Femcamp: Ein Barcamp zu Netzkultur, Karriere und anderen Frauenthemen

18 03 2013

SENDUNG: Digital.leben, Montag, 18. März 2013, 16:55 Uhr, Ö1

Wenn technikverliebte Nerds und Geeks auf Konferenzen bzw. Barcamps  zusammentreffen, dann sind Frauen meist klar in der Minderheit. Vergangenen Samstag war es einmal umgekehrt: Eine Gruppe netzaffiner Frauen (@tschilp, @lenadoppel, @kigo, @sigi_maurer, @nichtkatharina) hatte zum ersten Wiener Femcamp geladen – einem Barcamp mit Frauenschwerpunkt. Im hypermodernen Headquarter der Firma Microsoft in Wien Meidling diskutierten an die hundert Frauen – und auch ein paar Männer – verschiedenste Themen rund um Feminismus, Netzkultur und Technik.

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Piratinnen, Nerdinnen, Geekinnen

Wie hält es die Piratenpartei jetzt eigentlich mit den Frauen? Wie kann ich mir legal im Netz Filme besorgen, die es in Österreich nicht als Download gibt? Werden die Postings von Frauen in sozialen Medien, wie Twitter, weniger wahrgenommen als die von Männern? Die Diskussionsthemen am Femcamp waren breit gestreut.

Ausgangspunkt für das Barcamp mit Frauenschwerpunkt war eine Twitterstudie, die vergangenes Jahr präsentiert wurde, erklärt Sigrid Maurer, eine der Mitorganisatorinnen des Wiener Femcamps: „Bei der Studie sind – oh Wunder – dieselben Ergebnisse herausgekommen, die man auch sonst in der Gesellschaft findet: Frauen sind auf Twitter weniger sichtbar.“ Und so wurde die Idee geboren, ein Barcamp zu veranstalten, auf dem sich Frauen vernetzen können, aber auch Dinge lernen. Zum Beispiel: Wie gehe ich mich Twitter um? Wie mache ich einen Blog? Wie können wir Sexismen und Diskriminierungen im Netz begegnen.

Watchblog gegen Sexismus
Antifeminismus und Alltagsseximus im Netz waren zentrale Themen beim Femcamp. Sigrid Maurer schlägt in diesem Zusammenhang einen Watchblog gegen Sexismus vor. Vorbild dafür ist der Medienwatchblog KOBUK. Dort stellen UserInnen die Fehler von JournalistInnen bloß: falsche Zahlen, manipulierte Bilder, rassistische Untergriffe. So etwas sollte es auch für Frauenfeindlichkeit im Netz geben, sagt Maurer: „Ich denke da an ein Moderationssystem, bei dem viele Menschen mitschreiben können. Die Idee dahinter ist: eine Plattform zu haben, wo alltäglicher Sexismus – sei es in der Werbung, in den Nachrichten oder in sozialen Medien – aufgegriffen wird.“

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Männer mit an Bord
Veranstaltungen mit Frauenschwerpunkt sind traditionellerweise häufig „women only“. Am Femcamp sind auch Männer willkommen. „Ich persönlich hätte kein Problem damit gehabt, das Barcamp nur für Frauen zu machen“, meint Sigrid Maurer, „das entspricht aber nicht der Idee eines Barcamps. Daher ist es offen für alle.“ Grundsätzlich hält sie es für wichtig, dass sich auch Männer in die Debatte einbringen, „die Frage ist nur: wie.“ In manchen Diskussionen können die Emotionen auch hochgehen, etwa, wenn männliche Referenten Daten zur Gehaltsschere irgendwie anders interpretieren. (siehe Video unten)

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Frauen, bildet Banden!
Ein weiterer Themenschwerpunkt: Frauen und Karriere. In der Digital-Branche, sprich: bei Werbeagenturen, IT-Firmen und im Online-Journalismus sind mittlerweile sehr viele Frauen beschäftigt. Nur: nicht so häufig in Führungspositionen. Oft mangelt es am Selbstbewusstsein, glaubt die Social Media Beraterin Gudrun Schweighofer: „Wenn Frauen eine Job-Description lesen, denken sie sich häufig: Nein, dieser eine Punkt, den kann ich nicht. Darum bewerbe ich mich erst gar nicht. Inzwischen haben sich zehn männliche Kollegen schon längst beworben.“

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Doch Sitzen und Jammern ist zu wenig. Darum hat Gudrun Schweighofer gemeinsam mit acht weiteren Frauen das Netzwerk „Digitalista – Connecting Digital Women“ ins Leben gerufen. Erklärtes Ziel: die berufliche und persönliche Weiterentwicklung von Frauen in der Digital-Branche zu fördern. Im Februar wurde das Netzwerk der Öffentlichkeit präsentiert. „Es geht darum, dass man sich vernetzt, andere Frauen kennenlernt, von denen man etwas lernt, um dann selbstbewusst Chefin zu werden.“

Die künftigen Pläne von Digitalista: ein Frauenstammtisch, Workshops zur beruflichen Weiterbildung und ein Mentoringprogramm: dort sollen erfolgreiche Business-Frauen jüngeren Kolleginnen als Mentorinnen karrieretechnisch unter die Arme greifen.

Was Gudrun Schweighofer ein wenig mühsam findet: Frauennetzwerke müssten sich ständig rechtfertigen, warum sie existieren: „Ich glaube nicht, dass sich eine klassische Männerseilschaft so oft rechtfertigen muss, wie wenn sich ein paar Frauen zusammen tun.“ Dass sich Frauen dort am Femcamp zusammengetan haben, empfanden offenbar auch ein paar männliche Internet-Trolle als große Provokation. Ihr Missfallen brachten sie durch infantile Spam-Attacken auf die Website des FemCamp zum Ausdruck.

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Video 1:
Diskussionen zur Gehaltsschere (mit Roland Giersig, Sigi Maurer u.a.)

Video 2:
Meral Akin-Hecke „Wer bloggt in Österreich, Tipps für Frauen“

Weitere Session-Videos: HIER

MEHR zum Thema:

Sexismus im Netz – Raue Sitten am virtuellen Stammtisch

Cyborgs, Cyberfeminists und Geek Girls – Wie männlich ist die Netzkultur?

Mein Chef ist eine Frau – Erfahrungsberichte über die weibliche Seite der Macht

Gruppenbild mit Dame: Frauen in der IKT

Work in progress: Wenn Bürger gleicher sind als Bürgerinnen

ö1

Online Petition für eine leistungsgerechte Bezahlen der Freien im ORF.

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One response

19 03 2013
Franziska

Frauenseilschaften kommen insbesondere dann unter Rechtfertigungsdruck, wenn sie ausdrücklich nur diesem einen Zwecke dienen sollen. Männerseilschaften hingegen sind regelmäßig gesellschaftlich anders integriert, soziale Zwecke, Information, Sport oder Politik stehen oben auf der Agenda der jeweiligen Vereinigung. Das ist weniger angreifbar. Und ganz ehrlich, aus eigener Erfahrung: Netzwerken ist erfolgreicher und macht auch mehr Spaß, wenn es nicht bloß zum Selbstzweck ausgeübt wird, sondern schöner Nebeneffekt ist.

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