Zeitspenden per Mausklick

14 12 2011

SENDUNG: Digital.leben, Mittwoch, 14. Dezember 2011, 16:55 Uhr, Ö1

Etwa 43 Prozent der Österreicher und Österreichinnen können sich theoretisch vorstellen, sich ehrenamtlich für eine Sache zu engagieren, die ihnen wichtig erscheint. Tatsächlich tun es aber nur wenige. Einer der Gründe: oft weiß man gar nicht so recht, an wen man sich wenden könnte und was man überhaupt tun will. Um dieses Problem zu lösen hat die Internetprojektbörse Respekt.net jetzt eine neue Spendenform entwickelt: Zeitspenden per Mausklick. Respekt.net wurde vor etwa einem Jahr gegründet und war bisher eine Plattform für Crowdfunding. Das heißt Menschen, die sich zivilgesellschaftlich engagieren stellen dort ihre Projekte vor und potentielle Investoren können dafür spenden, wenn ihnen die Idee gefällt. Bisher konnte man aber nur Geld spenden. Neuerdings kann man auch seine Zeit in Form von ehrenamtlicher Tätigkeit zur Verfügung stellen.

Protestwanderweg sucht Ehrenamtliche

Nicht immer scheitert es nur am Geld, wenn Projekte nicht umgesetzt werden können. Oft fehlt es auch an Helfern oder an Expertise. Martin Auer zum Beispiel ist Mitinitiator des Ersten Wiener Protestwanderweges: Er will Orte zeigen, an denen durch zivilgesellschaftliches Engagement etwas erreicht wurde. Sei es das erste Wiener Mädchengymnasium in der Hegelgasse oder das alternative Kulturzentrum Arena, das 1967 von aktivistischen Kulturschaffenden besetzt wurde.

An diesen Orten sollen virtuelle Informationstafeln angebracht werden, das heißt: in Form von GPS-gesteuerten Smartphone-Applikationen oder QR-Strichcodes, die man mit dem Handy fotografiert und die dann Informationen aufs Mobiltelefon laden. Doch, um diese Tafeln anbringen zu können, muss man Verträge mit den jeweiligen Besitzern aushandeln. Und dafür braucht es kompetente Rechtsberatung, sagt Martin Auer: „Eine andere Sache ist Grafik. Ich selber bin für die Durchführung zuständig, ich kann auch programmieren. Aber Grafiker bin ich keiner, da brauchen wir einen Spezialisten.“

Dem geschenkten Gaul ins Maul schauen
Die Bandbreite reicht von hoch qualifizierten Beratern bis hin zu Flugblatt-Verteilen und Fahrer. Das Projekt iDepart zum Beispiel – ein soziales Netzwerk für Wutbürger –hätte auch gerne kostenlose Rechtsberatung. Die Transparenzdatenbank meineabgeordneten.at braucht Hilfe bei PR und Marketing, sowie bei der Recherche. Derzeit sind es fünf Projekte, die neben Geld- auch Zeitspenden sammeln, sagt Martin Winkler, Präsident des Vereins respekt.net. Er rechnet jedoch damit, dass in Zukunft die Hälfte aller Projekte auf ehrenamtliche Arbeitskraft zurückgreifen werden.

Doch, vielleicht will man nicht von jedem Hilfe annehmen. Damit Organisatoren von Projekten wissen, ob ihre Zeitspender auch für die Tätigkeit geeignet sind, müssen die Spender ein persönliches Profil anlegen, wo sie möglichst viel über sich und ihre Fähigkeiten erzählen. Der Organisator kann dann frei entscheiden, ob er die angebotene Hilfe annehmen möchte oder nicht.

„Irgendwer kommt immer nicht“
Die Zeitspende ist natürlich freiwillig, also kein einklagbarer Vertrag, erklärt Lena Doppel, Projektleiterin von respekt.net: „Wir können nicht hergehen und sagen, wir klagen das jetzt ein, weil einer seine angebotene Arbeitsleistung nicht eingelöst hat.“ Da es noch nichts vergleichbares gibt, müsse man eben ausprobieren, wie gut das in der Praxis funktioniert, so Doppel: „Vielleicht sagen wir dann in Zukunft den Projektabwicklern, sie sollen gleich um 20 Prozent mehr Arbeitszeit einkalkulieren, denn irgendwer kommt immer nicht.“

Die Projektbörse Respekt.net gibt es jetzt seit etwa einem Jahr. Seither wurden 200 zivilgesellschaftliche Projekte eingereicht, 60 davon konnten auch vollkommen ausfinanziert werden, sagt Martin Winkler: „Uns geht es hier nicht um Mildtätigkeit, sprich um klassische Hilfsprojekte. Bei Respekt.net geht es um Engagement für ein besseres Zusammenleben und Veränderungen im sozialen, wirtschaftlichen und politischen Bereich.“

Mehr dazu:

Digital.leben über Respekt.net

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