Fische, Ameisen & giftige Wurzeln: Die Küche des Amazonas.

29 05 2015
SENDUNG: Moment Kulinarium, Freitag, 29. Mai 2015, 
14:40 Uhr, Ö1
7 Tage Ö1 zum Nachhören 

Piranha-Suppe mit Maniok-Mehl, Schwarzer Pacu-Fisch mit Yamswurzel-Püree, Austern mit Cupuaçu-Sorbet – derartige Dinge finden sich auf Speisekarten von modernen Amazonas-Restaurants in Brasilien. „Meiner Ansicht nach, ist die Küche des Amazonas gar nicht exotisch. Sie kommt den Leuten nur so vor, weil sie die Region nicht kennen“, meint Küchenchefin Natacha Fink. Sie hat leicht reden. Sie ist schließlich in Manaus, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas aufgewachsen. Von Kindheit an hat sie Fische aus dem Amazonas, Wurzeln und Früchte aus dem Regenwald gegessen, zubereitet von ihrer indigenen Großmutter. Nicht zuletzt dank des brasilianischen Starkochs Alex Atala, hat die Kulinarik der Amazonas-Region mittlerweile Einzug in die internationale Haubenküche gefunden. 

(c) Espirito Santa

Krabbelnde Eiweißquellen

„Welche Gewürze hast du für dieses Gericht verwendet?“
„Ameisen.“
„Ich wollte wissen, welche GEWÜRZE du verwendet hast.“
„Mein Sohn, es sind nur Ameisen.“

Von diesem Gespräch berichtet der brasilianische Haubenkoch Alex Atala in seinem Buch „D.O.M. Die neue brasilianische Küche“. In São Miguel das Cachoeiras, im nordbrasilianischen Bundesstaat Amazonas, hatte er Dona Brazi, eine indigene Frau, getroffen, die dort am Marktplatz lokale Spezialitäten angeboten hatte. Bei Dona Brazi lernte Alex Atala die typisch nordbrasilianische Würz-Sauce Tucupí kennen. Den Rest des Beitrags lesen »





Olympisches Segelrevier mit schwimmenden Kühlschränken

28 05 2015
SENDUNG: Ö1 Morgenjournal, Samstag, 16. Mai 2015
Ö1 zum Nachhören 

Noch etwas mehr als ein Jahr bis zu den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro. Lange Zeit zeigte sich das Olympische Komitee besorgt über die zögerlichen Vorbereitungen der Brasilianer. Doch inzwischen scheinen die meisten Infrastrukturmaßnahmen wieder im Zeitplan zu liegen. Das größte Sorgenkind ist jedoch die Verschmutzung der Bucht von Guanabara. Dort sollen die Olympischen Segelbewerbe stattfinden. Seit Jahrzehnten werden dort Abwässer der Stadt hineingeleitet. Die Regierung von Rio hatte versprochen, die Bucht bis zu den Spielen weitgehend zu reinigen. Völlig unmöglich, sagen Umweltschützer.

guanabara

Gefährliches Wasser

Ein Sonnentag am Strand von Flamengo in Rio de Janeiro, gleich neben dem Segelhafen Marina da Glória. Hier in der Bucht von Guanabara sollen im Sommer 2016 die olympischen Segelbewerbe ausgetragen werden. Am Strand laufen Jogger mit Blick auf den Zuckerhut, unter den Palmen picknicken Familien. Ins Wasser geht hier jedoch kaum jemand. Aus gutem Grund, erklärt der Biologe und Umweltaktivist Mario Moscatelli: „In diesem Wasser kannst du Hepatitis bekommen, oder zumindest Augenentzündungen oder Ohrenentzündungen. Die Bucht von Guanabara ist eine riesige Toilettenanlage und eine riesige Mülldeponie.“ Den Rest des Beitrags lesen »





Militärdiktatur (4) Das Erbe der Diktatur

1 05 2015
SENDUNG: Radiokolleg, Donnerstag, 16. April 2015, 
9:30 Uhr, Ö1

März 2015. Hunderttausende Menschen gehen in Brasilien auf die Straße. Anlass für die Wut ist ein Korruptionsskandal rund um den staatlich kontrollierten Erdölkonzern Petrobras. Es ist großteils die gut situierte Mittelschicht, die hier demonstriert. Sie fordert die Absetzung der linken Präsidentin Dilma Rousseff. „Wenn wir zulassen, dass alles so weiter geht, dann enden wir wie Venezuela oder Kuba. Oder noch schlimmer“, meint eine Demonstrantin. Ein junger Mann ist der Meinung, man müsse den Kommunismus in Brasilien bekämpfen, denn schließlich bilde sich in Lateinamerika gerade ein Block kommunistischer Staaten.

foto: Felipe Braga, Wikimedia Commons

Brasil Nunca Mais?

Immer wieder tauchen in den Demonstrationen sogar Plakate auf, die eine Militärintervention erbitten. „Wenn du ein Krebsgeschwür hast, dann musst du es mit drastischen Mitteln entfernen. Eine Intervention der Armee wäre das beste“, sagt eine junge Frau unverblümt in eine Kamera. Über soziale Medien verbreiten sich Video-Botschaften, wie diese: „Brasilianische Streitkräfte, kommt und setzt der Korruption dieser kommunistischen Regierung ein Ende. Ein Land mit 200 Millionen Einwohnern, mit so vielen Reichtümern und Bodenschätzen, kann doch nicht von einer Diebesbande aus den sozialen Bewegungen regiert werden.“ Den Rest des Beitrags lesen »





Militärdiktatur (3) Unterdrückung und Widerstand

15 04 2015
SENDUNG: Radiokolleg, Mittwoch, 15. April 2015, 
9:30 und 22:40 (WH), Ö1

Im Jahr 1968 wird Brasilien von einer Protestwelle überzogen. Studenten, Künstler, Intellektuelle gehen auf die Straße. Das ganze kulminiert als am 28. März der Student Edson Luiz von der Militärpolizei erschossen wird. Im Juni organisiert die Studentenbewegung in Rio de Janeiro den Marsch der Hunderttausend. Ab jetzt greift das Regime mit harter Hand durch: es wird scharf geschossen, Studentenführer verhaftet. Im Dezember erlässt Diktator Costa e Silva den sogenannten Institutionellen Akt Nummer Fünf (AI-5). Ab sofort sind alle Kundgebungen untersagt, die Verfassung außer Kraft gesetzt, das Parlament geschlossen. Die „Anos do Chumbo“, die „bleiernen Jahre“ beginnen.

(c) Cid Benjamin

Polizeiakte von Cid Benjamin

 

Ein legitimer politischer Fehler

„Wir wurden regelrecht in den bewaffneten Widerstand gedrängt“, erzählt der ehemalige Widerstandskämpfer Cid Benjamin. Er ist ein Kind der 1968-er Generation. Bis zum AI-5 war er Studentenführer in Rio de Janeiro gewesen. „Plötzlich blieben uns kaum noch legale Möglichkeiten für den politischen Widerstand: die Presse wurde zensiert, der Kongress war geschlossen, die Repression enorm. Außerdem waren wir von zwei ausländischen Vorbildern beeinflusst: der Revolution in Kuba und dem Krieg in Vietnam. Der zeigte: der Kleine kann den Großen besiegen – wenn er den Rückhalt der Bevölkerung hat.“ Den Rest des Beitrags lesen »





Militärdiktatur (2) Die Unternehmen und die Repression

14 04 2015
SENDUNG: Radiokolleg, Dienstag, 14. April 2015, 
9:30 und 22:40 Uhr, Ö1

São Paulo, 15. April 1971. Im Nobelviertel Jardins fallen Schüsse am helllichten Tag. Henning Albert Boilesen (55) wird am Steuer seines Wagens getroffen. Es gelingt ihm noch auszusteigen, auf der Flucht bricht er unter dem Kugelhagel zusammen, mit insgesamt 19 Schusswunden. Der gebürtige Däne war Manager der Gruppe Ultragaz, einem brasilianischem Konzern aus dem Energie- und Treibstoffsektor. Er war bereits in den 1930er Jahren nach Brasilien ausgewandert.

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Die seltsamen Hobbys der Manager

„Boilesen stand auf einer Exekutionsliste der Guerilla“, erzählt Historiker Demian Melo, „auf dieser Liste waren Leute, die von verhafteten Widerstandskämpfern während Folterungen erkannt wurden. Es gibt Erzählungen, wonach einige Unternehmer dafür bezahlten, dass sie bei Folterungen persönlich dabei sein durften. Wir haben Zeugenaussagen – sogar von ehemaligen Angehörigen der Armee – wonach nicht nur nur Boilesen in den Folter-Zentren in São Paulo vorbeischaute, sondern einige Unternehmer. Aber Boilesen tauchte besonders oft auf, darum wurde er mehrfach identifiziert.“ Den Rest des Beitrags lesen »





Militärdiktatur (1) Vom Ende und Anfang der brasilianischen Demokratie

13 04 2015
SENDUNG: Radiokolleg, Montag, 13. April 2015, 9:30, Ö1 

Frühjahr 1985. José Sarney wird als Präsident Brasiliens angelobt. Der ursprünglich für das Amt vorgesehene Tancredo Neves ist am 21. April an einer Darmerkrankung verstorben – noch bevor er sein Amt antreten kann. Und so wird sein Vize, José Sarney, der erste zivile Staatschef nach 21 Jahren Militärdiktatur. Nach fünf Diktatoren aus den Reihen der Generäle. Brasilien hat den Weg zurück zur Demokratie beschritten. Doch ganz war es dort im Jahr 1985 noch nicht angekommen, meint der brasilianische Zeithistoriker Carlos Fico: „Es gibt eine große Debatte über das Ende der Diktatur. Einige Autoren sagen, das Ende des Militärregimes beginnt eigentlich schon 1979, als das Amnestiegesetz für politische Häftlinge erlassen wurde. Andere wiederum sagen: nein, die Diktatur war auch 1985 noch nicht zu Ende. Denn die Regierung Sarney wurde im Hintergrund immer noch von den Militärs kontrolliert. Aber ich glaube, wir können schon sagen, dass die Wahl des ersten zivilen Präsidenten ein wichtiger Einschnitt war.“

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José Sarney

 

30 Jahre Ende der Militärdiktatur

In den frühen 1980er Jahren, der vergleichsweise milden Spätzeit der Diktatur, hatte sich eine Bürgerbewegung gegründet. Hunderttausende Menschen trauten sich wieder auf die Straßen und forderten „Dirétas Ja“ – Direktwahl des Präsidenten, so wie es vor Beginn der Diktatur üblich gewesen war. Doch das ging den Militärs zu weit: Sie hatten zwar begonnen, das Land zu öffnen, das strenge Regime zu lockern. Doch der Präsident sollte dann doch von einem – von ihnen kontrollierten – Wahlkomitee bestimmt werden: „Was komisch und irgendwie traurig ist: Trotz der Kampagne „Diretas Ja“, trotz der Streiks, trotz der Studentenbewegung, schafften wir es nicht, den Prozess der langsamen und schrittweisen Öffnung zu beeinflussen“, meint Carlos Fico, „wir schafften es nicht, direkte Präsidentschaftswahlen durchzusetzen. Die Öffnung wurde von den Militärs gesteuert. Das ist traurig und ein sehr umstrittenes Thema hier in Brasilien.“ Den Rest des Beitrags lesen »





Erneut Anti-Regierungsproteste in Brasilien

13 04 2015
SENDUNG: Ö1 Morgenjournal, Montag, 13. April 2015
Ö1 zum Nachhören

In Brasilien haben gestern erneut hunderttausende Menschen gegen Korruption und für ein Amtsenthebungsverfahren gegen die amtierende Präsidentin Dilma Rousseff demonstriert. Laut Polizeiangaben nahmen knapp 600.000 Menschen in 24 Bundesstaaten an den Protesten teil. Etwas weniger als bei den Demonstrationen vor einem Monat. Damals waren es 1,7 Millionen. Im Zentrum der Proteste steht ein Korruptionsskandal rund um den staatlichen Erdölkonzern Petrobras. Präsidentin Dilma Rousseff von der gemäßigt linken Arbeiterpartei war erst im Oktober 2014 mit hauchdünner Mehrheit wiedergewählt worden.

foto (c) Johannes Schmidt

Patriotismus und Erdöl

Brasilien-Flaggen werden geschwenkt, die Nationalhymne gesungen. Die Mehrheit der Demonstranten trägt auch diesmal wieder die Nationalfarben Gelb und Grün. In 218 brasilianischen Städten fanden Kundgebungen statt gegen die Mitte-Links-Präsidentin Dilma Rousseff. Allein in São Paulo nahmen rund 275.000 Menschen teil. Sie trugen ein gigantisches, zig-Meter langes Stoffbanner mit der Aufschrift „Impeachment“ – Amtsenthebung. Den Rest des Beitrags lesen »








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