Mídia Ninjas: Brasiliens Guerilla-Reporter

4 06 2014
SENDUNG: Digital.leben, Mittwoch, 4. Juni 2014, 16:55, Ö1
7 Tage Ö1 zum Nachhören

Als vergangenen Juni in Brasilien die Massen auf die Straßen gingen, um gegen die absurden Ausgaben der Fußball WM zu demonstrierten, tauchte in den Reihen der Demonstranten plötzlich eine Gruppe von Medienaktivisten auf. Sie nennen sich „Midia Ninja“ und ihr Ziel ist es, jene Dinge öffentlich zu machen, die die großen brasilianischen Medienkonzerne nicht zeigen: Polizeigewalt gegen Demonstranten, Proteste in Favelas, gewaltsames Räumen von Landbesetzungen. Die Midia Ninjas filmen mit ihren Handys und verbreiten die Inhalte via Social Media.

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Ein Reporter berichtet über seine eigene Festnahme

„Polizei, lass den Ninja frei“, skandieren Demonstranten vor dem Polizeiwagen. Ein Medienaktivist der Gruppe Mídia Ninjas ist festgenommen worden. Während einer Demonstration in Rio de Janeiro hat er Szenen von Polizeigewalt gefilmt. Er lässt seine Handykamera weiterlaufen. Die Festnahme wird live im Internet-Kanal der Midia Ninjas übertragen: „7.500 Personen schauten live im Internet zu, als er ins Polizeiauto verfrachtet wurde. Schließlich zogen 3.000-4.000 Menschen zur Polizeistation und forderten lautstark seine Freilassung“, erzählt Felipe Altenfelder. Den Rest des Beitrags lesen »





Wie soll das Internet regiert werden?

3 05 2014
SENDUNG: Matrix - Computer und Neue Medien, 
Sonntag, 4. Mai 2014, 22:30, Ö1 / 7 Tage Ö1 zum Nachhören
Digital.leben, Dienstag, 29. April 2014, 16:55 Uhr, Ö1 
7 Tage Ö1 zum Nachhören

Kaum ein Staatsoberhaupt hat so lautstark Kritik geübt an der Massenüberwachung durch den US-Geheimdienst NSA wie die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff. In einer Rede vor den Vereinten Nationen hat sie vergangenen Herbst eine Regulierung des Internet gefordert, damit Privatsphäre und Bürgerrechte aller Menschen im Netz geschützt werden. Brasilien hat bereits vorgezeigt, wie das gehen könnte und selbst ein solches Gesetz – den sogenannten Marco Civil da Internet – verabschiedet. Vergangene Woche trafen sich knapp 1.500 internationale Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in Sao Paulo. Auf der NETmundial-Konferenz diskutierten sie über die Zukunft der Internet Governance: Wie Staaten Menschenrechte im Netz verankern sollten und wie das Internet selbst künftig verwaltet werden sollte. Denn die USA , die bisher die Oberhoheit über die Vergabe von Internetadressen hatten, kündigten vor kurzem an, diese Funktion abgeben zu wollen.

(c) netmundial

Blumige Worte

Als erstes Land der Welt verabschiedet Brasilien ein Gesetz, dass Bürgerrechte im Netz garantieren soll. Medienwirksam unterschreibt Präsidentin Dilma Rousseff dieses Gesetz – den sogenannte Marco Civil – während der Eröffnungszeremonie der Netmundial-Konferenz. Sie wünscht sich eine solche Internetverfassung für die ganze Welt: „Das Internet, das wir wollen, muss die Menschenrechte achten. Insbesondere den Schutz der Privatsphäre und die Meinungsfreiheit. Ich habe vorgeschlagen, eine Diskussion über einen weltweiten Marco Civil zu starten – darüber, wie das Internet regiert werden soll und wie man Daten im Netz schützen kann.“ Den Rest des Beitrags lesen »





Topothek.at – der Bürger als Archivar

11 11 2013
SENDUNG: Digital.leben, Montag, 11. November 2013
16:55 Uhr, Ö1 

12.000 Urkunden, 90.000 Kartons mit Akten und etwa acht Kilometer Regale mit Amtsbüchern sind im Niederösterreichischen Landesarchiv aufbewahrt, das heuer seinen 150. Geburtstag feiert. Vergangenen Freitag lud das Landesarchiv zum vierten Niederösterreichischen Archivtag. Den Eröffnungsvortrag auf der Tagung hielt dort jedoch nicht ein renommierter Archivar, sondern der Unternehmer und Industriedesigner Alexander Schatek. Er hat als Privatperson ein Projekt gestartet, wo Lokalhistorisches mit Hilfe von Crowdsourcing zusammengetragen wird: Topothek.at ist eine Sammlung lokaler Online-Archive, die Fotos und andere Erinnerungsstücke der Bewohner zeigen.

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Vom Wurstelprater zum Semmering

Das Café Groiss in der Waldviertler Gemeinde Albrechtsberg im Jahr 1928, die Buben vom Rennhofer Bauern in Breitenstein am Semmering vor dem Ochsengespann, 1934. Fotos von der Geisterbahn im Wiener Wurstelprater aus dem Jahr 1960 – das alles ist jetzt in einer Topothek verewigt, in einem lokalen Gemeindearchiv im Netz. Ursprünglich wollte Alexander Schatek einfach nur sein privat angesammeltes Material irgendwie verwalten. Bis zum seinem 10. Lebensjahr hatte er beim Wiener Prater gewohnt und weil dieser Ort für ihn bis heute eine besondere Faszination ausübt, hat er historische Bilder und Dokumente des Praters gesammelt. „Und da hat sich die Frage gestellt: Wie finde ich das ganze Material in meinen Schachteln und Verzeichnissen wieder?“, erzählt Schatek, „und da hat sich die Elektronik angeboten.“ Den Rest des Beitrags lesen »





Krautreporter.de – Crowdfunding für Qualitätsjournalismus

16 10 2013
SENDUNG: Digital.leben, Mittwoch, 9. Oktober 2013, 
16:55 Uhr, Ö1 

Der Qualitätsjournalismus steckt in der Krise. Redaktionen werden in vielen Medienunternehmen zu Tode gespart und haben nicht mehr genügend Personal, um aufwändige Recherchen zu finanzieren. Darüber nur zu jammern, das sei zu wenig, sagte sich der deutsche Medienjournalist Sebastian Esser. Daher hat er Anfang des Jahres eine Crowdfunding-Plattform für Qualitätsjournalismus ins Leben gerufen. Leser, Hörer und Seher spenden für Rechercheprojekte, die ihnen wichtig erscheinen: Krautreporter.de nennt sich die Seite.

bild (c) Christa-Nöhren_pixelio.de

Leser anbetteln?

„Kopf oder Zahl“ – eine Webdoku über junge Europäer in der Wirtschaftskrise, „Jung und naiv“ – ein Polit-Talk-Format für politisch Desinteressierte, „Follow the money“ – über den illegalen Handel mit Elektroschrott. All diese Medienprojekte haben via Krautreporter die benötigte Finanzierung zusammenbekommen – zwischen 4.000 und 7.000 Euro. Theoretische dürfte jeder bei Krautreporter um Finanzierung bitten. „In Wirklichkeit ist es so, dass es sich in erster Linie an freie Journalisten richtet“, erklärt Gründer Sebastian Esser. Denn die etablierten Medien hätten noch Berührungsängste. Nicht, dass diese nicht auch mehr Geld nötig hätten. Schließlich werden viele Rechercheprojekte heute nicht mehr durchgeführt, weil eben kein Geld vorhanden ist: „Aber die tun sich noch schwerer, sich vom traditionellen Denken zu lösen. Sie sagen: wir wollen nicht unsere Leser anbetteln.“ Den Rest des Beitrags lesen »





Der Tod im Internet

26 09 2013
SENDUNG: Digital.leben, Donnerstag, 26. September 2013,
 16:55 Uhr, Ö1

Vielleicht haben wir uns schon einmal Gedanken gemacht, wem wir das Haus vererben, wer das Münzalbum bekommen soll und wer das Lilienporzellan. Aber wer hat sich schon je überlegt, was nach seinem Ableben mit seinem Blog passieren soll? Mit dem Facebook-Account, den Bildern und anderen Daten im Netz? Nur wenige denken darüber auch. Auch viele Anbieter von Webdiensten nicht. Sollten sie aber, meint die deutsche Konsumentenschützerin Michaela Zinke. Sie war Mitte September zu Gast in Wien beim Kongress zu Daten, Netz und Politik in Wien, organisiert vom Datenschutzportal unwatched.org und hat dort über den Tod im Internet gesprochen.

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Facebook-Nachrichten aus dem Jenseits

Alfred hat heute Geburtstag, sagt Facebook, schreib etwas an seine Pinnwand. Das Blut gefriert uns in den Adern. Denn Alfred ist vor drei Monaten bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen. Um Hinterbliebenen derartige Schock-Erlebnisse zu ersparen, hat Facebook mittlerweile den sogenannten „Gedenkzustand“ für Profile eingeführt. „Das bedeutet, der Account ist nicht mehr aktiv“, erklärt Konsumentschützerin Michaela Zinke, „man kann immer noch die Bilder anschauen und die letzten Postings des Verstorbenen lesen. Aber es werden von diesem Profil keine automatischen Nachrichten und Erinnerungen mehr verschickt.“ Den Rest des Beitrags lesen »





Wahlkämpfen in der Cyberwelt. Oder: Was wir von Obama lieber nicht lernen sollten

16 09 2013
SENDUNG: Digital.leben, Montag, 16. September 2013, 
16:55 Uhr, Ö1

Es tobt der Wahlkampf: im Fernsehen, im Radio, auf Plakaten, auf der Straße. Und diesmal auch: im Internet. Österreichs Parteien haben die sozialen Medien entdeckt. Mit welchen Strategien sie sich dort bewegen, das beobachtet der Kommunikationsberater Yussi Pick. Er ist Autor des Buchs „Das Echoprinzip – Wie Onlinekommunikation Politik verändert“ und hat in den USA an politischen Kampagnen mitgearbeitet. Im Wahlkampfteam von Präsident Obama hat er einen Eindruck bekommen, wie mächtig die neuen Medien tatsächlich sein können. Mitte September war Yussi Pick zu Gast am Kongress „Daten, Netz und Politik“ in Wien, veranstaltet vom Datenschutzportal unwatched.org.

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Kritische Journalisten ausgebremst

Die einen vertreiben ein Anti-Korruptionsspiel als Handy-App, die anderen sammeln im Netz Geschichten ihrer Wahlhelfer, die dritten betreiben ihr eigenes Polit-Magazin auf Youtube. Österreichs Parteien haben Neuland betreten: Sie wahlkämpfen auch in der Cyberwelt. Nur wenige Parteien hätten jedoch von Anfang an die Online-Komponenten in ihre Gesamtstrategie eingebunden, sagt Yussi Pick: „Aber jede Partei hat mittlerweile ein bis zwei Initiativen, die sie schon ganz gut machen.“ Den Rest des Beitrags lesen »





Männer, die auf Cyberflieger starren

11 09 2013
SENDUNG: Digital.leben, Mittwoch, 11. September 2013, 
16:55 Uhr, Ö1

„Wenn ich groß bin, werd ich Pilot“. Diesen Bubentraum kann sich mittlerweile jeder erfüllen- zumindest virtuell. Flugsimulatoren in unterschiedlicher Qualität gibt es ja seit vielen Jahren. Inzwischen können Flugzeugbegeisterte den internationalen Flugverkehr aber auch online – gemeinsam mit anderen – spielen. Piloten steuern ihre virtuellen Flieger auf bestimmte Städte zu. An den virtuellen Flughäfen sitzen andere Spieler, die Lande- und Starterlaubnis erteilen. VATSIM nennt sich ein weltweites Flugsimulatoren-Netzwerk mit etwa 250.000 Mitgliedern. Die österreichische Sektion (VACC) trifft sich jeden Mittwochabend im Netz zum gemeinsamen Flughafenspielen.

(c) VACC Austria

Der Weekly Wednesday

Mittwochabend, 20 Uhr in einem großen Bürogebäude in Wien. Zwei Männer sitzen konzentriert vor ihren Computerbildschirmen. „Here Austrian Airlines Seven-Five-One“ ertönt es aus dem krachenden Lautsprecher. Die Stimme mit britischem Akzent bittet um Starterlaubnis. „Servus“, begrüßt Claus Faber die Stimme am anderen Ende und erteilt sie ihm – selbstverständlich mit dem korrekten Flughafen-Fachsprech. Claus Faber ist heute Fluglotse am virtuellen Flughafen Wien. Der virtuelle Pilot aus dem Lautsprecher macht sich jetzt auf den Weg zum virtuellen Flughafen Heathrow. Den Rest des Beitrags lesen »