Fan-Meile Alzirão: So feiert Rio

13 06 2014
SENDUNG: Ö1 Mittagsjournal, Freitag, 13. Juni 2014 
Ö1 zum Nachhören

Auch am gestrigen ersten Tag der Fußball-Weltmeisterschaft demonstrierten die Brasilianer in mehreren Städten gegen die WM. Doch die Menschen trafen vor allem an allen möglichen Plätzen zusammen, um gemeinsam mit ihrer Mannschaft mitzufiebern. An der bekanntesten inoffiziellen Fan-Meile, der Alzirão in Rio, finden seit Jahrzehnten Public Viewings statt, so auch gestern zur WM-Eröffnung.

foto (c) johannes schmidt

Musik, Bier und Grill

30.000 Fußballbegeisterte kommen am Nachmittag in der inoffiziellen Fan-Meile Alzirão zusammen. Diese liegt im nördlichen Stadtteil Tijuca, etwa zwei Kilometer vom Fußballstadion Maracanã entfernt. Die Straße ist bunt geschmückt, überall wehen gelbe und grüne Plastikbändchen im Wind. Der Großteil der Besucher und Besucherinnen ist in Brasilien-Farben gekleidet, gefühlt die Hälfte hat die Nummer 10 am Rücken, die Nummer des brasilianischen Superstars Neymar.

Die Fanmeile Alzirão entstand vor 36 Jahren aus einer Privatinitiative heraus, erinnert sich ein älterer Anrainer: „Es begann alles an genau dieser Ecke hier. Da stellten sie einen Tisch mit Fernseher hin. Und heute ist das ein Mega-Event.“ Im Jahr 1978 wurde die Fußball-WM in Argentinien ausgetragen. Eine Gruppe von Nachbarn wollte sich das Spiel gemeinsam anschauen, hier an der Ecke der Straße Alzira Brandão. Einige hatten Instrumente dabei und musizierten danach gemeinsam. Immer mehr Nachbarn gesellten sich dazu.

Mittlerweile ist die Straße Alzira Brandão – bekannt unter der Abkürzung Alzirão – eine Institution in Rio de Janeiro. Hier schauen sich alle vier Jahre zigtausende Menschen die WM-Spiele von Brasilien an. Hier teilen sie Freud und Leid. Inzwischen hat sich längst ein Verein gegründet, der die Veranstaltung organisiert. Es herrscht Volksfeststimmung, mit Live-Musik, Bier und Grillspießen. Sie kommen immer hierher, bei jeder Weltmeisterschaft, erzählt ein Ehepaar, denn in der Fan-Meile Alzirao fänden sich alle zusammen: Prominente und einfache Leute.

Rassismus und ein Eigentor
Einige Fußballfans hier tragen Sticker auf dem T-Shirt mit der Aufschrift „Rassismus ist ein Eigentor“. Auch brasilianische Fußballspieler würden manchmal Opfer von Rassismus, sagt eine junge Frau. Zum Beispiel der brasilianische Fußballer Toni Alves. Er spielt beim spanischen Verein FC Barcelona und wurde im April am Spielfeld mit einer Banane beworfen. Der Brasilianer blieb gelassen, nahm die Banane, biss hinein und spielte weiter. Aus Solidarität mit Alves und als Protest gegen die rassistische Aktion veröffentlichten damals mehrere brasilianische Fußballspieler Fotos von sich selbst in sozialen Medien beim Banane-Essen. Unter anderem Teamkollege Neymar.

Fußball könne Menschen verbinden, meint eine andere junge Frau, die ebenfalls den Anti-Rassismus-Sticker trägt. Im Stadion spiele Hautfarbe keine Rolle, denn alle würden für dieselbe Sache fiebern.

Beim 1:0 für Kroatien durch das Eigentor des brasilianischen Spielers Marcelo herrscht kurz kollektive Schockstarre im Publikum. Selbst am Himmel ziehen kurz danach dunkle Wolken auf. Nach Ausgleich- und Führungstreffer der Seleção ist die Welt wieder in Ordnung und einige Fans lassen Bier auf die Köpfe der anderen regnen. Danach wird ausgiebig weiter gefeiert.

 


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