Musica Nordestina (4) Manguebeat, Frevo und Maracatu Rural

22 01 2015
SENDUNG: Radiokolleg, Donnerstag, 22. Jänner 2015
 9:45 und 22:40 Uhr, Ö1
 7 Tage Ö1 zum Nachhören

Sonntag Nachmittag in Olinda. Das Nachbar-Städtchen von Recife, der Hauptstadt des nordostbrasilianischen Bundesstaates Pernambuco, wirkt mit seinen gut renovierten Kolonialgebäuden fast wie ein Freilichtmuseum. Am Aussichtspunkt Alto da Sé in Olinda trifft man sie unweigerlich: die Repentistas. Sie treten stets zu zweit auf, spielen auf 12-saitigen Steel-Gitarren und dichten mehr oder weniger spontan Ständchen für Touristen.

Foto (c) Sigrid Stroh, Ilse Koglbauer

Repente findet man fast überall im Nordosten: in Alagóas, Pernambúco, Paraíba, in Ceará. “Das kommt aus der Tradition der Troubadoure in Italien, Portugal, Spanien”, erklärt der Perkussionist Francisco Luna de Rocha, “hier in Brasilien ist es meist eine sprachliche Herausforderung. Die Repentistas erzählen eine Geschichte oder auch ein Gedicht, in vier, sechs, acht oder zwölf Zeilen. Dabei wird viel improvisiert.” Den Rest des Beitrags lesen »





Musica Nordestina (3) Forró: Lieder gegen das Heimweh

21 01 2015
SENDUNG: Radiokolleg, Mittwoch, 21. Jänner 2015
9:45 und 22:40 (WH) 
7 Tage Ö1 zum Nachhören

Das Veranstaltungslokal Clube dos Democráticos in Lapa, dem bekanntesten Ausgehviertel in Rio de Janeiro. Jeden Mittwoch steht hier Forró auf dem Programm, ein Rhythmus aus dem Nordosten des Landes. Auf der gut gefüllten Tanzfläche drehen sich jüngere und ältere Paare zur Live-Musik des bekannten Trio Nordestino: „Die Leute hier in Rio tanzen Forró so, als wäre es ein feiner Gesellschaftstanz“, meint Musiker Coroneto, „das erinnert stark an Samba Gafiera, sehr kompliziert mit vielen Drehungen und Figuren. Im Nordosten ist das ganz anders. Dort sind die Tanzflächen meist winzig klein und man tanzt ganz eng Körper an Körper. Ohne Figuren.“

(c) Trio Nordestino

Coroneto, alias Carlos Alberto dos Santos Santana, spielt die Bass-Trommel, die sogenannte Zabumba, beim Trio Nordestino. Die Band existiert bereits seit dem Jahr 1958 – wenn auch inzwischen nicht mehr in der legendären Originalbesetzung. Coroneto ist Enkelsohn des Bandgründers Coroné. Sänger und Triangel-Spieler Luiz Mario ist Sohn des ursprünglichen Akkordeonisten Lindú. Nein, der Vater habe ihn nicht zum Musizieren genötigt, erzählt Luiz Mario: „Ganz im Gegenteil. Den Rest des Beitrags lesen »





Musica Nordestina (2) Côco: Flöten für die Caboclos

20 01 2015
SENDUNG: Radiokolleg, Dienstag, 20. Jänner 2015
 9:45 und 22:40 (WH), Ö1
 7 Tage Ö1 zum Nachhören

„Vor einigen Jahren hatte ich einen Unfall. Ich traf dann meinen spirituellen Lehrer in der indigenen Gemeinde, wo ich meine religiösen Pflichten wahrnehme. Er sagte mir: Wenn du wieder heil werden willst, dann musst du eine Côco-Gruppe gründen.“ Nilton Junior ist Musiker aus Recife. Ursprünglich hatte er diverse Saiteninstrumente gelernt und Rockmusik mit regionalem Einschlag des Nordostens gemacht. Im Jahr 2000 gründete er die Côco-Formation „Pandeiro do Mestre“. Nilton Juniors Familie gehört zur indigenen Volksgruppe der Xucuru. Er selbst wuchs in der Stadt Recife auf. Jedoch besucht er immer wieder indigene Gemeinden, um deren spirituelle und kulturelle Traditionen zu studieren.

(c) Johannes Schmidt

Den Boden platt tanzen
„Ich wollte einen Côco machen, der den Einfluss meines Volkes trägt“, erklärt Nilton, „also machte ich einen indigen klingenden Côco. Ich nenne das Côco do Toré. Was mich als Musiker schon früher am meisten beeinflusst hat, das waren die Melodien des Toré, die indigenen Sänger. Toré ist eine indigene Religion, die sich stark mit Heilkunde beschäftigt. Diese verehrt den heiligen Baum Jurema. Den Rest des Beitrags lesen »





Musica Nordestina (1) Maracatu: Trommeln für die Orixás

19 01 2015
SENDUNG: Radiokolleg, Montag, 19. Jänner 2015, 
9:45 Uhr und 22:40 Uhr, Ö1 
7 Tage Ö1 zum Nachhören

Die katholische Kirche „Igreja do Pina“ in Recife, der Hauptstadt des nordostbrasilianischen Bundesstaates Pernambuco. Der katholische Priester segnet die anwesende Menschenmenge: die BesucherInnen, die TrommlerInnen, die Tänzerinnen. Neben ihm ein gekröntes Königspaar in Festkleidung: Es sind der König und die Königin der Maracatu-Nation Porto Rico: Königin Dona Elda Viana ist Mãe de Santo, Hohepriesterin der afrobrasilianischen Religion Candomblé.

(c) Johannes Schmidt

Jesus und die Orixás
Nach einem „Vater unser“ marschiert der Festzug, begleitet von etwa 100 Trommlern und Trommlerinnen, in die nahegelegene Favela do Pina, dem Sitz der Maracatu-Nation Porto Rico. Hier werden die afrobrasilianischen Götter, die Orixás, angerufen. Die vier ältesten Yalorixas der Favela, Priesterinnen des Candomblé, eröffnen offiziell die Noite do Dendê, die Nacht des Palmöls. Vor mittlerweile 100 Jahren wurde dieses Fest zum ersten Mal in einer Regionalzeitung erwähnt. Vor 7 Jahren wurde diese Tradition hier wiederbelebt, erzählt Trommler Davidson: „In unserem Terreiro haben wir beschlossen, die alte Tradition wieder aufleben zu lassen. Und dann haben wir die ganze Gemeinde von der Idee überzeugt. Für mich repräsentiert dieses Fest meine Kultur, meine Wurzeln, den Candomblé. Ich spiele bereits seit 14 Jahren in der Nation Porto Rico. Maracatu bedeutet für mich Energie, Schweiß und Freude.“
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Positivo Mozambique: AIDS-Auklärung zum Tanzen

21 11 2011

SENDUNG: Moment – Leben heute, Montag, 21. Novemer 2011, 14:40 Uhr, Ö1

„Es ist sehr idyllisch hier zu leben, mit Petroleumlampen und offenem Feuer. Inhambane ist ein toller Platz und da macht es nichts, wenn man keinen Strom hat“, sagt der Gitarrist Roland Pickl. Seit sechs Jahren lebt er in Mosambik, im südlichen Afrika. Die Freundschaft zum mosambikanischen Sänger und Perkussionisten Helio Vanimal hat ihn hierher verschlagen. Etwas außerhalb der kleinen Hafenstadt Inhambane hat er sich ein Grundstück gekauft und traditionelle Bambushütten hingebaut. Mit seiner Band namens Positivo Mozambique engagiert sich Roland Pickl aber auch in der lokalen AIDS-Prävention. Die Band macht Workshops in Schulen und singt in ihren Liedern über Kondome, über die Angst vor dem AIDS-Test und über das Leben mit HIV.

Warten auf den Strom

Zur Feier des Tages hat Roland Pickl den Dieselgenerator angeworfen. Ausnahmsweise gibt es heute elektrisches Licht. Etwas später wird dann Musik aus den riesigen Boxen dröhnen. Blues, Rock und Marabenta. Die Frauen kochen unter freiem Himmel Xima, den traditionellen mosambikanischen Maisbrei. Auf dem selbstgebastelten Griller bruzzelt eine Ziege. Einige mosambikanische Nachbarn und Freunde sind zu Besuch und auch ein paar westliche Ausländer der hiesigen Aussteiger-Community. Denn die verschlafene Kolonialstadt Inhambane und die nahegelegenen Palmenstrände haben schon so manchen Reisenden dauerhaft hier festgehalten. Den Rest des Beitrags lesen »





Hip Hop (4) Wien: Geschichten vom prekären Leben

9 06 2011

SENDUNG: Radiokolleg “Hip Hop und Empowerment. Sprechgesang, Spraydosen und Sozialrebellen (4)”, Donnerstag, 9. Juni 2011, 9:45 Uhr, Ö1

„Für mich war die Kombination aus Beats und vielen vielen Wörtern, die man da dazwischenknallen kann von Anfang an sehr verführerisch“, sagt die österreichische Hip Hopperin Mieze Medusa. Und auch Sozialarbeiter haben längst die Macht des Sprechgesangs entdeckt: in Brasilien, im Westjordanland und ebenso in Wien Favoriten. Im Vereinslokal von Back on stage 10, der mobilen Jugendarbeit im zehnten Wiener Gemeindebezirk haben jugendliche Rapper und Rapperinnen die Möglichkeit, ihre selbst geschriebenen Lieder aufzunehmen.

Mikrophon statt Drogen?

„Musik ist das, wo man Jugendliche dort abholt, wo sie stehen. In ihren Lebensbedingungen, in ihrem Umfeld“, erklärt Streetworker Andi Glaser, „das heißt, bevor sie in irgendwelchen düsteren Wohnungen abtauchen, wo sie mit irgendwelchen Substanzen in Kontakt kommen, können sie bei mir relativ unkompliziert Aufnahmezeit haben.“ Reccorner nennt sich das Projekt. Den Rest des Beitrags lesen »





Hip Hop (3) Palästina: Worte schleudern statt Steine

8 06 2011

SENDUNG: Radiokolleg “Hip Hop und Empowerment. Sprechgesang, Spraydosen und Sozialrebellen” (Teil 3), Mittwoch, 8. Juni 2011, 9:45 Uhr, Ö1

„Hip Hop ist der Stein in meiner Hand“ – Sprechgesang als Steinschleuder, das ist eine Metapher, die man immer wieder im Zusammenhang mit palästinensischem Hip Hop zu hören bekommt. Relativ spät, nämlich so gegen Ende der 1990er hat sich die Hip Hop-Kultur auch unter palästinensischen Jugendlichen verbreitet. Und der palästinensische Rap ist bis heute sehr politisch. Hauptthema: die israelische Besatzung.

Hip Hop als Steinschleuder

Ein brütendheißer Sommertag in Ostjerusalem – jenem Teil der Stadt, der mehrheitlich von Arabern bewohnt wird und um den bei Nahost-Verhandlungen heftigst gestritten wird. Die Palästinenser würden diesen Teil gerne zur Hauptstadt eines künftigen Palästinenserstaates machen, Israel will die Stadt nicht teilen. Nach einer kleinen Odyssee in einem klapprigen Autobus und leichten Verständigungsproblemen mit dem arabischen Fahrer, finden wir endlich das Lokal, wo wir verabredet sind. Die drei Rapper von DAM sitzen im Gastgarten des Lokals und rauchen eine traditionelle Wasserpfeife (Shisha). Den Rest des Beitrags lesen »








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