Size doesn’t matter: Über Wunsch und Wirklichkeit von E-Partizipation

22 05 2013

SENDUNG: Digital.leben, Mittwoch, 22. Mai 2013, 16:55 Uhr, Ö1

Ist Bürgerbeteiligung ein Allheilmittel gegen die viel zitierte Politikverdrossenheit? Die Hoffnungen der Experten für E-Partizipation – also Bürgerbeteiligung via Internet – sind groß. Doch, was, wenn dann keiner mitmacht? Möglichkeiten und Grenzen der E-Partizipation sind eines der Schwerpunktthemen der diesjährigen CeDEM. Die internationale Konferenz für E-Democracy und Open Government findet heute und morgen in Krems statt. Woran man den Erfolg von E-Partizpationsprojekten messen kann, darüber hat Ulla Ebner hat mit Michael Sachs und Judith Schossböck vom Institut für E-Goverment der Donau-Universität Krems gesprochen.

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Europa wünscht sich Diskussion

Soll Großbritannien in der EU bleiben? Sollten junge Menschen mehr Mitspracherecht in Europa bekommen? Was tun gegen prekäre Beschäftigung und Jugendarbeitslosigkeit? Über all diese Themen können junge Europäer und Europäerinnen auf der EU-Partizipationsplattform OurSpace diskutieren. Derzeit läuft das Pilotprojekt der EU-Kommission in Großbritannien, Griechenland, Tschechien und Österreich.

Der Grund, weshalb die EU das Ganze ins Leben gerufen hat, war die niedrige Wahlbeteiligung unter jungen Menschen bei den letzten EU-Wahlen im Jahr 2009, erklärt Michael Sachs vom Zentrum für E-Governance der Donau-Universität Krems. Dieses ist für Umsetzung und Evaluierung des Projekts OurSpace in Österreich zuständig. Ziel des Projekts ist es, Jugendliche und politische Entscheidungsträger zusammen zu führen, so Sachs: „Wir schicken die Ergebnisse dann zu Entscheidungsträgern und Institutionen und messen, wieviel da zurückkommt.“

Es ist Beteiligung und keiner geht hin
Politikverdrossenheit durch Bürgerbeteiligung bekämpfen – Die Idee der EU klingt wunderbar. Doch in der Praxis spielt die Zielgruppe nicht so recht mit. Nur wenige Jugendliche beteiligen sich dann auch tatsächlich. Damit befindet sich OurSpace in derselben Situation wie zahlreiche E-Partizipationsprojekte der vergangenen Jahre. Eines der Probleme ist, dass viele Menschen nicht daran glauben, dass ihre Postings auch da ankommen, wo sie hin sollen, ist Michael Sachs überzeugt.

Wie sollte denn ein gutes E-Partizipationsprojekt ausschauen? Woran kann man Erfolg messen? Michael Sachs und seine Kollegin Judith Schossböck von der Donau-Universität Krems haben einen Katalog mit Qualitätskriterien erstellt. Dieser beinhaltet zum Beispiel Punkte wie: Inwiefern setzen sich politische Entscheidungsträger mit den Ideen der Teilnehmer auseinander? Oder: Wie relevant ist das Thema überhaupt? „Wir schauen uns bei der Evaluierung dann an, inwiefern das Thema des Projekts überhaupt vorkommt in den jeweiligen Meiden eines Landes oder ob da gar kein Anknüpfungspunkt ist zu dem, was die Bevölkerung interessiert“, erklärt Judith Schossböck.

Vom Schwarm zum Schwärmchen
Fazit der Wissenschaftler: Es kommt nicht auf die Größe eines Projekts an. Qualität geht vor Quantität. Meist wird ja Erfolg oder Misserfolg eines E-Partizipationsprojektes anhand seiner Teilnehmerzahl gemessen. Doch was nützen hunderttausende zwangsverpflichtete Schüler, die sich exakt einmal einloggen, um ihr Pflicht-Posting abzugeben? „Das ist ein Fehler, den man in den vergangenen Jahren im E-Partizipationsbereich gemacht hat“, meint Judith Schossböck, „man hat geglaubt je größer, desto besser.“ Doch in der Praxis hat sich dann herausgestellt: die Massendeliberation ist schwer umsetzbar. Bei kleinen Projekten auf lokaler Ebene schaut die Sache schon ganz anders aus, die funktionieren zum Teil viel besser.

Nicht jeder Mensch hat die Zeit und das Know How sich überall einzubringen. Ziel von E-Partizipation sollte grundsätzlich sein: mit Hilfe von Schwarm-Intelligenz für ein bestimmtes Problem eine gute Lösung zu finden. Der Schwarm kann da ruhig ein kleines Schwärmchen sein, sagt Michael Sachs: „Es geht nicht um Massenbeteiligung, sondern um die Beteiligung von Experten und Personen, die sich wirklich für ein bestimmtes Thema interessieren.“ Und wenn man jene Personenkreise mit Hilfe von E-Partizipationsprojekten in eine Entscheidungsfindung involviert, ist Sachs überzeugt, dann wird das auch zu besseren Entscheidungen führen.

Mehr dazu:

E-Partizipation: The Next Generation. Interview mit Beth Noveck

Botswana Speaks: E-Government im Südlichen Afrika

***

Berichte von der CeDEM 2012:

Mit Open Government die Korruption bekämpfen?

Demokratie 2.0 – Visionen einer offenen Regierung

Hacktivist, Slacktivist oder Gandhian? Welcher Typ Cyber-Aktivist bist du?

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CeDEM 2011:

Twitter in Zeiten der Flutkatastrophe. Interview mit Axel Bruns

Die Kraft von unten wird stärker. Interview mit Peter Parycek

Deliberation that matters. Interview mit Douglas Schuler

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3 responses

28 05 2013
Was der Staat vom Burger-Shop lernen könnte: Interview mit Tiago Peixoto | Ulla Ebner

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27 05 2013
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