Als lebender Schutzschild in Kolumbien

22 04 2013

SENDUNG: Moment – Leben heute, Montag, 22. April 2013, 14:40 Uhr, Ö1

“Freiwillige gesucht für einen einjährigen Friedenseinsatz”. Immer wieder hat sie diese Anzeige des Internationalen Versöhnungsbundes gesehen, erzählt Elisabeth Rohrmoser: “Aber sie hat mich irrsinnig abgeschreckt. Denn da stand, man ist selbst für sein Leben verantwortlich”. Bei weiteren Recherchen zur kolumbianischen Friedensgemeinde San José de Apartadó stellte sie fest: in dem Gebiet sind Landminen vergraben und es existiert eine Reisewarnung des Außenministeriums. “Und ich hab mir gedacht: Nein, das ist mir zu heftig. Ich geh doch nicht wohin, wo ich mein Leben aufs Spiel setze.” Und dann ging sie doch. Zehn Monate hat die Waldviertlerin Elisabeth Rohrmoser im Bergdorf La Union, in den Urwäldern Kolumbiens verbracht, als Menschenrechtsbeobachterin im Auftrag des Internationalen Versöhnungsbundes.

(c) Elisabeth Rohrmoser

“Einige würden nicht mehr existieren”
Seit fünf Jahrzehnten tobt in Kolumbien ein blutiger Bürgerkrieg. Zwischen die Fronten geraten häufig Kleinbauern, die in den Konfliktzonen leben. Mitten im Kriegsgebiet in der nördlichen Region Urabá hat eine Gruppe Bauern beschlossen, sich nicht von bewaffneten Gruppen vertreiben zu lassen. Den Rest des Beitrags lesen »





Kolumbien: Schwierige Friedensgespräche

16 03 2013

SENDUNG: Ö1 Morgenjournal, Samstag, 16. März 2013, 7:00 Uhr /
Ö1 zum Nachhören

Seit fast 50 Jahren tobt in Kolumbien ein bewaffneter Konflikt zwischen der Regierung und linksgerichteten Guerilla-Gruppen. Der jetzige Präsident Juan Manuel Santos hat die ehrgeizigen Pläne, dem jahrzehntelangen Krieg ein Ende zu bereiten – was ihm vor kurzem sogar eine Nominierung für den Friedensnobelpreis beschert hat. Seit November finden in der kubanischen Hauptstadt Havanna Friedensgespräche statt mit der größten kolumbianischen Guerilla: den FARC. Ähnliche Versuche in den 1980ern und 90ern sind gescheitert. Wie die Chancen stehen, dass die Konfliktparteien diesmal ein nachhaltiges Friedensabkommen zustande bringen, darüber haben wir in Bogotá mit dem Oppositionspolitiker Iván Cepeda gesprochen. Er ist im kolumbianischen Kongress Sprecher der Arbeitsgruppe für die Friedensverhandlungen.

Foto (c) Valentina Duelli

Streitthema Landverteilung

Es ist ein historischer Moment für Kolumbien, glaubt der Oppositionspolitiker und Menschenrechtsexperte Iván Cepeda: Zum ersten Mal in der Geschichte des fast 50-jährigen Konflikts würden es beide Verhandlungsparteien ernst meinen mit dem Frieden. Die Gespräche haben im November auch gleich mit einem extrem heiklen Thema begonnen: Punkt 1 der Verhandlungsagenda ist das Thema ländliche Entwicklung. In diesem Zusammenhang wird auch über eine mögliche Agrarreform gesprochen. Den Rest des Beitrags lesen »





Reisetagebuch Kolumbien: Die Wurzeln unseres Übels

22 02 2013

Oder: Warum ich Colonel Daza niemals begegnet bin

Hinterher wird sehr viel Ursachenforschung betrieben. Magda und ich haben zunächst die Tintenfische in Verdacht, die wir uns – frisch zurück in der Zivilisation – im Restaurant Kiwi in der Kleinstadt Apartadó geteilt haben.

(c) Johannes Schmidt

Negar vermutet am selben Abend noch eine verhängnisvolle Kombination aus Fruchtsäften, Burgern und Brownies mit Vanille-Eis als Ursache. Wir alle waren jedenfalls der Meinung, viel Kraft tanken zu müssen, während wir uns auf das Treffen mit der 17. Militärbrigade am folgenden Tag vorbereiteten. Colonel Daza, der Vize-Kommandant, soll ein harter Knochen sein, haben wir gehört. Er verdächtigt die Bauern der Friedensgemeinde San José de Apartadó gerne, mit der Guerilla unter einer Decke zu stecken. Er wird versuchen, uns ständig das Wort abzuschneiden, heißt es. Den Rest des Beitrags lesen »





Südsudan: Mehr Chancen für Menschen mit Behinderung

22 01 2013

SENDUNG: Journal Panorama, Dienstag, 22. Jänner 2013, 18:25 Uhr, Ö1

80 Prozent aller Menschen mit Behinderung leben in Entwicklungsländern. Denn häufig ist die Ursache für Behinderungen Armut – oft in Kombination mit Krieg. Zum Beispiel im Südsudan. Vor eineinhalb Jahren hat sich der großteils christliche Süden des Sudan vom muslimischen Norden abgespalten. Nach einem mehr als 20 Jahren dauernden Bürgerkrieg, der zwei Millionen Menschenleben gefordert hat. Der Krieg hat Spuren hinterlassen: Bildungs- und Gesundheitssystem sind völlig zusammengebrochen und viele Menschen leiden heute an Behinderungen. Zahlreiche NGOs – auch aus Österreich – helfen derzeit im Südsudan beim Wiederaufbau des Landes. “Licht für die Welt” zum Beispiel kümmert sich um die Bedürfnisse behinderter Menschen. Die Hilfsorganisation will ihnen Zugang zu assistierenden Technologien und Bildung schaffen.

(c) ullae

“Es war ein quälendes Interview”, wird Gerhard Schuhmann hinterher sagen. Schuld daran sind weniger meine Fragen, als vielmehr die Moskitos, die uns während des Gesprächs beinahe auffressen. Der Augenarzt ist im Vorstand von Licht für die Welt und fährt bereits seit 30 Jahren immer wieder in diese Region. Während des Krieges war es kaum möglich, die Hauptstadt Juba zu verlassen, erzählt er. “Unmittelbar nach dem Friedensvertrag von 2005 sind wir von Kenia aus in sehr entlegene Gebiete hinein geflogen. Mit einem Operationsteam waren wir 1-2 Wochen dort und haben Augenoperationen durchgeführt”, erinnert sich Schuhmann. Damals wurde der kleine Ort Lokichoggio in Kenia, nahe der Grenze zum Südsudan zum Verteilungszentrum für Hilfsgüter. Von dort flogen auch die Augenärzte in den Südsudan.

Mehr dazu demnächst…

(c) ullae

DL

Mehr zum Südsudan:

Warten auf das Erdöl

Reisetagebuch: Unterwegs im Auftrag des Herrn

Reisetagebuch: Das große Krabbeln





Südsudan: Warten auf das Erdöl

22 11 2012

SENDUNG: Mittagsjournal, Donnerstag, 22. November 2012, 12:00 Uhr, Ö1 / Ö1 zum Nachhören

Seit mittlerweile elf Monaten stehen im ölreichen Südsudan die Ölförderanlagen still. Der Grund: Auseinandersetzungen mit dem nördlichen Nachbarn Sudan, von dem sich der Süden vergangenes Jahr nach einem langen Krieg abgespalten hat. Dem Süden gehört jetzt ein Großteil der Erdölvorkommen, die Leitungen führen aber durch den Norden. Nach großem internationalen Druck haben die beiden Konfliktparteien Ende Oktober ein Kooperationsabkommen unterzeichnet. Wichtige Frage zur Grenzziehung sind zwar noch offen, aber immerhin soll in den kommenden Monaten wieder Öl fließen. Höchste Zeit, denn 98 Prozent der südsudanesischen Staatseinnahmen kommen aus der Ölförderung. Unter den Folgen des Förderstopps leidet die Bevölkerung des Landes zunehmend. Der Kampf gegen die Korruption ist eine Bedingung der internationalen Geldgeber für Hilfszahlungen. Aber auch um Menschenrechte und Demokratisierung steht es nicht zum besten.

Sparpakete und Hilfsgelder

Die Provinzstadt Mundri Town, etwa 160 Kilometer westlich der südsudanesischen Hauptstadt Juba: Hier gibt es weder asphaltierte Straßen, noch ein Stromnetz. Viele Menschen sterben an vermeidbaren Krankheiten. Es mangelt an Ärzten und Medikamenten. Den Rest des Beitrags lesen »





Reisetagebuch Südsudan: Unterwegs im Auftrag des Herrn

9 11 2012

Thank you, Jesus, für den Allradantrieb und den weltbesten Fahrer

Als Captain Gero beginnt zu beten, ist uns etwas  mulmig zu Mute. Wir sollen uns keine Sorgen machen, wenn er in Mundri ein paar mal im Tiefflug über die Landepiste zieht, ohne aufzusetzen, erklärt uns der Deutsche. Das müsse er tun, um dort die Kühe, Ziegen und Kinder zu vertreiben. Vor jedem Platz der 12-sitzigen Cessna findet sich ein Speibsackerl. Wer es verwendet, möge es danach selber aus dem Flieger entsorgen, sagt der Pilot.

Die Flugzeuglandepiste von Mundri Town (jetzt ohne Kühe).

Captain Gero ist unterwegs im Auftrag des Herrn – so steht es auf seiner Visitenkarte. Er wollte immer schon etwas für Lord Jesus tun und so ist er bei MAF – der Mission Aviation Fellowship gelandet. Den Rest des Beitrags lesen »





Reisetagebuch Südsudan: Das große Krabbeln

8 11 2012

Oder: Missglückter Animal Porn in der Lehmhütte

Nachts wird das rosarote Prinzessinnen-Moskitonetz zu einem magischen Schutzwall zwischen mir und dem Krabbelgetier in der Lehmhütte. Zumindest rede ich mir das ein, um schlafen zu können. (es wird sich später als Irrtum herausstellen, wenn ich in der Früh die unzähligen Flohbisse an meinem Körper entdecke). Das Prinzessinnennetz ist mit giftiger Flüssigkeit eingesprüht, damit die Viecher die Lust velieren, darauf herumzukrabbeln (danke, Andrea!) Darum ist es jetzt nicht mehr so dicht bevölkert, wie an den ersten beiden Abenden. Nur die ganz Harten wagen sich noch aufs Netz. Wie zum Beispiel das giftgrüne Flug-Krabbeltier direkt über mir. Eine Riesen-Heuschrecke, vermute ich zunächst.

Plötzlich – summ – landet links von mir noch ein grünes Tier. Noch größer. Noch respekteinflößender: eine Gottesanbeterin. Sie sitzt da und mir wird klar: das über mir ist wohl das Männchen. Den Rest des Beitrags lesen »





Flow Festival: Kultur trifft Wissenschaft

2 11 2012

SENDUNG: Europa-Journal, Freitag, 2. November 2012, 18:20 Uhr, Ö1

Bereits zum dritten Mal lud das österreichische Außenministerium heuer Künstler und Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern des Donauraums zum Kulturfestival Flow. Nach Novi Sad in Serbien und dem moldawischen Chisinau war dieses Mal die nord-bulgarische Stadt Ruse Austragungsort des Flow Festivals. Es ist die fünft-größte Stadt Bulgariens und Geburtsort des Autors Elias Canetti. In Ruse befindet sich die einzige Donaubrücke, die Bulgarien und Rumänien miteinander verbindet. Drei Tage lang diskutierten die geladenen Wissen- und Kulturschaffenden dort über die aktuelle Krise und mögliche Auswege daraus: über alternative Ökonomien und mögliche Formen des Protests im 21. Jahrhundert.

Text kommt noch…

DL





Kulturpolitik in Bulgarien

2 11 2012

SENDUNG: Kulturjournal, Freitag, 2. November 2012,
17:09 Uhr, Ö1

Beim alle zwei Jahre stattfindenden Flow-Festival In der bulgarische Stadt Ruse machten sich vergangene Woche Kulturschaffende aus Österreich, Bulgarien, Rumänien, Serbien, Bosnien, der Ukraine und anderen Ländern des Donauraums Gedanken über politischen Aktivismus, über alternative Ökonomien und über Grenzen in Europa. Anlass für einen Blick auf die bulgarische Kulturpolitik.

Theater im Abbruchhaus

“P.O. Box: UNA-Bomber” nennt sich das Performance-Stück der bulgarischen Theatergruppe 36 monkeys, das im Rahmenprogramm des Flow-Festivals in Ruse gezeigt wurde. Es beschäftigt sich mit der irren Gedankenwelt des US-amerikanischen Briefbombenattentäters Ted Kaczynski. Sein Motiv für Anschläge auf Forschungseinrichtungen: Angst vor dem technischen Fortschritt. Den Rest des Beitrags lesen »





Green IT Amsterdam: Grüne Software und klimafreundliche Datenzentren

19 08 2012

SENDUNG: Matrix, Sonntag, 19. August, 22:30 Uhr, Ö1

Im Kampf gegen den Klimawandel will die EU bis zum Jahr 2020 ihre Treibgasemissionen um 20 Prozent gesenkt haben, 20 Prozent der Energie soll aus erneuerbaren Quellen kommen und insgesamt soll um 20 Prozent weniger Energie verbraucht – jeweils verglichen mit den Werten von 1990. Doch diese Ziele sind der niederländischen Hauptstadt Amsterdam nicht ehrgeizig genug. Sie möchte ihren CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2025 um ganze 40 Prozent senken. Der IT-Sektor spielt bei diesen Bemühungen eine wichtige Rolle. Immerhin verbrauchen Computer etwa 10-12 Prozent des elektrischen Stroms. Alle europäischen Rechenzentren haben zusammen einen Stromverbrauch, so hoch wie die Tschechische Republik. Und so hat die Amsterdamer Stadtregierung das Green IT Konsortium Amsterdam ins Leben gerufen. Dort überlegen sich IT-Firmen gemeinsam mit Forschungseinrichtungen, wie man Energie im IT-Sektor einsparen könnte. Die Themen reichen vom Stromsparen in großen Rechenzentren, bis hin zur Frage: Wie klimaschädlich sind eigentlich unsere Computerprogramme und Handy-Applikationen?

Der ökologische Fußabdruck von Programmen

Das Software Energy Footprint Lab an der University of Applied Sciences in Amsterdam: Aus mehreren Servern führen zahlreiche Kabel heraus. Überall blinken rote Zahlen von Messgeräten, die anzeigen, wie viel Strom gerade durch die einzelnen Komponenten des Computers fließt, während er ein bestimmtes Programm ausführt. „Wir messen den Strom überall zwischen der Steckdosen und den Komponenten. Sprich: beim Prozessor, bei der Festplatte, beim Arbeitsspeicher und so weiter“, erklärt Miguel Ferreira. Er ist Forscher der Software Improvement Group (SIG), einem niederländischen Unternehmen, das sich auf die Analyse und Verbesserung von bestehenden Software-Produkten spezialisiert hat. Den Rest des Beitrags lesen »








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