Schlagwerk, Hip Hop, Samba Reggae

3 07 2010

SENDUNG: Radiokolleg, Montag, 28. Juni 2010 – Donnerstag, 1. Juli 2010, jeweils 9:45 und 22:40, Ö1

In den brasilianischen Hafenstädten Salvador de Bahia, Recife und Sao Luis de Maranhao befanden sich einst große Sklavenmärkte. Bis heute gibt es in diesen Städten einen hohen Anteil an afrobrasilianischer Bevölkerung, die bis heute stark diskriminiert wird. Doch die Schwarzen Brasiliens haben immer wieder eigene kulturelle Ausdrucksformen entwickelt, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken.

Noch zu Zeiten der Sklaverei entwickelten afrikanische Sklaven eine eigene Kampftechnik: Capoeira. Da sie diese als Tanz tarnten, spielte Musik stets eine ganz besondere Rolle. Heute wird Capoeira häufig im Rahmen von Sozialprojekten eingesetzt, wo es darum geht, Jugendlichen aus den Armenvierteln eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu bieten.

In den frühen 1980ern, in der Endphase der brasilianischen Militärdiktatur, wurden diverse Protestbewegungen stark. Aus der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in Salvador de Bahia entwickelte sich damals ein neuer Rhythmus: der Samba-Reggae. Etwa 1.500 Kilometer nordwestlich, in Sao Luis de Maranhao wiederum, kam direkt aus Jamaika der Roots-Reggae in die dortigen Armenviertel. In den 1990ern entsteht in den Peripherien der großen Städte Brasiliens die Hip-Hop-Bewegung. Mit Sprechgesang und Spraydosen kritisieren Jugendliche die sozialen Ungleichheiten im Land.

Teil 1: Samba Reggae aus Salvador da Bahía

Teil 2: Hip Hip aus Salvador da Bahía und Recife

Teil 3: Capoeira

Teil 4: Reggae aus Sao Luis de Maranhão

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Das Jamaika Brasiliens

28 06 2010

Sao Luis de Maranhao, an der Nordküste Brasiliens, ist ein Geheimtipp. Hier treffen indigene, afrikanische und europäische Kulturen aufeinander und schaffen eine Vielzahl an Musikstilen. Zudem ist Sao Luis die brasilianische Hauptstadt des Reggae.


Insidern gilt Sao Luis de Maranhao, an der Nordküste Brasiliens, als eine der Musikhauptstädte Brasiliens. Noch ist die Stadt ein Geheimtipp, in die nur wenige ausländische Touristen und Touristinnen hinkommen. Sao Luis ist Hauptstadt des Bundesstaates Maranhao, hat knapp eine Million Einwohner und ist ein Schmelztiegel, in dem europäische, afrikanische und indigene Kultur aufeinander treffen. Den Rest des Beitrags lesen »





Samba Reggae in Salvador da Bahía

4 04 2010

So ganz unkompliziert ist es ja nicht, in Brasilien Interviewtermine zu organisieren. Zumindest nicht für MitteleuropäerInnen ohne eigenes Telefon und Internet. Man schreibt E-Mails, bekommt keine Antwort. Man klopft an Türen, bekommt (oft falsche) E-Mail Adressen oder Telefonnummern in die Hand gedrückt. Man ruft an – nachdem man endlich einen funktionierenden Münzfernsprecher gefunden hat: die Person ist nicht da. Man möge doch später anrufen. Man ruft später an: die Person ist schon wieder weg.

Aber mit genügend Beharrlichkeit klappt es dann doch. Irgendwann hat man den Chef persönlich dran und plötzlich wird alles ganz unkompliziert: Na kommts halt in zwei Stunden vorbei…

Und so konnten wir uns letztens an einem Tag gleich mit zwei Größen des Samba Reggae unterhalten: João Jorge, dem Präsidenten von Olodum und Viviam Queiros, Direktorin von Didá.

Im Wartezimmer von Olodum
Das Haus von Olodum liegt im historischen Stadtzentrum von Salvador de Bahia, dem sogenannten Pelourinho. Und wenn man in die Büroräumlichkeiten kommt, merkt man sofort: hier ist man nicht zu Gast bei Musikern, sondern bei politischen Aktivisten.
Wir haben dann schließlich 1,5 Stunden Zeit, die Bilder an den Wänden zu studieren. João Jorge ist nämlich eine spontane Besprechung dazwischen gekommen. Er lässt uns bitten, zu warten. Und so beschäftigen wir uns eben mit Nelson Mandela, Steve Biko und Marcus Garvey. Und auch mit den zahlreichen goldenen Schallplatten, die da hängen.

Nie im Leben würde es mir in Österreich einfallen, 1,5 Stunden auf einen Interviewpartner zu warten. Aber hier scheint die Zeit ohnehin still zu stehen. Es hat 40 Grad im Schatten. Man starrt in die Luft, verfällt in einen tiefen meditativen Zustand und plötzlich ist es ganz viel später und plötzlich steht João Jorge vor uns: ein stattlicher Herr mit Rastazöpfen und grau meliertem Bart. Hoch gebildet. Ein Aktivist des Movimento Negro der ersten Stunde. Als Johannes den Fotoapparat auspackt, wird sofort der Haargummi entfernt und werden die Rastas fotogerecht in Szene gesetzt.

Foto: Johannes Schmidt

Ein Rhythmus für Menschenwürde
„Für uns ist Samba Reggae ein Weg, um gegen Unterdrückung und für Gleichheit und Menschenwürde zu kämpfen“, erklärt er uns. Der Samba Reggae entstand in den frühen 1980ern. Damals befand sich die brasilianische Militärdiktatur in ihrer Endphase und diverse soziale Bewegungen wurden stark: die Bewegung der Landlosen, die Frauenbewegung und das Movimento Negro, die Bewegung der Schwarzen. Den Rest des Beitrags lesen »





Carlinhos Brown: Der „Held“ von Candeal

15 03 2010

Das Armenviertel Candeal in der nordostbrasilianischen Stadt Salvador da Bahia hat einen berühmten Sohn: den Musiker Carlinhos Brown. Dieser fördert dort seit mehr als zehn Jahren Sozialprojekte um die Lebensumstände im Viertel zu verbessern.


„Für die Menschen hier in Candeal ist Carlinhos Brown so etwas wie ein Prinz“, erzählt uns die Sozialarbeiterin und Philosophin Tatiana de Macedo, „gut, bescheiden und hilfsbereit sind die Eigenschaftswörter, die man am öftesten zu hören bekommt, wenn man hier mit den Leuten über ihn spricht.“ Den Rest des Beitrags lesen »