Gratiskondome und Müllberge: Karneval in Rio

3 03 2014
SENDUNG: Ö1 Mittagsjournal, Samstag, 1. März 2014, 12:00 Uhr / 
Ö1 zum Nachhören

In Rio de Janeiro findet wieder die größte Party der Welt statt: der Karneval. Dieser zieht jährlich etwa eine Million Touristen aus dem In- und Ausland an. Gefeiert wird auf den Straßen. An den Stränden von Copacabana und Ipanema, sowie in zahlreichen anderen Orten in Rio ziehen Trommelgruppen, sogenannte „Blocos“ durch die Straßen. Den Höhepunkt stellt jedoch der Umzug der großen Sambaschulen im Stadion Sambodrom dar.

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Fünf Millionen Gratis-Kondome

„Die Liebe endet, wenn der Karneval“ beginnt – heißt ein brasilianisches Sprichwort. Die Karnevalsfeiern in Rio de Janeiro sind traditionell extrem ausgelassen: mit Tanz, Musik, viel nackter Haut und reichlich Alkohol. „Steck beim Karneval immer ein Kondom in die Tasche“ – heißt es in einer offiziellen Videokampagne der Stadtverwaltung von Rio. Zum Schutz vor HIV und Geschlechtskrankheiten verteilt das brasilianische Gesundheitsministerium zum heurigen Karneval in Rio kostenlos fünf Millionen Kondome.

Bereits seit Wochen proben diverse Trommelgruppen -Blocos genannt – auf öffentlichen Plätzen der Stadt. Auch die großen Sambaschulen aus Rio halten öffentliche Proben ab, um sich auf den großen Samba-Umzug im Sambodrom vorzubereiten. Eine davon ist die Sambaschule Salgueiro. Sie hat ihr Veranstaltungslokal im Stadtteil Tijuca, wo auch das Maracana-Fußball-Stadion liegt. Jeden Mittwoch erscheinen hier hunderte Fans, um sich die Proben anzuschauen. Viele davon im offiziellen Rot-Weißen-Fan-Outfit.

Foto (c) Johannes Schmidt

Sambaschulen in Rio
Bereits seit sieben Monaten wird hier zweimal die Woche geprobt, erklärt Mestre Marcao, der musikalische Leiter der Samba-Bateria von Salgueiro. Am Umzug der Sambaschule im Sambodrom werden heuer etwa 250 Trommler, sowie 1.500 Tänzer und Tänzerinnen teilnehmen. Die Sambaschulen von Rio de Janeiro entstanden ab den 1920er Jahren in den Favelas von Rio de Janeiro – wie man hier die Armenviertel nennt.

Nach wie vor komme ein Großteil der Musiker und Tänzer aus den Stamm-Favelas der jeweiligen Sambaschule, erzählt Mestre Marcao, mittlerweile seien die Schulen aber offener. Sie haben Mitglieder und Fans aus allen Teilen der Stadt und allen sozialen Schichten. Die meisten Sambaschulen finanzieren heute Sozialprojekte in ihren Favelas, erklärt Raoni Ventapane. Er leitet das Jugendzentrum von Salgueiro. Dort gibt es Kurse für Sport, Tanz, Theater und Englisch, sowie Computerkurse.

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Gewichte, Silikon und Müll
Die größte Medienaufmerksamkeit gilt traditionell den sogenannten „Rainhas“, den Königinnen der Sambaschulen. Sie sind die Vortänzerinnen, die besonders aufwendige und schwere Kostüme tragen. Der brasilianischen Tageszeitung „Folha de São Paulo“ verrieten kürzlich einige Sambaköniginnen, wie sie sich auf den Karneval vorbereiten: Täglich 200 Kilogramm schwere Gewichte stemmen, nur Proteine essen und 390 Milliliter Silikon in jede Brust.

Der heurige Karneval in Rio de Janeiro könnte schmutziger werden, als sonst. Vergangene Woche demonstrierten die Müllmänner der Stadt. Sie fordern höheren Lohn und drohen mit Streik – ausgerechnet während des Karnevals.

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