Brasilien: Die WM und das Geschäft mit Sex

22 06 2014
SENDUNG: Ö1 Morgenjournal, Samstag, 21. Juni 2014 
Ö1 zum Nachhören

Kinderschutzorganisationen warnen schon seit längerem vor einer Zunahme der sexuellen Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen während der Fußball WM in Brasilien. Schätzungsweise 600.000 ausländische Touristen sowie 3 Millionen Brasilianer reisen während der Weltmeisterschaft in Brasilien herum. Das erhöht die Nachfrage nach dem Geschäft mit Sex. Medienberichten zufolge sollen Zuhälter in den WM-Austragungsstädten schon seit Monaten gezielt minderjährige Mädchen und Burschen aus den Armenvierteln sowie dem Landesinneren anwerben. Regierung und NGOs haben Aufklärungskampagnen gegen Sextourismus mit Minderjährigen gestartet.

(c) ullae

„Wegen der WM hingeschaut“

Abends an der Copacabana in Rio de Janeiro: Das letzte Match des Tages ist vorbei, ausländische und brasilianische Fans stürzen sich ins Nachtleben, Alkohol fließt in Strömen. Am Eröffnungstag der WM schloss die Polizei hier an der Copacabana, ganz in der Nähe vom „Fifa FanFest“, ein Hotel sowie eine Bar: In den beiden Lokalen seien minderjährige Mädchen als Sexarbeiterinnen tätig gewesen, erklärt Sento-Se, Leiterin von „ECPAT Brasilien“. Die internationale NGO-Plattform widmet sich dem Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen.

„Da hat die Polizei wegen der WM hingeschaut“, meint Tiana Sento-Se. Denn Anrainer hätten sich schon oft über diese Etablissements beschwert. Dass die Polizei ausgerechnet jetzt zugegriffen habe, sei kein Zufall. Die Aufmerksamkeit der Polizei sei im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft gestiegen, meint Sento-Se, denn jetzt seien alle Augen auf Brasilien gerichtet. Was aber nicht gestiegen sei, seien die finanziellen und personellen Ressourcen, die die Polizei für die Bekämpfung von Kinderprostitution zur Verfügung hat, kritisiert die Kinderrechtsaktivistin: Viel Geld sei geflossen in die Bekämpfung von Terrorismus und Demonstrationen während der WM, aber nicht für das steigende Problem der sexuellen Ausbeutung von Kindern. Da überlasse man vieles den NGOs.

Warten auf den Traumprinzen
Auch in Sao Paulo hat die Polizei im vergangenen Jahr immer wieder Fälle von Kinderprostitution in der Nähe des Fußballstadions Itaquerão entdeckt. In der WM-Stadt Cuiabá wird gegen einen Zuhälterring ermittelt, der Minderjährigen umgerechnet 4.000 Euro für Sexarbeit während des WM-Monats geboten haben soll. Im ärmlichen Nordosten würden Teenager aus dem Landesinneren auch auf eigene Faust in die WM-Städte fahren, um Geld mit Touristen zu verdienen, erzählt Tiana Sento-Se: Manche Mädchen würden auch auf den Traumprinzen hoffen, der sie mit nach Europa nimmt.

Kurz vor der WM hat Brasilien das Gesetz gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen verschärft. Wegen Pädophilie vorbestraften Menschen wird die Einreise verweigert. Für Hotelpersonal wurden spezielle Schulungen organisiert, um die Angestellten auf das Thema zu sensibilisieren. Auf den Flughäfen der WM-Austragungsstädte werden Aufklärungsbroschüren verteilt. „Schau nicht weg!“, lautet das Motto. Bereits vor zwei Jahren hat ECPAT Europa ein Internetportal eingerichtet: Auf http://www.reportchildsextourism.eu/ können europäische Touristen melden, wenn sie irgendwo im Ausland Fälle beobachtet haben. Denn Sextouristen, die Minderjährige missbrauchen, können auch im Herkunftsland verfolgt werden.


Aktionen

Information

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: