verschiedenen Ländern vollkommen anders aussehen. Und den tiefen Blick in die Augen, den sollte man in manchen Kulturkreisen überhaupt lieber unterlassen.

Sich unauffällig anpirschen

Ein Abendessen bei Freunden und eine ausgedehnte Nacht in den Clubs von Shanghai haben die Chinesin Fei und den Österreicher Georg zusammen gebracht. Sie ist ihm sofort aufgefallen, erzählt er, weil sie so eine temperamentvolle Art hat. Was er getan hat, um sie zu erobern, will ich wissen. „Na ja, das ganz normale Programm halt”, sagt Georg, “ich hab mich unauffällig angepirscht und versucht, mit ihr ins Gespräch zu kommen.“ Fei erinnert sich daran, denn ihr fiel auf, egal wo sie an diesem Abend hingingen, der Typ war immer neben ihr. Er ging ganz zufällig neben ihr und saß in den Lokalen ganz zufällig neben ihr. Das war vor acht Jahren. Mittlerweile sind die beiden verheiratet, haben zwei Töchter und leben in Graz. Den Rest des Beitrags lesen »








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