Reisetagebuch Südsudan: Unterwegs im Auftrag des Herrn

9 11 2012

Thank you, Jesus, für den Allradantrieb und den weltbesten Fahrer

Als Captain Gero beginnt zu beten, ist uns etwas  mulmig zu Mute. Wir sollen uns keine Sorgen machen, wenn er in Mundri ein paar mal im Tiefflug über die Landepiste zieht, ohne aufzusetzen, erklärt uns der Deutsche. Das müsse er tun, um dort die Kühe, Ziegen und Kinder zu vertreiben. Vor jedem Platz der 12-sitzigen Cessna findet sich ein Speibsackerl. Wer es verwendet, möge es danach selber aus dem Flieger entsorgen, sagt der Pilot.

Die Flugzeuglandepiste von Mundri Town (jetzt ohne Kühe).

Captain Gero ist unterwegs im Auftrag des Herrn – so steht es auf seiner Visitenkarte. Er wollte immer schon etwas für Lord Jesus tun und so ist er bei MAF – der Mission Aviation Fellowship gelandet. Die Aufgabe dieser christlichen Organisation besteht darin, Missionare, NGO-Mitarbeiter und Hilfsgüter in abgelegene Orte Afrikas zu transportieren. Seit etwa sieben Jahren fliegt Captain Gero seine Cessna, zunächst tat er das in Kenia und Tansania, seit etwa einem Jahr hier im Südsudan. Er kann sich keinen schöneren Job vorstellen, betont er.

foto (c) ullae

Kaum ist ein Flieger gelandet, strömen aus dem Nichts zahlreiche Neugierige, um zu schauen, wer da kommt.

Mundri Town liegt nur etwa 160 Kilometer von der südsudanesischen Hauptstadt Juba entfernt. Weshalb wir diese kurze Strecke mit dem Flieger zurücklegen mussten wird uns einige Tage später klar. Da fahren wir mit dem Jeep die halbe Strecke wieder zurück, um Projekte von Licht für die Welt zu besuchen. Im ganzen Südsudan gibt es nur eine einzige asphaltierte Straße. Die führt von Juba nach Norden. Richtung Sudan, Richtung Ölfelder. Mundri liegt blöderweise im Westen. Weit und breit kein Ölfeld dort. Es ist gerade Ende der Regenzeit. Alle paar Tage kommt ein kurzer Schauer. Noch immer ist die rote „Straße“ (Achtung: Euphemismus) durchfurcht von wassergefüllten Rinnen und riesigen Schlaglöchern. Und es wird uns sonnenklar, weshalb es hier in absehbarer Zeit nichts anderes geben wird, als Subsistenzlandwirtschaft, warum die wenigen Gesundheitsstationen der Region halb leer bleiben. Transport: eine der größten „Herausforderungen“ (so sagt man im NGO-Slang zu Problemen).

Um hier durchzukommen, braucht man einen Allradantrieb, einen sauguten Fahrer und einen guten Magen. Speibsackerl haben wir keine im Jeep. Zum Glück schaff ichs auch so. (Ich darf vorne sitzen und niemand darf mich ansprechen.) Unterwegs begegnen wir zahlreichen Jeeps und LKW, die offenbar weniger gute Fahrer hatten. Ein Geländewagen wird gerade mit Schaufeln aus dem Schlamm befreit, wo er stecken geblieben ist, ein umgekippter LKW von einem zweiten wieder aufgerichtet. Ein anderer feststeckender Wagen wird von bewaffneten Soldaten bewacht. Wohlgemerkt: graben tun sie nicht, die Uniformierten. Das machen Menschen in Zivil. Aber sie stehen wichtig herum und schauen streng. „Schnell die Fotoapparate weg!“ sagt unser weltbester Fahrer. Ich kann mir vorstellen, wie es vor ein paar Wochen hier ausgesehen haben dürfte, als noch richtige Regenzeit war. Für die knapp 80 Kilometer brauchen wir drei Stunden. Und wir sind schwer erleichtert, dass wir am Samstag wieder mit einem Piloten im Auftrag des Herrn zurück nach Juba fliegen dürfen.

Reisetagebuch Teil 1: Das große Krabbeln

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