E-Partizipation: The Next Generation. Interview mit Beth Noveck

25 05 2013

SENDUNG: Matrix, Sonntag, 26. Mai 2013, 22:30 Uhr, Ö1

Als im 19. Jahrhundert das Weiße Haus in Washington gebaut wurde, war es ein offenes Haus, zu dem Bürger und Bürgerinnen Zutritt hatten, erzählt Beth Noveck gerne. Als die US-amerikanische Open Government-Expertin dann im Jahr 2009 dort ihren Dienst antrat, fand sie eine andere Situation vor: bombensichere Vorhänge vor den Fenstern ihres Büros und im Computer eine Firewall gegen Social Media. Präsident Obama beauftragte Noveck, das Weiße Haus wieder zu öffnen: die Bürger sollten Einblick erhalten, in das, was die Regierung tut. Zwei Jahre lang leitete sie die Open Government Initiative der US-Regierung. Im Mai sprach Beth Noveck auf der CeDEM an der Donau-Universität Krems. Auf der jährlich stattfindenden Konferenz für E-Democracy und Open Government machen sich internationale ExpertInnen Gedanken, welche Herausforderungen die digitale Entwicklung für die Politik von morgen bereit hält.

(c) cedem

In Ihrer Keynote bei der CeDEM haben Sie sich kritisch über groß angelegte Crowd-Sourcing-Projekte geäußert. Was ist Ihrer Meinung nach bei E-Partizipationsprojekten der letzten Jahre schiefgelaufen?

Da gibt es mehrere Sachen. Auf der einen Seite sind diese Projekte immer Top Down. Sie werden von der Regierung ausgerufen, aber man hat als Bürger nicht das Gefühl, dass jemand zuhört. Wir haben in den vergangenen Jahren Experimente im Bereich Bürgerbeteiligung gemacht, die aber keinen Einfluss darauf hatten, wie der Staat sein Geld ausgibt. Alles nette Experimente, wo Bürger untereinander diskutieren. Doch die Entscheidungen werden woanders getroffen. Den Rest des Beitrags lesen »





Demokratie 2.0: Visionen einer offenen Regierung

5 05 2012

SENDUNG: Matrix, Sonntag, 6. Mai 2012, 22:30 Uhr, Ö1

Soziale Medien beeinflussen das Verhalten der Menschen. Sie tun im Netz ihre Meinung kund, vernetzen sich und teilen Informationen mit allen anderen. Das verändert unsere Gesellschaft. Doch verändert es auch die Politik? Kann das Internet gar zu einer neuen Form der Demokratisierung führen? Wie bringt man Bürger dazu, sich aktiver zu beteiligen? Welche Daten soll eine Regierung zur Verfügung stellen, und in welcher Form? Und verhindern Transparenzinitiativen tatsächlich Korruption? Mit Fragen dieser Art beschäftigte sich Ende dieser Woche die CeDem, eine internationale Konferenz für e-Democracy und Open Government an der  Donau-Universität Krems. Experten aus aller Welt diskutierten über aktuelle und künftige Entwicklungen im Bereich elektronischer Demokratie und Open Government. Eine davon war die deutsche Open Government-Expertin Anke Domscheit-Berg.

Who opens Governments?

Politischer Aktivismus im Netz, Online-Beteiligung von Bürgern und Open Government: das waren die Schwerpunkte der heurigen CeDem-Konferenz in Krems. Die Türen des stillen Kämmerleins, also jenem Ort, wo derzeit Politik gemacht wird, die sollen geöffnet werden – Darin waren sich alle Referenten einig. Nur: Wer wird das tun? Schließen die Politiker von innen auf? Oder rennt die Zivilgesellschaft sie von außen ein? Mit dieser Frage beschäftigte sich die deutsche Open Government-Expertin Anke Domscheit-Berg, eine der Hauptrednerinnen der CeDem. Den Rest des Beitrags lesen »





Dunkle Flecken im Cyberspace

3 11 2011

SENDUNG: Matrix, Sonntag, 6. November 2011, 22:30 Uhr, Ö1
und: Digital.leben, Donnerstag, 3. November 2011, 16:55 Uhr, Ö1

Wissen ist Macht, sagte einst der britische Philosoph Francis Bacon. Die Summe des weltweiten Wissens verdoppelt sich heutzutage alle paar Jahre. Doch wem gehört das Wissen der Welt? Wo wird das Wissen geschaffen und wer hat Zugang dazu? Das wollten einige Wissenschafter vom Oxford Internet Institute in Zusammenarbeit mit der deutschen Forschungsstiftung Convoco herausfinden. Sie haben die weltweite Konzentration von Medien sowie die Herkunft wissenschaftlicher Publikationen ebenso untersucht, wie die Verteilung von nutzergenerierten Inhalten im Internet. Und es zeigt sich: Sowohl die Wissenschaft, wie auch das Netz werden dominiert von den USA und Europa. Ulla Ebner hat mit Viktor Mayer-Schönberger über die Ursachen dafür gesprochen. Der gebürtige Österreicher ist Experte für Internetrecht, unterrichtete einige Jahre an der Harvard University und ist derzeit Professor am Oxford Internet Institute.

Die Welt von Wikipedia

Betrachtet man die Welt durch das Online-Lexikon Wikipedia, so könnte man meinen, die Welt bestünde aus einem riesigen Europa und enormen Vereinigte Staaten sowie daneben noch aus ein paar kleinen Inseln. Das Oxford Internet Institute hat Wikipedia-Artikel analysiert: Welche Orte sind darin erwähnt? Und wo leben die User, die Informationen bereitstellen – egal in welcher Sprache die Einträge verfasst wurden. Asien, Lateinamerika und Afrika spielen darin eine völlig untergeordnete Rolle, erklärt Viktor Mayer-Schönberger: „Das heißt, würden wir Wikipedia als Lexikon vertrauen, dann würden wir eine Welt reflektiert bekommen, die zutiefst europäisch geprägt ist.“ Den Rest des Beitrags lesen »





Internet mit Grenzbalken?

17 10 2011

SENDUNG: Digital.leben, Montag, 17. Oktober 2011,
16:55 Uhr, Ö1

Viel wird heutzutage diskutiert zum Thema Macht und Kontrolle über Daten im Internet. Doch relativ wenig darüber, wer eigentlich das Internet selbst kontrolliert. Wer bestimmt, wie offen und dezentral das Netz strukturiert ist, wo welche Filter eingerichtet werden und wie Internet-Domänen vergeben werden? Über diese und andere Themen debattierten Ende September die Teilnehmer des 6. Internet Governance Forums in Nairobi. Denn seit Jahren tobt ein Machtkampf zwischen den USA, Europa und den aufstrebenden Schwellenländern um das Regieren des Internets. Und diese Interessenskonflikte könnten letztlich dazu führen, dass das offene world wide web zunehmend „nationalisiert“ wird, befürchtet der Internet-Rechtsexperte Viktor Mayer-Schönberger. Der gebürtige Österreicher forscht am Oxford Internet Institute und war am 11. Oktober zu Gast beim Telekom Futuretalk in der Wiener Hofburg zum Thema “Who rules the internet society?”.

USA verteidigen Netz-Herrschaft

Das Internet ist ein unglaublich komplexes System und die vielen Elemente, die es hat, werden von unterschiedlichen Macht- und Einflusssphären beherrscht. Und noch seien es die USA, die hier die Nase vorn haben, erklärt Viktor Mayer-Schönberger. Denn sie kontrollieren das komplexe technische System, das dafür sorgt, dass UserInnen, die beispielsweise oe1.orf.at in ihren Browser eingeben, auch tatsächlich auf der Ö1-Website landen. Den Rest des Beitrags lesen »





Food Porn: Die Lust am Blick in fremde Kochtöpfe

11 10 2011

SENDUNG: Digital.leben, Dienstag, 11. Oktober 2011,
16:55 Uhr, Ö1

Wer beim Begriff “Food Porn” denkt, dass hier Karotten und Melanzani irgendwie zweckentfremdet werden, der irrt. Denn Food Porn hat zwar viel mit Verbotenem, mit Sinnlichkeit und Exhibitionismus zu tun. Aber rein gar nichts mit Sex. Food-Porn-begeisterte Internetuser erfreuen sich in ihren Blogs gegenseitig mit anregenden Bildern von Speisen. Von scharfen exotischen bis hin zu unanständig-kalorienreichen.

Amateur, Table Dance, Hardcore

„All deine köstlichen Träume und verbotenen Fantasien werden hier erfüllt“ – Das verspricht der US-amerikanische Blog Foodporn.com. Unter der Subkategorie „Amateur“ verbergen sich Bilder von Selbstgekochtem, unter „Table Dance“, die Lieblingslokale von Bloggerin Chantrelle. Klickt man auf „Hardcore“ landet man bei Pilzfotos und Rezepten für Pilzgerichte. „Hardcore daran ist, dass wir die Pilze selber sammeln“, erklärt Chantrelle und das ist in Kalifornien fast überall verboten, „wir ziehen die Regenmäntel an, schleichen in den Wald und verstecken die Pilze im Rucksack. Wenn dich der Ranger dabei erwischt, wird das teuer. Und noch dazu nimmt er dir die Pilze wieder ab.“ Den Rest des Beitrags lesen »





Hip Hop (1): Wie alles begann

6 06 2011

SENDUNG: Radiokolleg “Hip Hop und Empowerment. Sprechgesang, Spraydosen und Sozialrebellen” (Teil 1), Montag, 6. Juni 2011, 9:45 Uhr, Ö1

Hip Hop – das ist Sprechgesang, in dem viele schmutzige Wörter vorkommen, die wir auf Ö1 niemals in den Mund nehmen würden, das sind Macho-Männer mit Sonnenbrillen, Goldketten und Pelzkrägen, die seltsam und übertrieben gestikulieren. Sie fahren in schnittigen Sportwagen und sind stets umringt von leicht bekleideten Damen. Zumindest ist das der Eindruck, wenn man sich die einschlägigen Videos im Fernsehen anschaut. Doch im Hip Hop kann es auch um etwas anderes gehen als Autos und Frauen. In diesem Radiokolleg machen wir uns auf die Suche nach sozialkritischen und politischen Hip HopperInnen in verschiedenen Ländern und schauen uns Hip Hop als Methode in der Sozialarbeit an. Der erste Teil beschäftigt sie sich mit der Entstehung der Jugendkultur Hip Hop.

Block Parties in der Bronx

Entstanden ist der Hip Hop Mitte der 1970er Jahre in der New Yorker Bronx. Zu dieser Zeit war das Viertel bereits extrem heruntergekommen. Es gab viele leerstehende Häuser, die Arbeitslosigkeit war enorm und gewalttätige Jugendgangs breiteten sich aus. Schuld daran war eine schlechte Verkehrspolitik: Eine Autobahn – der Cross-Bronx-Highway – hatte das Viertel von der restlichen Stadt abgeschnitten. Die Angehörigen der Mittelschicht verließen die Bronx, ebenso viele Wirtschaftstreibende. Zurück blieben die, die es sich nicht leisten konnten, weg zu gehen. Den Rest des Beitrags lesen »





Deliberation that matters. Interview mit Douglas Schuler

9 05 2011

SENDUNG: Digital.leben, Montag, 9. Mai 2011, 16:55 Uhr, Ö1

Werden wir rechtzeitig genug intelligent genug sein? Unsere derzeitigen Eliten sind offenbar nicht in der Lage die großen Probleme zu lösen, die unseren Planeten bedrohen, glaubt Computerwissenschafter Douglas Schuler vom Evergreen State College in Washington und Programmdirektor des Public Sphere Project. Daher sei die kollektive Intelligenz der Bevölkerung gefragt. Eine solche deliberative Demokratie bedeutet aber, dass die Bürger und Bürgerinnen sich permanent aktiv am politischen Diskurs beteiligen. Dazu brauchen sie sowohl Möglichkeiten, wie auch Fähigkeiten. „Deliberation that matters“ lautete der Titel von Schulers Vortrag auf der  Conference for eDemocracy and Open Government (CeDem) der Donau-Universität Krems.

AUDIO: Douglas Schuler (11:00)


Sie haben ja heute in Ihrem Vortrag auf der CeDem von den großen Herausforderungen unserer Gesellschaft gesprochen, wie Klimawandel oder die Ernährung der Weltbevölkerung bei steigendem Bevölkerungswachstum und dass es derzeit nicht so aussieht, als würden unsere Politiker diese Probleme lösen können. Was macht Sie so optimistisch, dass die kollektive Intelligenz der Bürger und Bürgerinnen dafür Lösungen finden könnte?

Schuler: Ich bin mir auch nicht ganz sicher. Wir stehen vor diesen großen Herausforderungen und es gibt die Möglichkeit für gute Lösungen. Manche Menschen nennen das Optimismus. Aber zumindest will ich mich nicht jenen Leuten anschließen, die sagen, wir haben prinzipiell keine Chance zu überleben. Ich bin eigentlich weder Optimist, noch Pessimist. Aber ich anerkenne zumindest die Möglichkeit, dass es gute Lösungen geben könnte, wenn man die Leute einbindet. Den Rest des Beitrags lesen »





James K. Galbraith: Der geplünderte Staat

9 07 2010

HÖRTIPP: Kontext – Sachbücher und Themen,
Freitag 9. Juli 2010, 9:05 Uhr, Ö1

Neoliberale Theorien wie der Freihandel, der schlanke Staat oder flexible Löhne gehören längst in den Abfalleimer der Geschichte. Konservative Politiker glauben selbst nicht mehr daran. Im politischen Diskurs werden diese Theorien aber weiterhin beschworen. Und zwar, weil die Reichen und Mächtigen davon profitieren. Diese plündern staatliche Gelder und stecken sie in ihre privaten Taschen. Das ist die Kernaussage von James K. Galbraiths aktuellem Buch „Der geplünderte Staat. Oder was gegen den freien Markt spricht“.

James K. Galbraith ist der Sohn des 2006 verstorbenen linksliberalen Starökonomen John Kenneth Galbraith, der unter anderem als Berater der US-Präsidenten Roosevelt und Kennedy tätig war. James K. Galbraith selbst unterrichtet Wirtschaft an der University of Texas in Austin. Er schreibt für diverse Zeitungen und hat mehrere Bücher über Finanzwirtschaft und ökonomische Ungleichheit veröffentlicht.

Galbraith war stets einer der schärfsten Kritiker der Wirtschaftspolitik von George W. Bush. Im Juni besuchte er Wien und bei dieser Gelegenheit hat sich Ulla Ebner mit ihm über sein aktuelles Buch unterhalten.


Vom Aufstieg und Fall des freien Marktes
Es ist die Geschichte einer Idee, die zuerst gehegt und dann von ihren eigenen Fürsprechern verraten wurde, schreibt James K. Galbraith im Vorwort zur deutschen Ausgabe seines Buchs “Der geplünderte Staat oder Was gegen den freien Markt spricht”. Die Idee des freien Marktes wurde seiner Meinung nach dazu benützt, den Sozialstaat in eine Maschine zur privaten Vermögensanhäufung und Machtsicherung zu verwandeln. Den Rest des Beitrags lesen »





Pippa Norris: Cosmopolitan Communications

2 06 2010

SENDUNG: Digital.leben, Mittwoch, 2. Juni 2010, 16:55, Ö1

Was passiert, wenn entlegene Dörfer in Bhutan oder Mali plötzlich Teil der Informationsgesellschaft werden, amerikanische Nachrichten, Soap Operas und Reality TV konsumieren? Führt das unweigerlich zu einem kulturellen Einheitsbrei in der Welt? Folgen dann alle denselben Wertmustern? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Politikwissenschafterin Pippa Norris von der Universität Harvard in ihrem neuen Buch „Kosmopolitische Kommunikation: Kulturelle Vielfalt in einer globalisierten Welt“. Bekannt wurde Pippa Norris vor allem durch ihr 2001 erschienes Werk „Digital Divide“, in dem sie die globale Kluft thematisiert zwischen jenen, die Zugang zu Informationsnetzwerken haben und jenen, die davon ausgeschlossen sind. Ulla Ebner hat mit Pippa Norris über ihr aktuelles Buch gesprochen.


Kulturelle Firewalls
In ihrem neuen Buch „Cosmopolitan Communications: Cultural Diversity in a Globalized World” geht sie der Frage nach, inwiefern die Ausbreitung von Massenmedien, wie Kabelfernsehen und Internet Einfluss auf die kulturelle Vielfalt in der Welt haben. Bekannt wurde Pippa Norris vor allem durch ihr 2001 erschienes Werk „Digital Divide“. Den Rest des Beitrags lesen »








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