Polizeistreik in Salvador: Plünderungen und Gewalt

18 04 2014
SENDUNG: Ö1 Mittagsjournal, Freitag, 18. April 2014 
Ö1 zum Nachhören

Zwei Tage streikte die Polizei im brasilianischen Fußball-WM-Austragungsort Salvador da Bahia. Die Folge war eine Welle von Gewalt und Plünderungen, bei der mindestens 39 Menschen getötet wurden. Die Regierung entsandte Elitepolizisten und hunderte Soldaten, der Streik ist mittlerweile beendet.

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Chaostage in Salvador da Bahía: Nirgendwo Polizei, Menschen plündern ungeniert Supermärkte, die Glastüren von Elektrogeschäften werden eingeschlagen, Bankomaten gesprengt. Während der 42 Stunden Polizeistreik wurden in Salvador 39 Menschen ermordet und allein am ersten Tag 60 Autos gestohlen – das sind dreimal so viele wie an gewöhnlichen Tagen. Viele Busse blieben aus Sicherheitsgründen in den Garagen der Busgesellschaften, der öffentliche Verkehr brach beinahe zusammen. In einigen Schulen fiel der Unterricht aus.

Die Regierung schickte hunderte Armeesoldaten nach Salvador. Diese sollten für Sicherheit sorgen. Mit mäßigem Erfolg. Nach Einbruch der Dunkelheit trauten sich viele Menschen nicht mehr auf die Straße, die Bars des sonst so belebten Stadtzentrums von Salvador blieben Mittwochabend fast menschenleer.

Zuckerbrot und Peitsche
Doch seit gestern Nachmittag ist der Spuk vorbei. Beendet wurde der Streik schließlich mit Hilfe von Zuckerbrot und Peitsche. Der Erzbischof von Salvador höchstpersönlich hatte sich mit Polizeisprechern getroffen und versucht, sie zum Einlenken zu bewegen – der Bevölkerung zuliebe. Die Justiz wiederum erklärte den Polizeistreik für verfassungswidrig und drohte den Streikenden mit Strafzahlungen in Höhe von 1,4 Millionen Reais pro Tag – das entspricht etwa 450.000 Euro. Die Regierung wiederum lenkte ein: sie sagte den Militärpolizisten saftige Lohnerhöhungen zu. Laut Angaben eines Polizeisprechers zwischen 25 und 60 Prozent. Weiters soll es einen neuen Verhaltenskodex für die Militärpolizei geben, der mildere Strafen bei Vergehen vorsieht. Auch das war eine zentrale Forderung der Streikenden.

Salvador da Bahía ist mit rund 2,5 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt Brasiliens. Hier werden im Juni und Juli insgesamt sechs Spiele der Fußballweltmeisterschaft ausgetragen – unter anderem ein Viertelfinale.

 


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