Fußball und Völkerverbindung

25 06 2014

Brief an den FALTER 3: Nr. 26/14

(c) Johannes Schmidt

Letzte Woche war ich ausnahmsweise IM Fußballstadion. Live musste ich die Niederlage Spaniens mitansehen. Der kurze Moment der Bitterkeit war bald vorbei, angesichts der ansteckenden Freude der Chilenen. „Chi-chi-chi, Le-le-le“ überall. Vor dem Stadion haben sie sich freudig mit spanischen und anderen ausländischen Fans fotografiert. Freundschaftlich, ohne Häme. Fußball ist doch völkerverbindend, dachte ich mir. Was meinen Optimismus trübt, sind homophobe und rassistische Sprechchöre in den Stadien. „Diego, du Schwuchtel“, erschallte es, weil viele dem gebürtigen Brasilianer Diego Costa nicht verzeihen, dass er jetzt einen spanischen Pass hat. Rio bemüht sich: In Fanzonen werden Sticker verteilt „Diskriminierung ist ein Eigentor“. Beim Brasilien-Mexiko-Spiel hat die Polizei zwei Argentinier verhaftet, weil sie Brasilianer rassistisch beschimpft hatten. Eh gut, wenn Diskriminierer bestraft werden. Blöd, dass es nur passiert, wenn die zufällig aus dem Land des Erzfeindes Argentinien kommen.


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