Der Batman von Rio

2 06 2014

Seit Juni 2013 demonstrieren in Brasiliens Städten immer wieder Menschen gegen die Fußball WM und fordern Verbesserungen im Bereich von Bildung und Gesundheitsversorgung. An der Spitze der Demos in Rio de Janeiro taucht häufig eine schillernde Figur auf: Batman, der Superheld im Fledermauskostüm. Er ist mittlerweile zur Ikone der Protestbewegung geworden – und zum Liebling der brasilianischen Medien.

(c) Johannes Schmidt

Superheldensyndrom?

Die Muskelpakete sind nur aufgemalt auf seinem grauen Baumwollanzug und doch ist er für viele Menschen in Rio de Janeiro ein echter Superheld: Er unterstützt Bewohner der Favela Metro-Mangueira in ihrem Kampf gegen Zwangsräumung und Zerstörung ihrer Häuser. Er demonstriert gegen Fahrpreiserhöhungen und marschiert Seite an Seite mit streikenden Lehrern. „Batman ist ein Symbol für Gerechtigkeit, ein Symbol für den Kampf gegen das System und gegen Korruption“, erklärt er, „deshalb hab ich dieses Kostüm gewählt. Natürlich ist es auch eine Strategie, um Aufmerksamkeit zu erregen, damit ich meine Botschaften verbreiten kann.“ Die Rechnung geht auf. Batman ist stets umringt von Kameras, empfängt Fernsehteams bei sich zuhause und lässt sich beim Schminken filmen. Die Zeitung Folha de Sao Paulo unterstellt ihm ein „Superheldensyndrom“. Im bürgerlichen Leben heißt der Batman von Rio übrigens Eron Morais de Melo, ist 32 und Zahntechniker.

(c) Johannes Schmidt

Helden, Bösewichte und Banditen
Die Welt habe ein falsches Bild von Brasilien, meint Eron: „Wir sind nicht nur das Land des Fußball, des Samba und des Karnevals. Wir sind auch das Land der Korruption. Es kann nicht sein, dass Brasilien Milliarden für die Fußball WM ausgibt, während es den Menschen an Gesundheitsversorgung und Bildung mangelt.“ Als er eine Zeitlang Demo-Pause machte, tauchten in den Kundgebungen bereits Schilder auf „Wo ist Batman?“. Einmal wurde er bereits verhaftet – wegen Verstoß gegen das Vermummungsverbot, mehrfach hat er Tränengas und Pfefferspray abbekommen.

„Die Regierung veröffentlicht schöne Wirtschaftsdaten, aber unsere Lebensrealität schaut anders aus“, ärgert er sich, „wir nutzen den Moment der Fußball WM, um Gesicht zu zeigen. Aber wir kritisieren nicht die WM an sich, wir kritisieren die brasilianische Regierung.“ Immer wieder nehmen Helden und sogar Bösewichte an den Demonstrationen in Rio de Janeiro gegen die Fußball WM teil: Piratenkapitän Jack Sparrow, der Joker, Spiderman. Letzterer wirkt manchmal ein wenig verwirrt und tanzt gerne auf der Straße mit einem riesigen Plastik-Dildo in der Hand. Fledermausheld Batman soll bereits mehrere Einladungen bekommen haben, sich politischen Parteien anzuschließen. Doch das interessiert ihn nicht: „Politiker sind alles Banditen. Parteien sind kriminelle Vereinigungen.“

 


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